Chronologie

Das Verbrechen geschieht, während im Dorf gefeiert wird

Der Tatort aus heutiger Sicht liegt wenige Meter hinter der Stahltür. Dort war vor 41 Jahren noch eine eiserne Schiebetür, durch deren Spalt ein junges Mädchen etwas gesehen haben wollte.

Foto: Christoph Vetter

Der Tatort aus heutiger Sicht liegt wenige Meter hinter der Stahltür. Dort war vor 41 Jahren noch eine eiserne Schiebetür, durch deren Spalt ein junges Mädchen etwas gesehen haben wollte. Foto: Christoph Vetter

Beddelhausen.  Der 13. Juni 1976 ist ein schöner Sonntag in Beddelhausen, sommerliche Temperaturen. Das Dorf ist gut gelaunt, hat am Samstagabend im Festzelt auf den Ederwiesen nahe der Rundbogenbrücke ein Freundschaftssingen des Männergesangvereins „Liederfreund“ gefeiert.

Der 13. Juni 1976 ist ein schöner Sonntag in Beddelhausen, sommerliche Temperaturen. Das Dorf ist gut gelaunt, hat am Samstagabend im Festzelt auf den Ederwiesen nahe der Rundbogenbrücke ein Freundschaftssingen des Männergesangvereins „Liederfreund“ gefeiert. Heute geht es mit einem Frühschoppen weiter. Die Stimmung ist gut, kaum jemand mag die Feier verlassen.

Beim Sängerfest

Auch Johanna Krämer und ihrem Mann Ernst gefällt es gut im Festzelt, aus dem sie gegen 17.15 Uhr nach Hause schlendern. Aber nicht allein, denn „bei Bahnhöfers“ wie die Getränkehändler im ganzen Dorf genannt werden, gibt es immer noch einen Absacker. Mit Nachbarn lassen die Krämers den Sonntag feucht-fröhlich auf einer Sitzgruppe vor dem Haus ausklingen. Um 20 Uhr ist Zapfenstreich, das Ehepaar Krämer geht zu Bett.

Zu diesem Zeitpunkt ahnte niemand, dass die Bahnhöfer Oma tot ist. Es ist ein Mord geschehen. Maria Fusenig, die 66 Jahre alte Mutter von Johanna, liegt seit einigen Stunden in einer Blutlache, hinten in der letzten Ecke der Lagerhalle hinter einem Stapel Getränkekisten.

Krämers hatten geglaubt, dass Mutter bei Verwandten im Dorf wäre. Deshalb wurde die 66-Jährige Witwe auch nicht vermisst. Dann kommt zu später Stunde noch ein Kunde; er wird bedient von der damals 14-jährigen Tochter der Krämers. Als sie Wechselgeld herausgeben will, erschrickt sie: Die Kasse ist leer. Sie rennt ins Eltern-Schlafzimmer zu ihrer Mutter ans Bett, weckt sie auf und berichtet von dem fehlenden Münzgeld.

Die schreckliche Entdeckung

Johanna Krämer bekommt einen gehörigen Schreck, sie ist wie gelähmt und befürchtet Schlimmes. Das tritt ein: Hinter einem Stapel Getränkekästen liegt die leblose Mutter in einer riesigen Blutlache. Johanna stößt ihre Tochter weg und erspart ihr so den grausigen Anblick. Dann rennt Johanna schreiend aus der Halle, sie steht unter Schock, weiß nicht einmal ob die Mutter lebt oder nur schwer verletzt ist. Ein Nachbar wird aufmerksam und ruft sofort die Polizei und den Krankenwagen. Schnell sind Polizisten und Rettungskräfte vor Ort, können aber nichts mehr tun. Maria Fusenig ist mit einer Bierflasche erschlagen worden.

Noch in der Nacht nehmen Staatsanwalt Norbert Braun (Siegen) und die Mordkommission aus Hagen die Ermittlungen auf. Die können sich nur auf Zeugenaussagen stützen. Immer mehr Puzzleteile kommen zusammen, doch das entscheidende Stückchen fehlt, um das Bild der schrecklichen Tat abzurunden.

Der Verdächtige

Gesucht wird nach einem jungen, etwa 1,70 m großen Mann mit blondem Haar. Er trug eine blaue Hose und einen hellen Pullover. Er wird in Zusammenhang gebracht mit einem gelben, teilweise schwarz beklebten Wagen, der am Bahnhof gestanden haben soll. Tagelang bitten Westfalenpost und Westfälische Rundschau im Namen der Kripo um Hinweise etwaiger Zeugen. Staatsanwaltschaft und die Familie Krämer haben jeweils 3000 Mark Belohnung für den entscheidenden Tipp ausgesetzt. Doch der kommt nicht. Der unbekannte Mann, der wegen 50, vielleicht 100 Mark Wechselgeld tötete, bleibt auf freiem Fuß.

41 Jahre danach

Lebt er sogar heute noch? Hat er sein Gewissen gegenüber einem Vertrauten erleichtert? Hat er vielleicht das junge Mädchen, womöglich eine Zeugin der Tat, eingeschüchtert? Ihr gedroht? Oder ist der Mörder längst begraben?

Polizeihauptkommissar Ulrich Kayser vom Polizeipräsidium Hagen lässt solche Fälle nicht ruhen. Immer wieder überprüft er die Kopien alter Akten, arbeitet eng mit der zuständigen Staatsanwaltschaft zusammen. „In diesem Fall hat die Staatsanwaltschaft in Siegen keine Asservate und auch kein Spurenmaterial mehr. Es gibt also keinen neuen Ermittlungsansatz.“ Es sei denn, es gibt doch noch jemanden, der sein Gewissen erleichtern möchte.

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