Tiere

Keine schnelle Entscheidung über Wittgensteins wilde Wisente

Mächtiger Zankapfel: Waldbauern wollen, dass die wilden Wisente aus den Wäldern verschwinden.

Mächtiger Zankapfel: Waldbauern wollen, dass die wilden Wisente aus den Wäldern verschwinden.

Bad Berleburg/Karlsruhe.   Die in Wittgenstein lebenden Wisente beschäftigen Deutschlands oberstes Gericht. Bundesgerichtshof wird heute wohl noch nicht entscheiden.

Es ist eine grundsätzliche Frage, über die der Bundesgerichtshof in Karlsruhe nun eine Entscheidung treffen soll. Was ist höher zu bewerten: Der Artenschutz oder das Privateigentum? Bundesnaturschutzgesetz kontra Bürgerliches Gesetzbuch.

Nach der mündlichen Verhandlung am Freitag ist klar: Es wird keine schnelle Lösung für ausgewilderte Wisente im Rothaargebirge geben.

Seit Jahrhunderten ist die natürliche Grenze des Rothaarkamms nicht mehr eine so scharfe Trennlinie gewesen. Sie ist Sprachgrenze zwischen den Niedersachsen und Moselfranken, war Religionsgrenze zwischen Katholischen und Protestanten und trennt jetzt Befürworter und Gegner des Wisentprojektes.

Tiere kennen keine Grenzen

Auf der einen Seite steht der Trägerverein des in Westeuropa einzigartigen Wiederansiedlungsprojektes, der 2010 in Bad Berleburg eine Herde Wildrinder in die Freiheit der Wälder entließ. Und auf der anderen Seite stehen Waldbauern aus dem Sauerland, bei denen der europäische Bison für massive Schäden sorgt.

Wisenten sind menschliche Grenzziehungen egal. Sie wandern auch über den Rothaarkamm nach Schmallenberg oder in den Kreis Olpe. Sie folgen Instinkten. Einer davon lässt sie die Rinde von Buchen abschälen, weil sie die Gerbsäuren als Nahrungsergänzung brauchen. Die Folgeschäden an den Bäumen sind groß.

Betroffenen können Entschädigungszahlungen aus einem Fonds erhalten. Nicht alle sind damit zufrieden. Die Kläger wollen die Besuche der Wisente auf ihren Grundstücken nicht mehr dulden. Ein Auswilderungsprojekt muss aber auf Zäune verzichten.

Dauerhafter Rechtsstreit um Wisente in Wittgenstein

Dauerhafter Streit ist programmiert und führt Waldbauern und Trägerverein immer wieder vor den Richter. Verfahren vor dem Landgericht Arnsberg (2015) und dem Oberlandesgericht Hamm (2017) haben keine endgültige Entscheidung gebracht. Beide Seiten zogen nach dem Urteil des OLG Hamm vor den Bundesgerichtshof.

Der muss nun vor allem eines klären: Sind die Wittgensteiner Wisente inzwischen herrenlos oder doch noch zahme Riesenrinder? Wären Sie herrenlos, müsste der Trägerverein nicht für die angerichteten Schäden haften. Sie wären Wildtieren wie Hirschen, Rehen oder Wildschweinen gleichgestellt.

Unentschieden vor dem OLG

Genau das hatte das OLG Hamm zuletzt entschieden. Zugleich aber auch salomonisch formuliert, dass der Trägerverein „geeignete Maßnahmen“ ergreifen müsse, um zu verhindern, dass die Wisente die Grundstücke der Waldbauern betreten und Schälschäden an Buchen verursachen können. Als einzige Möglichkeit bezeichnete das Oberlandesgericht wegen des Artenschutzes das „Nachstellen und Fangen“ der Tiere. Also doch ein Zaun?

„Es gibt keine Gewinner und keine Verlierer“, interpretierte OLG-Sprecher Christian Nubbemeyer damals das Urteil. Der Senat habe ausdrücklich „zwecks höchstrichterlicher Klärung“ die Revision zum Bundesgerichtshof zugelassen. Der muss nun klären, wo die Grenze für die Wisente verläuft.

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