Regionalforstamt

Das Ereignis „Kyrill“ war ein Signal für den Klimawandel

Aufarbeiten im Wald nach Kyrill: So wie hier am Reifelscheid bei Bad Berleburg sah es vor zehn Jahren überall in Wittgenstein aus. Harvester wurden sogar aus Skandinavien geholt und in der Region eingesetzt. Archivfoto:Vetter

Aufarbeiten im Wald nach Kyrill: So wie hier am Reifelscheid bei Bad Berleburg sah es vor zehn Jahren überall in Wittgenstein aus. Harvester wurden sogar aus Skandinavien geholt und in der Region eingesetzt. Archivfoto:Vetter

Wittgenstein.   Die Naturkatastrophe hat für einen Umdenkungsprozess bei Förstern und Waldbesitzern gesorgt. Deshalb sieht unser Wald jetzt anders aus.

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Der Wald, von den privaten Eigentümern als langfristige Sparkasse gepflegt, liegt buchstäblich am Boden – allein in Wittgenstein insgesamt auf einer Fläche von 3 000 Hektar. Zehn Jahre ist es her, als der fatale Orkan „Kyrill“ die Bäume wie Streichhölzer knickte. Die Wittgensteiner Waldbesitzer und die staatlichen wie privaten Forstverwaltungen standen vor schier unlösbaren Aufgaben. Wie können wir das Holz aufarbeiten, wann und an wen verkaufen?

Vorbildlich gemeistert worden sind diese Probleme überwiegend deshalb, weil alle kleinen und großen Waldbesitzer dem Forstamt Siegen-Wittgenstein vertraut haben. Das sieht Forstdirektor Diethard Altrogge nicht allein so. Bestätigt wurde er von Hans-Ulrich Kolb (Waldbauernverband) sowie den Vorstandsmitgliedern der Waldbesitzervereinigung Wittgenstein, Herbert Grübener und Dr. Helmut Roth. Sie ließen am Freitag „Zehn Jahre Kyrill“ Revue passieren.

Zwei Seiten der Medaille

„Manche hat es die Existenz gekostet, Söhne einiger Waldbauern mussten in andere Berufe wechseln“ – das war die eine, die sehr bedauerliche Seite der Medaille, zeigte Altrogge die schlimmen Folgen von „Kyrill“ auf, den Orkan, den er selbst heute als „Signal für den Klimawandel“ deutet.

Aber alle Beteiligten haben aus der Naturkatastrophe gelernt, haben schnell festgestellt, dass nur die „kooperative Holzvermarktung im Zusammenschluss der Waldbesitzer der Schlüssel zum Erfolg“ sein kann. Täglich bis zu sieben, mit Stammholz voll beladene Lastzüge brachten vornehmlich Fichte zu Sägerwerken in Süddeutschland. Das Holz stammte aus dem Pool aller Wittgensteiner Eigentümer, war teilweise in Nasslagern an der Eder in Dotzlar, bei Saßmannshausen und am Dödesberg zwischengelagert. Abgerechnet wurde über das gesamte Sortiment – zu fairen Preisen, wie Förster Klaus Damm erinnerte.

Von jedem Festmeter Holz ein Euro für den Wegebau

Das Schadensereignis setzte einen Umdenkungsprozess in Gang, der neben der Wiederaufforstung auch den Wegebau betraf. Hier war die Forstbetriebsgemeinschaft Sassenhausen Vorreiter, die als erstes den „Wegebau-Euro“ pro verkauften Festmeter eingeführt hatte.

Und wie sieht der Wald heute aus? Mit 93 Prozent Anteil dominierte die Fichte eindeutig; aber das hat sich geändert: Durch Naturverjüngung und Wiederbewaldung hat sich ein gesundes Verhältnis von Laub-, Nadel- und Mischwald entwickelt. Dieses Bewirtschaftungskonzept des Forstamtes tragen beide Rentkammern in Berleburg und Laasphe mit.

Ein beispielhafter Zusammenschluss

Als eine der positiven Folgen von „Kyrill“ hat Diethard Altrogge am Freitag die Waldbesitzervereinigung Wittgenstein hervorgehoben, seit ihrer Gründung vor drei Jahren ein Vorzeige-Beispiel in ganz NRW.

WBV-Vorsitzender Herbert Grübener erläuterte, dass Holzvermarktung und Wegebau wesentliche Bestandteile des Vereinszweckes sind. Nachdem die drei ehemaligen Forstbetriebsgemeinschaften Heilige Holz, Sassenhausen und Unteres Edertal zur WBV zusammengetan hatten, kamen weitere private, kommunale und kirchliche Waldbesitzer hinzu, zuletzt die Gemeinde Erndtebrück.

Jeder bleibt autark in seinen Rechten

Rückblickend auf „Kyrill“, sagt WBV-Beisitzer Dr. Helmut Roth: „Die Katastrophe war so groß, dass alle in eine Solidargemeinschaft zusammenrückten. Das war alternativlos!“ Wichtig ist dem Vorstand, darauf hinzuweisen, dass jeder Waldbesitzer autark in seinen Rechten bleibe. Er bekomme letztlich nur noch eine Gutschrift, weil er sich um nichts mehr kümmern müsse – aber natürlich könne. Wer ein bestimmtes Sägewerk bevorzugt, kommt damit ebenso zum Zuge, wenn er einen bestimmten Unternehmen nicht in seinem Wald haben möchte.

Weitere Forstbetriebsgemeinschaften und Waldbesitzer hätten inzwischen auch schon ihr Interesse an einer Mitgliedschaft signalisiert, verriet Herbert Grübener und lobte das gute Zusammenspiel zwischen den Waldbesitzern und den Förstern. Der harmonische, menschliche Umgang miteinander trage letztlich zum Erfolg der WBV bei, sagte Grübener.

Fotostrecke: Kyrill in Wittgenstein

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