Handwerk

„Ich würde das alles nochmal so machen!“

Mitarbeiter Robin Beuter setzt mithilfe einer Maschine Beschläge an einem Schrankteil ein.

Mitarbeiter Robin Beuter setzt mithilfe einer Maschine Beschläge an einem Schrankteil ein.

Foto: Claudia Heindrichs

Birkelbach.   Richard Saßmannshausen aus Birkelbach übernahm den Schreinerbetrieb vom Vater. Was hat sich in dem Beruf verändert? Ein Blick in die Schreinerei.

Jeden Kundenwunsch in die Realität umsetzen – das ist die Devise der Schreinerei Saßmannshausen. Von Türen für den Innen- und Außenbereich über Treppen, Möbel, Rollos, Kunststofffenster und viele andere Arbeiten im Innenausbau beschäftigen sich Schreinermeister Richard Saßmannshausen, seine Frau Heike und die fünf Angestellten mit jeder Anfrage, die an sie herangetragen wird.

„Viele Betriebe spezialisieren sich auf einen Bereich, um effizienter arbeiten zu können. Wir haben uns allerdings bewusst dagegen entschieden“, erklärt Heike Saßmannshausen. Hier im ländlichen Raum, wo das Einzugsgebiet kleiner ist, komme es auf die Vielfalt an, ergänzt die 50-Jährige.

Ein Familienbetrieb seit der ersten Stunde

Sie führt in dem Betrieb Bürotätigkeiten, Planungen und auch Lackierungsarbeiten in der Werkstatt aus. „Ohne meine Frau wäre es nicht möglich“, sagt Richard Saßmannshausen ohne zu zögern. Für ihn stand es Anfang der 1990er-Jahre außer Frage, dass er den Betrieb seines Vaters übernehmen würde. 1965 hatte Otto Saßmannshausen die Schreinerei gegründet. Seine Frau, Richards Mutter, kümmerte sich damals um die Büroaufgaben.

„Unser großes Glück ist, dass sich meine Mutter und Heike gut verstehen“, meint Richard Saßmannshausen, „so hat Heike nach und nach ihre Aufgaben übernommen.“ Für Heike Saßmannshausen war es ebenfalls vollkommen klar, dass sie in den Betrieb ihres Mannes einsteigen würde: „Das war früher normal.“ Heute könne man davon nicht mehr ohne Weiteres ausgehen, dass die Partnerin eines Handwerkmeisters im eigenen Betrieb mitarbeiten würde, bedauern beide.

Ihre vier Kinder helfen zwar gerne im elterlichen Unternehmen mit, wie eine Weiterführung in Familienhand künftig aussehen soll, ist aber noch unklar.

Mehr Verwaltungsaufwand

„In den letzten Jahren hat der Verwaltungsaufwand deutlich zugenommen“, sagt Heike Saßmannshausen. „Bestellungen tätigen, Preise vergleichen, Kunden anrufen, und und und... Selbst eine einfache Materialbestellung kann nicht mehr per Telefon aufgegeben werden. Das muss mittlerweile alles online erfolgen und kostet viel Zeit.“

Der Schreinermeister stimmt ihr zu: „Früher war ich mehrmals die Woche mit meinen Mitarbeitern auf der Baustelle. Heute sitze ich viel öfter gemeinsam mit meiner Frau im Büro.“ Nichtsdestotrotz machen beide ihren Beruf sehr gerne, sagen sie. Es habe sich viel geändert und es werde sich auch in Zukunft noch einiges ändern, doch die Eheleute Saßmannshausen schauen positiv in die Zukunft.

„Ich habe eigentlich keinen Grund mich zu beschweren. Die Auftragslage ist gut und ich habe sehr gute Mitarbeiter. Das Betriebsklima stimmt“, sagt der Schreinermeister lächelnd.

Gute Lehrlinge sind rar

Einer der fünf Mitarbeiter ist ein Lehrling, die anderen vier sind Gesellen und Meister. Drei Jahre dauert die Ausbildung zum Schreiner, doch es steckt mehr dahinter, als nur die Arbeit mit Holz. Der 58-Jährige erklärt: „Es ist schwer, einen guten Lehrling zu bekommen.“

Schließlich bedürfe es neben guten Schulkenntnissen und handwerklichem Geschick auch eine „freundlichen Ausstrahlung“. „Er muss mit allen zurecht kommen – mit uns, mit den Kollegen und den Kunden.“ Da müsse man offen und flexibel sein und sich für die Wünsche der Kunden interessieren, weiß Richard Saßmannshausen aus Erfahrung.

Häufiger auf Montage

Wo früher noch die Beratung im Vordergrund stand, kämen die Kunden heute viel informierter und mit ganz genauen Vorstellungen in die Schreinerei, berichtet Heike Saßmannshausen. So müsse sich das Team immer wieder Neues aneignen. „Das macht es sehr abwechslungsreich und spannend, kostet aber auch viel Zeit“, bestätigt der Schreinermeister.

Die Kunst sei es dann, die individuellen Wünsche des Kunden in eine seinem Budget entsprechende und realisierbare Variante zu verwandeln. So auch ein Bauherr, der den Nachbau einer Tür von 1900 in Auftrag gab. Richard Saßmannshausen geht in die Werkstatt und schaut sich den Arbeitsfortschritt der Tür an, die sein Mitarbeiter Robin Beuter angefertigt hat.

Zu zweit legen die Schreiner die schwere Eichetür auf zwei Holzböcke. „Es war handwerklich anspruchsvoll, die Originalform nachzuarbeiten“, erklärt der 58-Jährige und deutet auf die abgerundeten Elemente am unteren Ende der Tür. Im nächsten Arbeitsschritt werde sie rot lackiert und bekäme im oberen Drittel eine Verglasung eingesetzt.

Verbesserte Arbeitssicherheit

Nach wie vor sei Eiche sehr beliebt, sagt Richard Saßmannshausen. Dies sei mittlerweile schon nicht mehr bei jedem Händler in der gewünschten Qualität verfügbar. Eine andere Holzart müsse wieder modern werden, damit sich die Bestände erholen könnten. Neben ihm steht sein Mitarbeiter Olaf Nölling an einer großen Maschine. Er legt Bretter aus Esche nacheinander auf ein Förderband, dass einmal entlang der Maschine führt.

Auf einer Rolle sind Furnierkanten gewickelt, die nun mithilfe eines Schmelzklebers an die Seiten der Bretter angebracht werden. „Die Technik und die Arbeitssicherheit sind viel besser geworden“, sagt der Schreinermeister zufrieden. „Unfälle sind zum Glück sehr selten geworden.“ Neben der Vielzahl an Produkten, die das Unternehmen selbst herstellt, spiele auch der Handel mit Bauelementen eine Rolle, wodurch Montagearbeiten vor Ort beim Kunden deutlich zugenommen haben.

„Bei den Kunden wird unsere Arbeit nach wie vor sehr geschätzt“, sagt er. So sei auch die Motivation seitens der Schreinergesellen hoch, da sie häufig eigenverantwortlich und im Team arbeiten. Letztendlich zähle schließlich das Endergebnis und die Zufriedenheit des Kunden.

Doch so sehr sich der Arbeitsalltag im Laufe der Zeit verändert hat und auch in Zukunft weiter ändern wird, Richard Saßmannshausen führt seinen Betrieb sichtlich gerne: „Der Beruf hat mir immer viele Freiheiten geboten, auch als die Kinder noch klein waren. So wie es jetzt gelaufen ist, da kann ich sagen: Ich würde das alles nochmal so machen!“

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