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Erndtebrücks Soldatenheim wirft weiter Fragen auf

Nach wie vor ist das Soldatenheim ein toter Fleck auf Erndtebrücks Landkarte.

Nach wie vor ist das Soldatenheim ein toter Fleck auf Erndtebrücks Landkarte.

Foto: Lisa Klaus / WP

Erndtebrück.  Seit Jahren steht die Bauruine mit bewegter Geschichte im Zentrum Erndtebrücks. Die Besitzer haben Pläne – die hängen aber vom Gesetzgeber ab.

Es ist ein toter Fleck mitten im Kernort Erndtebrücks und wirft immer wieder die Frage auf: Was ist eigentlich mit dem ehemaligen Soldatenheim an der Talstraße 25? Ursprünglich als Bürgerhaus und Begegnungsstätte für Soldaten und Zivilisten errichtet, wechselte es Ende der neunziger Jahre den Besitzer – der hatte für das Gelände Pläne, wollte das Gebäude abreißen und seniorengerechte Wohnungen errichten. Doch bis heute steht die Bauruine im Zentrum Erndtebrücks.

Vergessen haben die Besitzer den Standort jedoch ganz und gar nicht: „Wir sind auf jeden Fall daran interessiert, diesen Schandfleck zu entfernen. Uns kostet diese Situation ja auch Geld“, erklärt Christian Buderus, Mit-Inhaber der Buderus und Klute GmbH aus Witten und Besitzer des ehemaligen Soldatenheims.

Besitzer sind guter Dinge

So seien er und sein Geschäftspartner nach wie vor an einem Abriss des Gebäudes und auch wieder an der Errichtung einer Tagespflege mit seniorengerechten Wohnungen interessiert. „Das ist derzeit jedoch noch eine Hängepartie, denn es hängt alles am Landespflegegesetz.“ Dennoch sei er guter Dinge und hoffe, dass das Vorhaben einen positiven Ausgang nehmen wird. „Aber es hängt eben von den gesetzlichen Rahmenbedingungen ab, die derzeit noch nicht gegeben sind“, gibt Buderus zu verstehen.

Chronologie des Soldatenheims

Das Soldatenheim hat eine bewegte Geschichte hinter sich, wie die Chronologie des Gebäudes und die

damit verbundenen politischen Querelen verdeutlichen:

31. Januar 1975: Der Gemeinderat beschließt den Bau des Soldateheims im Zentrum als Symbol des Miteinanders von Soldaten und Zivilisten. Ein Hauptmann hat als Erster die Idee für das Soldatenheim und äußerte sie bei der SPD. Nach Fragen zur Finanzierung kommt die Idee für das Soldatenheim schließlich als Bürgerhaus beim Gemeinderat an und kann so beschlossen werden.

24. Oktober 1977: Grundsteinlegung für das Soldatenheim. Finanziert wird der Bau durch den Bund, die Gemeinde Erndtebrück und die Arbeiterwohlfahrt. In der Folge soll die Einrichtung auch gemeinsam genutzt werden.

19. Mai 1979: Der Bau des Soldatenheims ist vollendet und das Gebäude wird eingeweiht.

22. Februar 1983: Im Soldatenheim gründen Soldaten und Bürger um 22.22 Uhr den Erndtebrücker Carnevals Club.

15. März 1985: Zur Feier des 30-jährigen Bestehens der Bundeswehr findet vor dem Soldatenheim ein feierliches Gelöbnis statt.

2. Oktober 1990: Die Gemeinde Erndtebrück feiert die Wiedervereinigung Deutschlands im Soldatenheim.

9. September 1993 : 280 Rekruten treten zum letzten feierlichen Gelöbnis im Soldatenheim an. „Mir wurde immer wieder von Besuchern bestätigt, dass eine gute Resonanz bei öffentlichen Gelöbnissen in unserer Republik selten anzutreffen sei. Es ist nicht eine anonyme Zahl von angetretenen Soldaten, die

sich in feierlicher Form zu diesem Rechtsstaat und seinen Werten bekennen, es sind unsere Söhne, die dieses tun, und die muss man wahrlich nicht verstecken“, sagt der damalige Bürgermeister Klaus-Dieter Scheffrahn zu diesem Anlass. Grund für das letzte öffentliche Gelöbnis ist die Kompanieauflösung, mit deren Hilfe der Nachwuchs für den Radarführungsdienst ausgebildet wurde.

20. April 1999: Die Buderus GmbH kauft das Soldatenheim für rund eine Million DM von der AWO, nachdem der Bund und die Gemeinde bereits auf ihre Investitionsanteile verzichtet hatten.

September 2003: Die Gastronomie zieht aus den Ratsstuben aus, da die Pacht mit 4860 Euro zuzüglich Nebenkosten zu hoch ist und zusätzlich Unterhaltungs- und Renovierungsmaßnahmen nicht erfolgt waren.

2003/2004: Türkische Investoren legen den Besitzern ein Kaufangebot in Höhe von 1,4 Millionen Euro vor. Aus dem Gebäude soll ein islamisches Zentrum mit Gebetsraum und Koranschule werden. Die

einzige Möglichkeit, dies abzuwenden, sei laut Besitzern die Planung und der Bau des Seniorenheims. Die CDU-Fraktion und der Bürgermeister Heinz-Josef Linten wollen die Planungen für das Seniorenheim vorantreiben, die Opposition zweifelt jedoch die Echtheit der türkischen Investoren an und glaubt an eine Erpressung.

Juni 2003: Der große Saal, gemietet von der Gemeinde, weist laut eines Gutachtens zwölf große Mängel auf.

Oktober 2003: Der Gemeinderat will mit der Firma Buderus und Klute den Mietvertrag für den Saal neu aushandeln, da die Betriebskosten gestiegen sind. Der damalige Bürgermeister Linten spricht sich für eine weitere Inanspruchnahme des Saals aus. Er rechnet damit, dass in Kürze ein neuer Pächter für die Gastronomie gefunden werden könnte.

Oktober/November 2004: Baubeginn des Seniorenheims hinter dem Soldatenheim. Das Baukonzept sieht auch vor, dass das Gebäude an der Talstraße 25 mit einbezogen und abgerissen werden soll.

Demnach sollen dort 16 bis 20 Einheiten für betreutes Wohnen errichtet werden.

Juli 2005: Die Gemeinde setzt Mietzahlungen für den Saal – 31.700 Euro im Jahr – wegen nicht erfolgter Renovierung und baulicher Mängel aus. Die Besitzer sagen zu, dass sie die Mängel beheben wollen.

Dezember 2006: Die Mehrheitsfraktionen des Rates entscheiden, den langfristigen Mietvertrag mit einem Restzeitraum von 22 Jahren für den Saal zu kündigen.

Dezember 2007: Der Rat will gegen das in Siegen beim Oberlandesgericht gefällte Urteil, den Mietvertrag des Saals fortzuführen, in Berufung gehen. Der Vermieter hatte gegen die Kündigung geklagt und in erster Instanz gewonnen.

Dezember 2008: Das Oberlandesgericht in Hamm entscheidet, dass die Kündigung des Mietvertrages rechtens ist. Das bedeutet eine jährliche Ersparnis von rund 30.000 für die Gemeinde.

31. September 2011: Die Besitzer kündigen den Mietvertrag der AWO-Kita Pfiffikus, die in einem Teil

des Gebäudes untergebracht ist.

Dezember 2011: Das ehemalige Soldatenheim soll zeitnah abgerissen werden, am 29. August 2016 läuft die Abrissgenehmigung jedoch ungenutzt ab.

April 2016: Die Besitzer teilen mit, dass seniorengerechte Wohnungen in Erndtebrück rein wirtschaftlich nicht erfolgversprechend sind, weshalb sie an der Stelle des Soldatenheims nicht realisiert werden

würden. Für den Abriss des Gebäudes haben Christian Buderus und Heiko Klute zu diesem Zeitpunkt keine Pläne.

September 2017: Die AWO verfolgt die Absicht der Quartierplanung in Erndtebrück, die den Ortskern beleben und auch das Soldatenheim einschließen soll. Der Kreisverband-Vorsitzende Karl-Ludwig Völkel teilt mit, dass noch Gespräche mit den Eigentümern geführt werden müssten, ob das Projekt als

Investorenmodell umgesetzt wird oder ob die AWO das Grundstück selbst kaufe und bebaue – diese Pläne enden jedoch unverrichteter Dinge.

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