Corona

In Wittgensteins Schulen muss man sich jetzt warm anziehen

Englisch mit Lehrerin Kathrin Franz in der Klasse 7b des Johannes-Althusius-Gymnasiums. Einige Schüler tragen die Masken im Unterricht freiwillig. Außerdem wird auch während des Unterrichts häufig gelüftet.

Englisch mit Lehrerin Kathrin Franz in der Klasse 7b des Johannes-Althusius-Gymnasiums. Einige Schüler tragen die Masken im Unterricht freiwillig. Außerdem wird auch während des Unterrichts häufig gelüftet.

Foto: Eberhard Demtröder

Wittgenstein.  Stoßlüften wegen Corona in Wittgensteiner Klassenräumen soll auch in kälteren Jahreszeiten die Regel sein. Hoffen auf weitere Tests für Lehrer.

Schüler und Lehrer in Wittgensteins Schulen werden sich im Herbst und im Winter wohl warm anziehen müssen – wegen Corona. Denn das regelmäßige Stoßlüften in den Pausen und während des Unterrichts soll auch in den kälteren Jahreszeiten beibehalten werden, um dem Virus in den Klassenräumen mit viel frischer Luft entgegenzuwirken. Aber auch über weitere Maßnahmen denken die Schulen in der Blitz-Umfrage unserer Redaktion nach. Zugleich gehen die turnusmäßigen Corona-Tests in den Lehrer-Kollegien weiter.

Schloss-Realschule Laasphe

13 Uhr am Montag, private Realschule Schloss Wittgenstein in Bad Laasphe: Der Erndtebrücker Mediziner Dr. Oliver Haas ist zu Gast, um die Lehrerinnen und Lehrer auf das Corona-Virus zu testen. Freiwillig seien alle Kolleginnen und Kollegen dabei, so Schulleiterin Melanie Dietrich im Gespräch mit unserer Redaktion. Aber auch im Schloss-Gymnasium und im Internat auf dem Gelände würden sowohl Erzieher als auch das Verwaltungspersonal bis hin zum Hausmeister regelmäßig alle 14 Tage getestet – „heute schon zum vierten Mal“, so Dietrich. 60 bis 70 Personen betrifft das. Die Gelegenheit zum Test hätten im Übrigen alle Lehrer im Land NRW. Oft gibt’s am Schloss schon am Dienstagabend, spätestens aber am Mittwoch die Ergebnisse aus dem Labor. Und Dietrich hofft, dass die Tests auch nach den Herbstferien weitergehen.

Und wie läuft’s im Unterricht? „Die Schüler haben sich so daran gewöhnt, dass sie auch im Klassenraum freiwillig die Maske aufhaben“, berichtet Dietrich. Auf jeden Fall bei jenen drei Lehrer-Kollegen, die zur Risikogruppe gehören, aber dennoch unterrichten. „Das haben die Schüler akzeptiert“, ist Dietrich zufrieden. „Sonst hätten wir Lernen auf Distanz und Unterrichtsausfall.“ Mittlerweile habe der Schulträger rund 100 Notebooks sowohl für die Realschule als auch fürs Gymnasium bestellt, die im Fall eines erneuten Distanz-Unterrichts an bedürftige Schüler ausgeliehen werden sollen, so Dietrich.

Gymnasium Bad Berleburg

Auch das Bad Berleburger Johannes-Althusius-Gymnasium stellt sich für eventuellen Distanz-Unterricht „digitaler“ auf, wie es Schulleiter Clemens Binder formuliert. „Die Stadt als Schulträger ist da sehr aktiv“, freut er sich. Schüler wie auch Lehrer sollen mit geeigneten Endgeräten für die Zusammenarbeit über Plattformen im Internet ausgestattet werden. Inzwischen sei aber auch eine deutliche Mehrheit der realen Unterrichtsstunden „digital gestützt“, etwa durch Beamer, Tablets und Notebooks. Eine Arbeitsgemeinschaft beschäftige sich schulintern mit der Frage, wie man die guten Erfahrungen mit digitalem Unterricht künftig nutzen könnte.

Wie schnell es gehen kann, dass komplette Klassen oder gar die ganze Schule wegen Corona geschlossen werden, stellt Binder an einem konkreten Fall aus den letzten Wochen dar: Eine Mutter war positiv getestet worden, ihre Kinder wurden sofort aus dem Unterricht genommen. Zum Glück sei jedoch kein weiteres Mitglied der Familie mit Corona infiziert gewesen, so Binder, hätten besagte Schließungen vermieden werden können.

Eine der Regeln in den Klassenräumen des Gymnasiums: Möglichst alle 20 Minuten stoßlüften. Das soll auch im Herbst und im Winter gelten – allerdings müssten die Schülerinnen und Schüler dann auch entsprechend gekleidet sein, so der Schulleiter, beispielsweise ein Halstuch tragen, um nicht zu frieren. Außerdem hat die Schulleitung im Internet ein Diagramm des Landes NRW veröffentlicht, das erklärt, wie Eltern und Schüler auf typische Symptome einer Covid-19-Erkrankungen am besten reagieren.

Grundschule Erndtebrück

Bei Schnupfen etwa sollen die Kinder demnach erst einmal 24 Stunden zuhause bleiben – und dann wieder zur Schule kommen, sofern sich keine weiteren typischen Corona-Symptome einstellen, erklärt dazu Thorsten Denker, Leiter der Grundschule Erndtebrück. Hier seien die Eltern gefragt, die ihr Kind natürlich am besten kennen würden. Von konkreten Corona-Fällen kann Denker zum Glück nicht berichten. Zwar seien einige Kinder schon einmal sicherheitshalber getestet worden, weil sich in ihrer Bekanntschaft jemand infiziert habe oder sie selbst Symptome zeigten – doch ihre Ergebnisse seien am Ende durchweg negativ gewesen.

„Wir bereiten uns auf das Szenario vor, dass einzelne Klassen auf Anweisung des Gesundheitsamtes mal zuhause bleiben müssen“, sagt Denker. Dann werde es Distanz-Unterricht geben – mit Aufgaben per E-Mail, begleitet vielleicht von kurzen Videos auf der Homepage der Schule. Und wenn dann auch der Lehrer einer solchen Klasse in Quarantäne müsse, unterrichte er – sofern arbeitsfähig – natürlich auf Distanz weiter. Ziel müsse es aber in jedem Fall bleiben, den Präsenz-Unterricht in der Schule aufrechtzuerhalten.

Interview mit Dr. Annia Röhl: Atemwegszentrum eingerichtet

Das Team der Erndtebrücker Arztpraxis Haas und Röhl übernimmt auch in den zahlreichen Schulen Wittgensteins die Abstriche für die nötigen Corona-Tests. Dazu im Kurz-Interview: Dr. Annia Röhl.

Wo in Wittgenstein ist Ihre Praxis an den Schulen aktiv?

Wir streichen sowohl in Bad Laasphe als auch in Erndtebrück und Bad Berleburg ab – sowohl in Schulen als auch in Kitas. Alle zwei Wochen besuchen wir jede Schule oder Kita nach einem ausgetüftelten Plan in der Mittagspause und streichen alle Lehrkräfte und Erzieher ab, die dies wünschen.

Wie gehen Sie ganz allgemein in Ihrer Praxis mit potenziellen Corona-Patienten um?

Das ist bei uns klar geregelt. Wir haben in den Ederarkaden ein eigenes Zentrum aufgebaut, für Patienten mit verdächtigen Symptomen einen Extra-Raum im Hause angemietet. Hier nehmen wir Abstriche und Blutabnahmen vor und ein Arzt oder eine Ärztin untersucht die Patienten. Wir übermitteln die Ergebnisse auch an andere Hausärzte , wenn sie einen Patienten zu uns geschickt haben. Bislang war es übrigens nur eine Handvoll positiver Fälle.

Was halten Sie von sogenannten „Fieber-Ambulanzen“, die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn derzeit vorschlägt – für Patienten mit klassischen Atemwegssymptomen, die auf eine Corona- oder Grippeinfektion hindeuten?

Mit unserem Atemwegszentrum haben wir das im Grunde schon im Mai in Eigeninitiative eingerichtet, von unserer Praxis räumlich getrennt – weil wir sahen, dass unsere Patienten zum Teil Angst hatten, in die Praxis zu kommen. Da haben wir dann nicht lange gezögert. Wir haben glücklicherweise schnell geeignete Räume gefunden – und wir haben die personellen Ressourcen. Die Abstriche laufen im Fünf-Minuten-Takt, dann müssen die Daten verarbeitet und übermittelt werden – also, das ist schon viel Arbeit und Organisation. Wir wollen es aber nicht „Fieber-Ambulanz“ nennen, denn eine Covid 19-Infektion kommt ja nicht immer mit Fieber einher. Auch wir hatten schon positive Fälle, die sehr symptomarm waren. Für den kommenden Winter erwarten wir deutlich mehr Fälle als bislang – da hilft es uns auch, bis auf weiteres Praxis und Atemwegszentrum zu trennen, um die Sicherheit unserer Patienten zu gewährleisten.

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