Dorfentwicklung

Großenbach: Kreis sieht kaum Hoffnung auf mehr Bauland

Großenbach aus der Luft: Platz für zusätzliches Bauland, wie es die Bewohner fordern, wäre ja genug. Tatsache aber ist: Die erkennbaren Grünflächen liegen vorwiegend im Außenbereich – und dort gilt Bauverbot.

Großenbach aus der Luft: Platz für zusätzliches Bauland, wie es die Bewohner fordern, wäre ja genug. Tatsache aber ist: Die erkennbaren Grünflächen liegen vorwiegend im Außenbereich – und dort gilt Bauverbot.

Foto: Hans Blossey

Wittgenstein/Grossenbach.  Nach Forderungen aus Großenbach: Kreis als Baubehörde sieht kaum Chancen mit neuer Landesplanung, setzt aber auf mehr Planungsfreiheit im Rathaus.

Können sich die Bewohner der Bad Laaspher Siedlung Großenbach Hoffnungen auf zusätzliches Bauland machen, wenn nun politisch über Änderungen des NRW-Landesentwicklungsplans (LEP) auch zugunsten kleinerer Ortsteile diskutiert wird?

Aus Sicht von Arno Wied, beim Kreis Siegen-Wittgenstein Dezernent für Bauen, Umwelt und Wirtschaft, werde es hier wohl „zunächst keine andere baurechtliche Beurteilungsgrundlage“ geben als bisher. Allerdings könnten mit dem neuen LEP „die Möglichkeiten für die Städte und Gemeinden“ auch in Wittgenstein, „für diese Siedlungen bauplanungsrechtlich eine andere Grundlage zu schaffen“, grundsätzlich „verbessert werden“. Hier müsse jedoch „die weitere Entwicklung abgewartet werden“, so Arno Wied auf Anfrage unserer Zeitung.

Ortsvorsteher befürchtet das „Ausbluten“

Wie berichtet fürchtet Großenbachs Ortsvorsteher Markus Dreisbach, dass sein Heimatdorf mit derzeit noch 36 Einwohnern wohl irgendwann ausblute, wenn man es für Neubürger nicht attraktiver mache – und eben neues Bauland vorhalte. Stichwort: Siedlungsentwicklung. Und auch in vielen anderen Ortschaften Wittgensteins machen sich die Bewohner ähnliche Gedanken.

Hier wolle die CDU/FDP-Landesregierung in Düsseldorf den Städten und Gemeinden im Rahmen ihrer Planungshoheit ganz offensichtlich „mehr Gestaltungsspielräume“ eröffnen, was man beim Kreis „grundsätzlich begrüßt und unterstützt“, so Wied. Allerdings könnten „die Auswirkungen für die Ortsteile der drei Wittgen­steiner Kommunen Bad Berleburg, Bad Laasphe und Erndtebrück momentan noch nicht abschließend bewertet werden, weil einige Formulierungen noch Fragen aufwerfen und noch näher interpretiert werden müssen“, so der Dezernent weiter.

Flächensparend und bedarfsgerecht

So sehe man auf NRW-Landesebene eine „angemessene“ Weiterentwicklung nur im Rahmen der „vorhandenen, tragfähigen Infrastruktur“. Vor diesem Hintergrund werde es „wohl auch so sein, dass die neuen Regelungen für Splitter- und Streusiedlungen, die gerade im ländlich geprägten Raum häufig anzutreffen sind, keine Erleichterung mit sich bringen“, schätzt Arno Wied.

Zwar sei der bisherige Grundsatz der „flächensparenden Siedlungsentwicklung“ ersatzlos gestrichen, werde so die im Baubesetzbuch (BauGB) verankerte Verpflichtung zum sparsamen Umgang mit Grund und Boden aufgeweicht, doch: Grenzen gebe es durch den Grundsatz einer „bedarfsgerechten Siedlungsentwicklung“ oder den Vorrang für die sogenannten Innen-Entwicklung auf bereits ausreichend erschlossenen Flächen auch weiterhin.

Auswirkungen noch nicht erkennbar

Konkrete Auswirkungen auf die Praxis bei Baugenehmigungen im Bereich Wohnen, aber auch für das Gewerbe oder die Industrie sieht man beim Kreis angesichts des aktuellen Stands der Diskussion noch nicht. Schließlich müssten die derzeit diskutierten Änderungen des LEP zunächst auf Ebene der Städte und Gemeinden in Planungsrecht umgesetzt werden, erläutert Wied, etwa „durch die Neuaufstellung oder Veränderung sogenannter Innenbereichsatzungen nach Paragraf 34 Baugesetzbuch (BauGB) oder mit Bebauungsplänen“. Erst dann seien in „konkreten baurechtlichen Genehmigungsverfahren eine andere Beurteilung von Vorhaben im Einzelfall möglich“.

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