Sanierung

Den Speis rühren und die Berleburger Schlossmauer retten

Schlossmauer in Bad Berleburg

An der Schlossmauer in Bad Berleburg sind im Laufe der Jahre Steine heraus gebrochen. Aktuell arbeitet Dominik van Bestreenen, der als echter Kunsthandwerker zu bezeichnen ist, daran, das Jahrhunderte alte Mauerwerk zu sanieren

An der Schlossmauer in Bad Berleburg sind im Laufe der Jahre Steine heraus gebrochen. Aktuell arbeitet Dominik van Bestreenen, der als echter Kunsthandwerker zu bezeichnen ist, daran, das Jahrhunderte alte Mauerwerk zu sanieren

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Bad Berleburg.   Baufacharbeiter Dominik van Westreenen ist mit der Kernsanierung der Pfeiler an der Berleburger Schlossmauer beschäftigt - noch einige Wochen.

Dominik van Westreenen kennt fast jeden Stein am und um Schloss Berleburg. Zumindest jeden, der mal in den vergangenen 28 Jahren locker gewesen ist. Ihn als Maurer zu bezeichnen, wäre untertrieben. Der 52-jährige Baufacharbeiter ist eher ein Kunsthandwerker. Seit einigen Tagen arbeitet er an der Kernsanierung von mehreren Stützpfeilern und der Schlossmauer am breiten Weg im Schlosspark.

Fingerfertig rührt er den Mörtel im Eimer an, ein paar Tropfen Wasser noch, dann fliegt die klebrige Masse von der Kelle in die Fuge. Mit den Fingern im Handschuh drückt Dominik die Masse fest nach und verbindet so den frischen, leicht abgedunkelten Mörtel mit der alten Kohle-Schlacke. Seit wann die unzähligen schweren, rechteckigen Grauwackesteine halten, kann nur geschätzt werden: Heimatforscher Hans Petry, der sich sein Leben lang um die Schlossgeschichte gekümmert hat, muss zugeben, „dass mir von der Schlossmauer keine Akte untergekommen ist“. Denkbar sei es durchaus, dass Mauern als Stütze der Münze (auf Felsen im 17. Jahrhundert erbaut) bereits seit über 300 Jahren existieren.

Frost frisst die Fugen

Im Laufe der Jahrhunderte ist natürlich immer wieder Wasser in das Gemäuer gedrungen, und durch den Frost ist die Verfugung nicht gerade stabiler geworden. Jetzt hatten sich wieder ein paar Steine gelöst, und weil die Rentkammer im Park nicht nur für dessen Schönheit und Pflege, sondern auch für die Verkehrssicherungspflicht zuständig ist, wurde van Westreenen beauftragt.

Er arbeitet seit der Wiedervereinigung, die ihn zur Firma Saßmannshausen (Eckes) nach Richstein gebracht hat, immer wieder mal an fürstlichem Gemäuer. „Zuletzt habe ich vor 16 Jahren hier gearbeitet“, sagt er und zeigt mit der Maurerkelle auf eine verputzte Stelle. Sie trägt die Jahreszahl 2002. Damals seien nur lose Fugen ausgebessert worden, „heute ist es eine echte Kernsanierung. 30 Jahre brauchen wir hier jetzt nichts mehr zu machen“, hofft der Handwerker.

Es sind in erster Linie die Pfeiler, die renoviert werden müssen, als die Schlossmauer dazwischen. Sie zeigt nur leichte Wölbungen auf. Dennoch wird van Westreenen sie zwischen den mächtigen Stützen bis zur Brüstung abdichten, um das Herabfallen von Steinen zu verhindern. „Immerhin sind hier ja jede Menge Spaziergänger unterwegs. Deshalb nehme ich lockere Steine raus, manche fallen mir schon entgegen, wenn ich die Fugen auskratze.“ Gearbeitet wird von unten nach oben; ein Gerüst verhilft dem 52-Jährigen in die Höhe.

Schiefer zwischen Fels und Mauer

Seine „Kollegen“, die die schweren Steine vielleicht unter der Herrschaft von Casimir Graf von Wittgenstein-Berleburg (1687 bis 1741) geschleppt und aufgeschichtet haben, konnten auf Schiefer aus der näheren Umgebung, u.a. in Raumland, zurückgreifen. Den haben sie als Füllmaterial zwischen den in den Park abfallenden Fels und das Mauerwerk gepackt. So kann von oben eindringendes Wasser abfließen, der Druck minimiert werden.

In dieser Woche erwartet Dominik van Westreenen den Aufbau eines stählernen Baugerüstes, das an der elf Meter hohen Schlossmauer als Arbeitsbühne auch am Pfeiler dient. Von unten nach oben wird der Richsteiner dann zunächst Steine herausnehmen und sie an den gesunden Kern neu aufmauern und mit Mörtel verdichten. „Das ist die preiswerte Alternative zu einem kompletten Abbruch“, weiß der Facharbeiter. Außerdem bietet der Breite Weg nicht genügend Platz für schweres Gerät. „Das geht nur mit echter Handarbeit“, weiß Dominik.

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