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Erndtebrück: Gelingt so die demografische Wende?

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Erndtebrück will auf der Trendwelle der Stadtflucht hinaus aufs Land mitschwimmen und schafft in der Gemeindezahlreiche Angebote, die das Interesse potenzieller Neubürger wecken sollen.

Erndtebrück will auf der Trendwelle der Stadtflucht hinaus aufs Land mitschwimmen und schafft in der Gemeindezahlreiche Angebote, die das Interesse potenzieller Neubürger wecken sollen.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Erndtebrück.  Die Prestigeprojekte in Erndtebrück häufen sich – aber locken sie auch Neubürger in die Gemeinde? Es ist ein Trend erkennbar.

Ist das jetzt der Aufschwung in Erndtebrück? Über ein Plus von 9,8 Zugezogenen pro 1000 Einwohnern im vergangenen Jahr zeigte sich jetzt Bürgermeister Henning Gronau erfreut – und macht gleichzeitig überregional Werbung für die Edergemeinde.

Neuer, schöner Ederauenpark im Kernort, Neubaugebiete mit zahlreichen Interessenten, ein geplanter Dirtbike-Park direkt am Bahnhof und das KoDorf, das auf dem Gelände des ehemaligen Sägewerks entstehen soll – die Prestigeobjekte in der kleinen Wittgensteiner Gemeinde häufen sich. Das bleibt auch überregional nicht unbemerkt. Erst am Freitagabend sendete das WDR Fernsehen einen Beitrag über Erndtebrück.

„Kehrtwende auf dem Land: Kein anderer Ort steht dafür so sehr wie Erndtebrück in Südwestfalen. Nirgends gibt es so viele zugezogene Neubürgerinnen und Neubürger“, hieß es da im Beitrag. Bürgermeister Gronau liefert dazu die Zahlen: „Erndtebrück ist die Nummer Eins in Südwestfalen beim Wanderungssaldo. Wir hatten letztes Jahr ein Plus von 9,8 Zugezogenen pro 1000 Einwohner in unserer schönen Edergemeinde. Das freut mich persönlich sehr“, schreibt er in den sozialen Medien.

Der Trend nach oben ist da

Dass der Trend in die richtige Richtung bereits im vollen Gange sei – nämlich, dass mehr Menschen zum Leben nach Erndtebrück kommen – machte Gronau auch beim vergangenen Zukunftsdialog der Regionale 25 im sauerländischen Altena deutlich. Dort berichtete er vom KoDorf und von der Wirkung, die dieses Projekt auf die Gemeinde haben kann. „Wir haben den Trend schon hinbekommen. Menschen wollen nach Erndtebrück ziehen. Das wollen wir noch weiter verstärken und die entsprechenden Angebote schaffen“, so Gronau.

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Denn während die Menschen sich einerseits für die Neubaugebiete und Grundstücke in der Edergemeinde interessieren, so sei das Interesse am Leben in einer Gemeinschaft auf einer verkleinerten individuellen Fläche ebenso von Interesse, machte der Erndtebrücker Bürgermeister in der Gesprächsrunde deutlich. Und eben solche verkleinerte individuelle Flächen soll das KoDorf mit 21 Häusern und einem zusätzlichen Gemeinschaftsgebäude, das im alten Sägewerk beheimatet werden soll, bieten.

Die Vorteile für die Gemeinde

Und was bringt ein solches KoDorf der Gemeinde? Auch diese Frage fiel beim Zukunftsdialog der Regionale 25. „Wir wollen den demografischen Wandel bekämpfen“, so Gronau. Dies könne nur gelingen, wenn junge Menschen nach Erndtebück ziehen – was in Teilen auch schon gelingt. „Diese Menschen können dann auch uns in der Gemeinde viel geben“, so Gronau weiter.

Menschen, die im digitalen Bereich arbeiten und zur Zielgruppe des KoDorfes gehören, seien kreative Menschen und auch Menschen, die in der Medienbranche zuhause seien – ein ideales und ergänzendes Gegenstück also zum Industriestandort. „Arbeitstechnisch kann uns das KoDorf nur bereichern“, macht Gronau deutlich.

Außenstehende mit Bedenken

Dass Außenstehende bei einem solchen großangelegtem Projekt auch Bedenken haben könnten, machte Petra Kramer, Stadtplanerin in Kreuztal, mit ihrer Nachfrage deutlich. „Das Gebiet ist eine Brache, aber es sind auch wertvolle Wiesen und Bachauen zu sehen. Wie gehen Sie an dieser Stelle mit dem Naturschutz, mit geschützten Arten aber auch mit dem Überschwemmungsrisiko um?“

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Hier ist das Stichwort „frühzeitige Kommunikation“, macht Henning Gronau deutlich. „Diese Themen sind wir bereits frühzeitig angegangen. Zu Überschwemmung kann man sagen: Die Fläche, auf der gebaut werden soll, ist deutlich erhöht. Im Sägewerk, das dort bis vor wenigen Jahren aktiv war, hat es in den Jahrzehnten nie eine Überschwemmung gegeben.“ Zudem sei die Bauweise ökologisch verträglich angelegt. Der Bebauungsplan für das Gelände sei gerade in Arbeit, so Gronau. Der Charme des Sägewerks soll dabei auf jeden Fall erhalten bleiben.

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