Umweltschutz

In Wittgenstein ist die Wasserqualität der Lahn gut

Harald Gülzow bei seiner Arbeit im Labormobil. In Bad Laasphe hat der Diplom-Physiker an der Brücke in der Stockwiese das Wasser der Lahn auf Nitratgehalt untersucht.

Harald Gülzow bei seiner Arbeit im Labormobil. In Bad Laasphe hat der Diplom-Physiker an der Brücke in der Stockwiese das Wasser der Lahn auf Nitratgehalt untersucht.

Foto: VSR-Gewässerschutz e.V.

Bad Laasphe.   Messungen des VSR-Gewässerschutz belegen: Hinter der Landesgrenze nimmt die Nitratbelastung in der Lahn zu und bereitet den Experten Sorgen.

Das Wasser der Lahn hat von der Quelle bis nach Biedenkopf eine ziemlich gute Qualität – was die Nitratbelastung angeht. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die der Diplom-Physiker Harald Gülzow für den Verein VSR-Gewässerschutz (Geldern) durchgeführt hat. Dieser Zustand ändert sich allerdings bis zur Mündung in den Rhein.

Genau dort hatte Gülzow vor drei Jahren die Wasserqualität des längsten deutschen Stromes untersucht und erhöhte Nitratwerte im Bereich Lahnstein festgestellt. Der Diplom-Physiker bemängelt, dass der Gewässerschutz zu lange auf Maßnahmen der Abwassertechnik fokussiert war und dadurch der von der Wasserrahmenrichtlinie geforderte gute Zustand mit maximal 11 Milligramm pro Liter (mg/l) Nitrat bisher nicht erreicht werden konnte. Daher entschloss sich der Verein dazu, eine Messfahrt an der Lahn durchzuführen.

Proben-Entnahme in der Stockwiese

Bei der ersten Probe-Entnahme an der alten Brücke in der Stockwiese ergab sich ein Wert von 5,7 mg/l; doch der verdoppelt sich im weiteren Verlauf des Flusses bis Biedenkopf. Die in der Nähe des Lahnauenbades entnommene Gewässerprobe lag schon bei einem Nitratgehalt von 11,6 mg/l.

Im Gespräch mit der Westfalenpost erläutert Harald Gülzow: „Der niedrige Wert in Bad Laasphe hängt damit zusammen, dass die Lahn im Oberlauf das Grundwasser aus der sehr waldreichen Gegen in Wittgenstein bezieht. Das ändert sich flussabwärts, weil dann landwirtschaftliche Flächen und Gartenbau zunehmen. Dadurch kommen dann zunehmend Düngemittel ins Wasser“.

Landwirtschaftliche Flächen reichen bis an den Fluss

Bis nach Diez weist die Lahn größtenteils landwirtschaftliche Nutzflächen - bedingt durch die Talniederungen und Beckenlandschaften - in unmittelbarer Nähe des Flusslaufes auf. Häufig reichen die landwirtschaftlichen Flächen bis zur Uferböschung. So können bei Regenfällen die durch die Düngung im Boden vorhandenen Stickstoffüberschüsse in die Lahn und deren Nebenbäche geschwemmt werden. Und die sorgen dafür, dass die Belastung (Marburg 18,3 mg/l, Wetzlar 19,7 mg/l und Lahnstein 17 mg/l) den geforderten Wert von 11 mg(l deutlich übersteigen.

Der Verein für den Gewässerschutz könne nur an die Landwirte und Hobbygärtner appellieren, beim Düngen und Gülle-Aufbringen zurückhaltend zu sein, sagt Gülzow. Von ihm will die Redaktion noch wissen: Kann man das Lahn-Wasser in Wittgenstein also trinken? Der Experte lacht: „Wegen des Nitratgehaltes habe ich keine Bedenken, aber die bakteriologische Belastung ist zu gefährlich.“

>> INFO

Der Verein zum Schutz des Rheins - Gewässerschutz finanziert sich ausschließlich durch seine Mitgliedsbeiträge oder Spenden von Sponsoren.

Gefordert wird, dass die Flüsse in der Gesamtheit auf Nitratgehalt untersucht werden und nicht nur – wie das bisher der Fall ist – die Kläranlagen.

Gefordert wird, dass die Flüsse in der Gesamtheit auf Nitratgehalt untersucht werden und nicht nur – wie das bisher der Fall ist – die Kläranlagen.

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