Eisenbahn

Altes Stellwerk im Erndtebrücker Bahnhof wird abgekoppelt

Vom Walmdach-Häuschen (im Hintergrund) in den weißen Fertigbau: Noch bis in die Nacht auf den 17. November ist das alte Stellwerk in Betrieb, ehe das neue dann ab Montag, 20. November, übernimmt.

Foto: Eberhard Demtröder

Vom Walmdach-Häuschen (im Hintergrund) in den weißen Fertigbau: Noch bis in die Nacht auf den 17. November ist das alte Stellwerk in Betrieb, ehe das neue dann ab Montag, 20. November, übernimmt. Foto: Eberhard Demtröder

Erndtebrück.   Mitte des Monats geht eine Ära zu Ende: Der Betrieb des alten Stellwerks des Erndtebrücker Bahnhofs wird eingestellt.

Mitte des Monats geht eine Ära zu Ende: Der Betrieb des alten, eher unscheinbaren Stellwerks zwischen Gleis 1 und 2 des Erndtebrücker Bahnhofs wird eingestellt. Zugleich beginnt vor Ort ein weiteres Kapitel Eisenbahn-Geschichte: Das neue Elek­tronische Stellwerk (ESTW) zwischen Gleis 4 und dem neuen Park-and-Ride-Platz, in das die Bahn nach eigenen Angaben immerhin rund 6,5 Millionen Euro investiert hat, geht an den Start.

Die Umstellung

Horst Günter Linde aus Berghausen ist einer von sechs Fahrdienstleitern, die bald in die neuen Räume umziehen werden. Erst vor ein paar Wochen haben alle Kollegen die entsprechenden Prüfungen für den Umgang mit der neuen Computer-Technik hinter sich gebracht. „Das alte Stellwerk läuft noch bis in die Nacht auf Freitag, 17. November, das neue geht am Montag, 20. November, in Betrieb“, hat sich Linde im Terminkalender notiert.

Die Testfahrten

Und damit nach der Umstellung auch alles reibungslos funktioniert, „werden die Strecken von Bad Berleburg über Erndtebrück bis Hilchenbach inklusive Gleisanschluss Erndtebrücker Eisenwerk am Sonntag testweise befahren“, so Linde. Auf der Strecke der Kurhessenbahn (RB 94) aus Richtung Bad Laasphe sei man in Erndtebrück ohnehin nur für das Einfahrt-Signal in den eigenen Bahnhof zuständig. Der Rest der Strecke werde bereits vom Elektronischen Stellwerk in Bad Laasphe aus gesteuert.

Es war vor vier Jahren mit dem Umbau des Bahnhofs in der Lahnstadt in Betrieb gegangen. „Dafür kriegen wir hier in Erndtebrück eine noch etwas modernere Version als in Bad Laasphe“, sagt Linde nicht ohne Stolz.

Die neue Technik

Die computergestützte neue Technik in Erndtebrück wird demnächst aber noch wichtiger: Der Fahrdienstleiter geht davon aus, dass die Funktionen der Stellwerke in Hilchenbach, Dahlbruch und Ferndorf in den nächsten vier bis fünf Jahren ins neue ESTW Erndtebrück integriert werden.

Das Personal

Mittelfristig, so Linde weiter, würden durch die Digitalisierung der Bahntechnik vor Ort „zwei Drittel der Kollegen eingespart“. Dann blieben von derzeit 15 Fahrdienstleitern künftig nur noch fünf oder sechs übrig – wenn deren Schichtbetrieb in einigen Jahren eben nur noch in Erndtebrück laufe.

Und der Altersschnitt in Erndtebrück ist hoch. „Ich bin der Jüngste bei uns“, schmunzelt Horst Günter Linde, der demnächst 58 Jahre alt wird. Und in fünf Jahren, mit 63? „Muss man gucken, was die Gesundheit macht.“ Linde: „Ich bis seit über 42 Jahren bei der Bahn und seit 35 Jahren im Schichtbetrieb. Das strengt schon an.“

Die Perspektive

Was die Stellwerkstechnik angeht, denkt der erfahrene Eisenbahner aber noch weiter. Seine Perspektive: „In 15 Jahren wird in unserem Regionalnetz alles zentral vom Stellwerk in Lüdenscheid-Brügge aus gesteuert“, ist sich Horst-Günter Linde sicher.

Das Bahnhofsumfeld

Wenn am 20. November wie geplant das neue Stellwerk anläuft, werde im Zuge der laufenden Bahnhofsmodernisierung „auch rundherum“ mehr Fertiges zu sehen sein, ist Linde überzeugt. Dann zeige sich für die Fahrgäste endlich „das Komplett-Bild“. Der alte Durchgang von der Empfangshalle des Bahnhofsgebäudes zu den Gleisen sei schon zugemauert, so Linde, die Gleise 1 und 2 mittlerweile direkt ebenerdig vom Busbahnhof aus erreichbar, Gleis 3 und Gleis 4 direkt vom P & R-Parkplatz erreichbar. Aufzüge werden die Barrierefreiheit herstellen.

Die Schranken

Von der neuen Elektronik des Stellwerks übrigens noch nicht erfasst: die beiden Schranken-Anlagen auf der Grimbachstraße und der Hachenbergstraße. Da werde es wohl erst im Frühjahr 2018 etwas mit dem Umbau. „Die Genehmigung dafür stand noch aus“, bedauert Linde. Und bis dahin werde die noch sehr alte Technik eben „vorläufig vom alten Stellwerk aus weiterbedient“, ehe dann der Fahrdienstleiter vom neuen Gebäude aus die Steuerung übernehme.

Die letzte Frage

Letzte Frage, Herr Linde: Werden Sie ihren alten Arbeitsplatz vermissen? „Da hängt noch ein bisschen Nostalgie dran“, räumt der Eisenbahner ein – „aber neue Technik hat auch ihre Vorteile.“

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