Schüleraustausch Amerika

So erlebte Finja Lauber ihr Highschool-Jahr in den USA

Finja Lauber (vierte von links) mit ihrer Cheerleader-Mannschaft.

Finja Lauber (vierte von links) mit ihrer Cheerleader-Mannschaft.

Foto: privat

Girkhausen.  Finja Lauber aus Girkhausen kommt mit vielen Erfahrungen aus den USA zurück. Erschreckend fand sie die Selbstverständlichkeit von Waffen.

Als Cheerleader vor Footballspielen auftreten – nichts Besonderes für amerikanische Mädchen. Doch für die 16-jährige Finja Lauber aus Girkhausen war das der Alltag der letzten zehn Monate. Normalerweise ist die Langläuferin auf Skiern für den SC Girkhausen unterwegs. Doch die Skier hat sie für ein Jahr gegen ein Cheerleader-Outfit getauscht. „Ursprünglich wollte ich an einem zweiwöchigen Texas-Austausch an meiner Schule teilnehmen, bis meine Mama auf die Idee kam, dass ich doch länger ins Ausland gehen könnte“, berichtet Finja.

Auf Wiedersehen Deutschland

Dann ging alles ganz schnell. Nur zweieinhalb Monate später stand sie mit gepackten Koffern am Flughafen in Frankfurt. „Die zwei Monate vor meiner Abreise waren echt stressig. Ich besaß drei Ordner mit Unterlagen, musste mein Visum beantragen und noch viele Sachen, wie einen Steckdosenadapter, besorgen“, erzählt Finja. Von Frankfurt aus ging es für vier Tage nach New York zu einem Vorbereitungsseminar mit vielen anderen Jugendlichen aus ganz Europa. Geplant wurde ihr Austausch über die Organisation STS (Schüleraustausch.net). Doch in New York wartete schon die erste Hürde auf sie. Bei Inlandsflügen in den USA darf das Gepäck 22 Kilogramm nicht überschreiten. Somit musste sich Finja schweren Herzens von Make-up und ein paar Shirts am Flughafen trennen. Mit leichterem Gepäck ging es erst nach San Francisco, wo ein weiterer Zwischenstopp folgte, bis sie endlich in Medford (Oregon) landete.

Das Leben an einer Highschool

Ihre Gastfamilie und ihre gleichaltrige Gastschwester empfingen sie mit offenen Armen. Für die nächsten zehn Monate war die Kleinstadt Klamath Falls Finjas Zuhause. Ebenso wie die Triad Highschool, an der sie die zehnte Klasse besuchte. „Am meisten Angst hatte ich vor der Schule, da mein Englisch nicht wirklich gut war. Aber ich habe mich richtig schnell eingelebt“, betont Finja. „Es war auch nicht wirklich schwer, da ich an eine Privatschule gegangen bin – mit gerade mal 57 Schülern von der neunten bis zur zwölften Klasse. Ich hatte nur 14 Mitschüler“, fügt sie hinzu.

Zuerst musste Finja sich jedoch für eine Sportart entscheiden, „denn in Amerika ist es typisch, dass die Kinder von der Schule aus einen Sport betreiben“. Ich habe mich als erstes für das Cheerleading entschieden. Im Winter habe ich dann mal Basketball ausprobiert und im Frühling dann noch Leichtathletik“, berichtet sie freudig. Jedoch hatte sie auch etwas Glück, denn Schulunterricht stand für sie nur von Montag bis Donnerstag auf dem Plan.

Doch es gab natürliche auch negative Aspekte für die 16-Jährige: Denn das Klischee von fettigem Essen, Speck und weichem Toast zum Frühstück hat sich bestätigt. „Am meisten habe ich mich bei meiner Rückkehr auf deutsches Essen gefreut“, gibt sie zu. Eine weitere negative Erfahrung war ihre kirchlich geprägte Highschool. Es gab strenge Schuluniformen, Bibelunterricht und jeden Mittwoch einen Gang in die Kirche. „Das war leider so gar nicht mein Fall. Dafür habe ich mich dann im Chor angemeldet und der viertägige Chorausflug nach Los Angeles hat es wieder wett gemacht.“ Nach dem erfolgreich absolvierten Chor-Contest ging es dann noch für einen Tag ins Disneyland und an den Strand in Huntington Beach.

Klischees und Stereotypen

Los Angeles hat ihr so gut gefallen, dass sie noch einmal gemeinsam mit ihrer Gastfamilie dorthin reiste. Außerdem besuchten sie noch San Diego und San Francisco. „Ich habe so viel erlebt, da hatte ich gar keine Zeit für Heimweh“, erläutert die 16-Jährige. Sie hat dennoch viel Kontakt mit ihrer Familie und Freunden über WhatsApp gehalten.

Sie stellte schnell große Unterschiede zu den Jugendlichen aus Amerika fest. „Man darf dort mit 13 oder 15 Jahren schon alleine Auto fahren. Aber was mich am meisten erschrocken hat war, dass jeder eine eigene Waffe besaß. Und auch die Familien hatten meist mehrere

Waffen zuhause. Außerdem war in meiner Heimatstadt so gut wie jeder Republikaner und fand Trump gut. Einige waren sogar für seinen Mauerbau. Da sah es in den größeren Städten schon anders aus, hier waren die Menschen alle sehr frei. Aber niemand hätte auf offener Straße gesagt, dass er Trump nicht mag.“

Eine unvergessliche Erfahrung

Die 16-Jährige zieht ihr Resümee: „Es war wirklich eine tolle Zeit. Ich habe so viele neue Menschen kennengelernt und sehr viel von Amerika gesehen. Außerdem bin ich viel selbstbewusster und selbstständiger geworden. Zudem hat sich mein Englisch extrem verbessert. Ich kann es jedem nur empfehlen, so etwas Mal zu erleben. Allerdings sollte man sich etwas früher darum kümmern und die richtige Organisation für sich finden.“

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