Comedy

Jochen Prang hat sein Herz für Erndtebrück entdeckt

Der Comedian Jochen Prang unterhielt am Freitagabend die Zuhörer in der Haflingerhütte, zusammen mit Ralf Wied freuen sie sich über die volle Hütte

Der Comedian Jochen Prang unterhielt am Freitagabend die Zuhörer in der Haflingerhütte, zusammen mit Ralf Wied freuen sie sich über die volle Hütte

Foto: Carolin Battenfeld

Erndtebrück.   „Dörfer oder kleine Bühnen sind manchmal einfacher mitzureißen als Großstädte. Da sind die Leute manchmal einfach übersättigt“, sagt der Künstler

Jochen Prang ist 41, Comedian, frisch

gebackener Vater – und rothaarig. Auf letzteres weist er während der Eröffnung seiner Stand-Up-Comedyshow in der Haflinger Hütte am Freitagabend hin, fügte aber direkt hinzu: „Es hat nicht nur Nachteile. Rothaarige bilden immerhin ihr eigenes Vitamin D, wenn man von dem Sonnenbrand bei Vollmond mal absieht.“

Zweiter Besuch in Erndtebrück

Der schlaksige Komödiant, der gebürtig aus dem Saarland kommt, spielte schon zum zweiten Mal in Erndtebrück. „Das erste Mal war ich 2017 hier, auf Einladung von Ralf Wied, und ich freue mich, auch jetzt wieder einen Stop hier machen zu können“, erzählt er kurz vor seinem Auftritt. Das Erndtebrück nicht der Hotspot der deutschen Comedylandschaft ist, ist ihm bewusst: „Aber weißt du was?“, fragt er, während er mit einer Kaffeetasse in der Hand in der Küche der Haflingerhütte steht und von seinem Programm erzählt, „Dörfer oder kleine Bühnen sind manchmal einfacher mitzureißen als Großstädte – da sind die Leute manchmal einfach übersättigt.“

Seit 2013 steht der Wahlheidelberger regelmäßig auf Deutschlands Bühnen, ab 2016 machte er seine Leidenschaft zum Beruf. Prang und Ralf Wied, den Besitzer der Haflingerhütte und Vorstandsmitglied der Kulturinitiative Erndtebrück, verbindet eine ungewöhnliche Freundschaft. „Wir saßen beide völlig zerstört in einem Viererabteil im Zug“, erinnert sich Wied, „und darüber sind wir auch ins Gespräch gekommen.“ Wied selbst kam von einem Junggesellenabschied, Prang von einer Aftershowparty, „da habe ich ihn angeguckt und nur gefragt, ob man ihn kennen sollte, wenn man von einer Aftershowparty kommt. Eigentlich eine legitime Frage – im Nachhinein ein bisschen gemein“, erklärt Wied lachend. Auch Prang muss lachen, wenn er sich an die Situation erinnert: „Ja das stimmt, aber durch die Begegnung kann ich hier auftreten und meinen, und den Horizont der Zuschauer, erweitern.“

Pünktlich um 20 Uhr beginnt der Auftritt mit einer Ankündigung von Ralf Wied, der sich über „die wortwörtlich volle Hütte“, freut. „Das ist ja fast schon ein Akt der Völkerverständigung, wenn hier Siegerländer und Wittgensteiner zusammen sitzen“, sagt er.

Jochen Prang erzählt in seinem Programm alles, was ihn interessiert und von dem er glaubt, dass es auch andere interessieren könnte. „Ich bin vor kurzem Vater geworden, wie gefühlt alle – das ist natürlich auch ein Bestandteil meines Programms“, so der Comedian. Aber auch Tücken des Alltags werden auf so charmante Art auf den Punkt gebracht, dass der 41-Jährige schon nach kurzer Zeit das Publikum um den Finger gewickelt hat.

Zu groß für’s Saarland

„Wisst ihr, warum ich aus’m Saarland weg bin?“, fragt er, „ich bin zu groß mit meinen knappen zwei Metern – überall wo ich mich hingelegt hab‘ hingen meine Füße in der Pfalz.“ Und auch die Liebe stellte ihn im Laufe seines jungen Lebens schon vor große Hindernisse: „Wisst ihr was Tinder ist?“, beginnt er seine Ausführungen. „Da suchste dir ne potenzielle Frau; wischt du nach rechts gefällt sie dir, wischt du nach links halt nicht“, fasst er das Prinzip der Dating-App zusammen. „In meinem Heimatort war das irgendwie schwieriger. Da hättest du auch Klingelstreiche machen können. Aber als ich nach Berlin gezogen bin, hatte ich die ersten drei Wochen keine Hose an weil’s so viel Auswahl gab!“

Grenzenlose Ekstase

Aber auch Zugreisen, das pedantische Pünktlichkeitsgefühl der Deutschen und Magen-Darm-Vergiftungen im Urlaub finden Platz in seinem Programm, bei dem schon von Anfang an klar ist: „Die Erndtebrücker Ekstase wird keine Grenzen kennen!“

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