Oster-Spezial

Hase oder Kaninchen? Ein Gespräch mit einem Kaninchenzüchter

Robby ist eines der zwölf Kaninchen von Joachim Schönfelder aus Bad Berleburg

Foto: Britta Prasse

Robby ist eines der zwölf Kaninchen von Joachim Schönfelder aus Bad Berleburg Foto: Britta Prasse

Bad Berleburg.   Joachim Schönfelder aus Berleburg ist mit Kaninchen aufgewachsen und kennt ihre Eigenarten. Homosexualität gibt’s übrigens auch bei Kaninchen.

Ihr Fell trägt poetische Namen wie Sachsengold, Perlfeh, Kleinsilber oder Havanna. In Deutschland gibt es derzeit rund 90 Kaninchenrassen in insgesamt 370 Farbvariationen, die vom Zentralverband Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter anerkannt werden. Zwei von ihnen – Farbenzwerger Rot und Hermelin – hoppeln in den Ställen von Joachim Schönfelder herum. Er ist der 1. Vorsitzende des Kaninchenzuchtvereins Bad Berleburg (W 42), der Ende diesen Jahres aufgelöst werden muss – wegen Nachwuchsmangels. Der 75-Jährige erzählt von seinen Rassezüchter-Hochzeiten mit rund 170 Tieren und dass auch Kaninchen nicht immer so wie ihre Züchter wollen.

Wie sind Sie zur Kaninchenzucht gekommen? Und warum gerade Kaninchen?

Joachim Schönfelder: In meiner Heimat Schlesien und später in der DDR hatte unsere Familie immer Kaninchen, bis in die 60er-Jahre hinein haben wir sie als Schlachtkaninchen genutzt. Wir sind damit also in der Nachkriegszeit groß geworden. Das Interesse hat sich dann aber verlagert, weil wir später nicht mehr auf das Fleisch angewiesen waren.

Sie können also auf 40 Jahre Kaninchenzucht zurückblicken. Müssten Ihre Regale dann nicht vor Auszeichnungen platzen?

Stimmt, da sind viele Pokale zusammengekommen, die meisten haben wir aber schon weitergegeben. Mitte bis Ende der 80er-Jahre war ich am aktivsten, zu der Zeit hatte ich rund 170 Tiere. Dafür haben wir extra den Stall im Garten ausgebaut. Mit den Blaurexen war ich am erfolgreichsten. Bei den großen Rammlerschauen, bei denen etwa 500 Tiere präsentiert wurden, bin ich oft unter die Top 3 gekommen.

Was macht ein Kaninchen für die Kaninchenzucht überhaupt interessant?

Die Preisrichter schauen nach sieben Kriterien, die ein Rassekaninchen bei einer Schau erfüllen muss. Je stärker das Merkmal ausgeprägt ist, desto höher die Punktzahl:

1. Gewicht

2. Körperform und Bau

3. Kopf und Ohren

4. Fell

5. Deckfarbe und Gleichmäßigkeit

6. Unterfarbe

7. Pflegezustand

I hr Verein wird zum Ende des Jahres aufgelöst. Wieso ist es so schwer, den Nachwuchs für Kaninchenzucht zu begeistern?

Das ist natürlich ein Hobby, das Zeit kostet und vor allem Verantwortung abverlangt. Nicht jeder junge Mensch ist dazu bereit. In den 1980er-Jahren hatten wir noch sieben Vereine in Wittgenstein, heute sind es nur noch drei. Viele Jugendliche verbringen ihre Zeit lieber am PC als ihre Freizeit mit einem Hobby auszufüllen, das mit Arbeit verbunden ist. Und das jeden Tag.

Wie macht der Verein in der Öffentlichkeit denn auf sich aufmerksam?

Wir haben z.B. beim Knax-Spielfest oder beim Wollmarkt einen Stand. Dort sind dann auch ein paar unserer Tiere in Ställen untergebracht, wie bei einem kleinen Streichelzoo. Das ist natürlich bei Kindern beliebt. Und man kommt automatisch ins Gespräch.

Bei der Kaninchenzucht sollen ja rassetypische Merkmale „auf den Punkt gebracht“ werden. Was ist denn, wenn – sagen wir mal – die Kaninchen nicht so wollen wie der Züchter?

Das kann schon vorkommen, auch Tiere haben ihren eigenen Kopf. Bei Kaninchen gibt’s z.B. auch Homosexuelle. also Schwule und Lesben. Eine Freundin von meiner Tochter hat zwei Häsinnen, die ein Paar sind. Für die Zucht bringt das natürlich nichts; aber dann greift man eben auf andere Tiere zurück.

Stichwort: „Häsinnen“. Was ist denn genau der Unterschied zwischen Hase und Kaninchen?

Prinzipiell sind Hasen Nestflüchter und Kaninchen Nesthocker. Das heißt, dass die Hasen bereits mit Fell und offenen Augen zur Welt kommen, die Kaninchen allerdings nackt und blind. Rein äußerlich haben Hasen eine schlankere Statur, kürzere Ohren und ein struppigeres Fell als Kaninchen. Wobei es auch Hasenkaninchen gibt. Genetisch gehören die aber zu den Kaninchen. Hasen haben übrigens mehr Chromosomen als Kaninchen – und sind deswegen für die Zucht ungeeignet.

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