Tierschutz

Deutschlands erste Stierkämpferin: Schon drei Strafanzeigen

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Der entscheidende Moment. Die in Bad Berleburg aufgewachsenen Clara Sofie Kreutter tötet am 16. August 2021 als „erste deutsche Stierkämpferin“ einen Stier in einer Arena. Damit löst sie einen Sturm der Entrüstung aus.

Der entscheidende Moment. Die in Bad Berleburg aufgewachsenen Clara Sofie Kreutter tötet am 16. August 2021 als „erste deutsche Stierkämpferin“ einen Stier in einer Arena. Damit löst sie einen Sturm der Entrüstung aus.

Foto: José del Olmo via www.imago-images.de / imago images/Agencia EFE

Bad Berleburg/Ledaña.  Gegen Clara Kreutter wird wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz ermittelt. Aber so einfach ist das nicht. Denn der Tatort ist Spanien

Gegen die Stierkämpferin Clara Sofie Kreutter liegen weitere Strafanzeigen bei der Staatsanwaltschaft Siegen vor. Neben der Tierschutzorganisation Peta, die der 29-jährigen gebürtigen Bad Berleburgerin einen Verstoß gegen das deutsche Tierschutzgesetz vorwirft, hat es zwei weitere Anzeigen gegeben, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Patrick Baron von Grotthuss, bestätigt.

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Kreis-Veterinäramt eingeschaltet

Die jüngste Anzeige ist datiert aus dem September. Eine Frau hatte sich an den Kreis Siegen-Wittgenstein gewendet und diesen aufgefordert, gegen die Stierkämpferin tätig zu werden und ihr doch die Erlaubnis, Tiere zu halten, zu entziehen. Wie der Sprecher des Kreises, Manuel Freudenstein, erläutert, habe man den Fall gemeinsam mit dem Veterinäramt des Kreises geprüft und dann an die Staatsanwaltschaft abgegeben, weil die Beschuldigte im Kreis Siegen-Wittgenstein keine Tiere halte oder einer Tätigkeit mit Tieren nachgehe. „Wir können nur etwas entziehen, was wir auch erteilt haben“, formuliert es Freudenstein. Anschließend habe man dies auch der Hinweisgeberin erläutert.

Staatsanwaltschaft prüft

Die Staatsanwaltschaft Siegen prüft die Vorwürfe aus den Anzeigen. Konkret geht es darum, dass Clara Sofie Kreutter als „erste deutsche Stierkämpferin“ im August 2021 zwei Stiere in einer Arena im spanischen Ledaña getötet hat. Das ist unstreitig, weil die Kämpfe bei einem spanischen Stierkampfsender live im Fernsehen übertragen wurden. Peta nutzt die Aufmerksamkeit dieses Verfahrens, um gegen die umstrittene Praxis des Stierkampfes vorzugehen. Unterstützung gibt es dabei nicht nur von Tierschützern, sondern auch einer breiten Öffentlichkeit in den sozialen Netzwerken – vor allem in Deutschland.

Kein eindeutiger juristischer Fall

Juristisch ist der Fall aber weniger eindeutig und der Ausgang spannend. Zwar ist der Stierkampf spanische Tradition, aber inzwischen nicht mehr überall erlaubt. Ausgerechnet im spanischen Ledaña, dem Ort an dem Kreutter in die Arena ging, ist der Stierkampf nicht verboten.

Wie Patrick Baron von Grotthuss erläutert, prüft die Staatsanwaltschaft in Siegen jetzt, inwieweit das deutsche Strafrecht betroffen ist. Das regelt Paragraf 7 Strafgesetzbuch: Für Taten, die im Ausland begangen werden, gilt das deutsche Strafrecht, wenn die Tat eines deutschen Staatsbürgers am Tatort mit Strafe bedroht ist oder der Tatort keiner Strafgewalt unterliegt. Da in Spanien Strafgewalt herrscht, fällt der zweite Grund weg. Zu prüfen ist von den deutscher Ermittlern nun, ob die Tötung der Tiere am Tatort strafbar gewesen ist.

Deutsche Ermittlungen im Ausland

Eine weitere Frage sei dann, ob in Deutschland ein Strafverfahren eröffnet werde oder aber dieses an die Behörden am Tatort – also Spanien – abgegeben werde. Grundsätzlich können deutsche Behörden auch Straftaten im Ausland verfolgen. Mord, Hochverrat, Sportwettenbetrug oder Amtsdelikte – beispielsweise Bestechlichkeit – gehören zu solchen Straftaten.

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