Ahnenforschung

Erndtebrücker Ahnenforscher: Die Suche nach den Vorfahren

| Lesedauer: 5 Minuten
Ein Teil der Völkel-Familie ist nach Texas ausgewandert.

Ein Teil der Völkel-Familie ist nach Texas ausgewandert.

Foto: Ramona Richter

Erndtebrück.  Joachim Völkel ist Ahnenforscher aus Leidenschaft. Seinen Familienstamm hat er bis 1610 erforscht. Doch wo beginnt man mit der Suche und wann?

Wer waren eigentlich meine Urgroßeltern? Wo kamen sie her? Habe ich entfernte Verwandte in einem anderen Land? Wenn ja, wo leben sie heute? Woher stammt meine Familie eigentlich? Wer ist der Stammvater? Es gibt zahlreiche Fragen, mit denen sich Ahnenforscher beschäftigen. Fragen nach direkten oder entfernten Verwandten, nach der eigenen Herkunft. Fragen, um vielleicht auch eine genealogische Lücke nach Jahren endlich zu schließen. Joachim Völkel aus Erndtebrück hat sich viele Jahre mit der Ahnenforschung auseinandergesetzt und dabei auch vieles Interessantes über seine eigene Familie herausgefunden. „Das habe ich von übernommen. Da war er schon lange Zeit als Ahnenforscher aktiv“, so der 68-Jährige. „Damals wurde die Forschung noch mit Papier und Bleistift betrieben. Heute geht das meiste am PC. Ich habe mir extra ein genealogisches Programm heruntergeladen.“ Doch wo und wie startet man eigentlich, wenn man mehr über seine eigene Linie erfahren möchte?

Die Quellen

„Die erste Regel der Ahnenforschung lautet: Frage die Lebenden. Unsere Eltern und Großeltern kennen ja wiederum ihre Eltern und ihre Geschwister und Cousins oder Cousinen.“ Daher sei es wichtig, frühzeitig mit der Ahnenforschung zu beginnen. Ein weiterer Tipp vom Experten: die Kirchenbücher. „Dort gibt es wichtige Hinweise zur Geburt, Taufe, Heirat und dem Tod. Alles wird in solchen Büchern vermerkt“, so Völkel. „Die Blütezeit der Kirchenbücher war in etwa 1600 bis 1960/70. Das ist aber sehr grob geschätzt.“ Das Problem: „Die Kirche hat im Laufe der Zeit an Bedeutung verloren, so dass viele Menschen nicht mehr in der Kirche sind. Damit findet man sich auch nicht mehr in den Kirchenbüchern.“

Eine andere wichtige Quelle sind die Standesämter. Denn dort erfährt man unter anderem auch etwas über die Lebensumstände und Lebensweisen seiner Vorfahren. Auch Archive können hier Informationen liefern – sowie auch alte Steuerlisten und Adressbücher. „Besonders Letztere sind zu empfehlen, da sie sehr aussagekräftig sind.“ Und auch der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) bietet einen besonderen Onlinedienst – dort sind die Sterbelisten von 1875-1938 einsehbar. „Durch eine solche Liste habe ich auch mehr über meinen Großonkel erfahren. Er fiel damals im Krieg in Nordfrankreich.“ Und nicht nur die Sterbelisten sind online einsehbar – auch viele Kirchenbücher werden im Internet online angeboten.

Das Internet

„Heute läuft sehr viel über das Internet ab. Es gibt zum Beispiel spezielle Foren für Ahnenforscher. Dort tauscht man sich gegenseitig aus und gibt sich Tipps für die weitere Forschung“, so der 68-Jährige. „Wenn man einmal in der Szene drin ist, eröffnen sich weitere Möglichkeiten.“ Des Weiteren gibt es zahlreiche Internetseiten für Ahnenforscher – in verschiedensten Sprachen. Eine dieser Seiten ist Archion.de. Dort findet man unter anderem die Wittgensteiner Kirchenbücher – online einsehbar vom heimischen PC aus. „Das spart natürlich Zeit“, so Völkel. „Viele alte Dokumente finden Sie heute sehr gut aufbereitet im Internet.“ Denn nicht selten handelt es sich bei den alten Dokumenten in den Archiven um handgeschriebene Notizen. „Das ist nicht immer leicht, die Schrift zu lesen. Aber ich mache das gerne.“

Und es dann weiter? „Am Ende hat man eine ganze Sammlung von Mosaiksteinchen. Diese Informationen gebe ich alle in das genealogische Programm. Dort werden die Informationen dann mit einander verknüpft.“ So entsteht unter anderem eine Ahnentafel. Im Fall seiner eigenen Familie hat Völkel – ausgehend von seiner Oma und ihren Geschwistern – acht weitere Generationen grafisch darstellen können – mit Geburts- und Todesdaten, Wohnort und weiteren Daten. „Dabei habe ich etwas Interessantes herausgefunden.“

Die eigene Familiengeschichte

Denn: Mit seiner eigenen Familiengeschichte fing bei ihm die Ahnenforschung an. „Ich bin bis ins Jahr 1610 gekommen. Ein Völkel-Verwandter wird um 1610 in Schameder erwähnt. Von wem er wiederum abstammt, ist nicht klar. Es gibt kaum aussagekräftige Dokumente aus früherer Zeit.“ Den Höhepunkt seiner Forschung erlebte Völkel jedoch, als er Kontakt zu Völkels in Texas – Nachkommen der Erndtebrücker Völkel-Auswanderer – aufnahm. „Wir wurden sogar zur Völkel-Familienfeier nach Texas eingeladen. Das war schon etwas ganz Besonderes.“ Vorab schon hatten sie sich gegenseitig Briefe geschrieben. „Damit hätte ich zu Beginn natürlich überhaupt nicht gerechnet.“

Dass seine Familie aus dem Wittgensteiner Land stammt, aber hat er geahnt. „Man bekommt irgendwann ein Gespür für Namen. Und Saßmannshausen und Völkel – das sind Namen hier aus der Region.“ Doch nicht immer sei die Suche nach Informationen einfach. „Wenn wir Wittgenstein verlassen – zum Bespiel in die USA oder nach Polen, wird die Suche schon etwas schwieriger. Der Zugriff auf die Daten wird unter anderem schwieriger, da nicht alles auf Englisch ist.“ Und noch eine Hürde kam in den vergangenen Jahren hinzu: der Datenschutz. „Ich kann heute nicht einfach zum Standesamt gehen und sagen, ich hätte gerne einmal Einsicht in die Akten der Familie XY. Dafür bräuchte ich schon einen besonderen Grund.“

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