10 Jahre Kyrill

Kyrill hat in Hesselbach Licht geschaffen, wo keines war

Abgeknickte Baumstämme, der Blick geht in die Ferne: Kyrill hat massive Löcher in die Waldlandschaft geschnitten.

Foto: Rainer Wunderlich

Abgeknickte Baumstämme, der Blick geht in die Ferne: Kyrill hat massive Löcher in die Waldlandschaft geschnitten. Foto: Rainer Wunderlich

Hesselbach.   Wie Rainer Wunderlich aus Hesselbach den Jahrhundert-Orkan erlebt hat: Beklemmend und gleichzeitig eindrucksvoll. Im Wald herrscht Lebensgefahr.

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Für die Westfalenpost hat Leser Rainer Wunderlich aus Hesselbach seine persönliche Geschichte zu Kyrill aufgeschrieben: „Auf dem Heimweg von der Arbeit musste ich schon einen Umweg fahren; am Abend des 18. Januar 2007 waren Bäume umgestürzt, vor der Abfahrt nach Bernshausen mussten Autofahrer mehr Zeit einkalkulieren. Die Feuerwehr war bereits vor Ort, um den Weg freischneiden.

Am Morgen des 19. Januar, nachdem Kyrill über uns gezogen war, hatte ich beim ersten Blick auf die Waldstücke in unmittelbarer Umgebung von Hesselbach noch nicht viel Dramatisches wahrgenommen. Die Vorabend-Erlebnisse und die vorangegangene Sturmnacht waren zwar ungewöhnlich – aber ich dachte, wir wären noch halbwegs glimpflich davongekommen. Erst in den Tagen danach wurde von doch recht massiven Schäden in den Wäldern berichtet.

Akute Lebensgefahr auf dem Spreizkopf

Besonders auf dem Höhenzug Spreitzkopf, nördlich vom Dorf, sollte es ziemlich gewütet haben. Natürlich konnte keiner in den Wald: Es bestand Lebensgefahr. Irgendwer berichtete: „Da oben ist alles platt.“ Erst fünf Wochen später, Ende Februar, radelte ich mit der Kamera im Gepäck nach oben. Bereits auf dem Weg zum etwa zwei Kilometer entfernten Scheitelpunkt der K 36, die nach Bad Laasphe führt, sah es links und rechts schaurig aus.

Junge Fichtenbestände rechts des Wegs waren wie mit einer flachen Hand niedergedrückt. Ein Durcheinander mitten im Wald. Wer die Kreisstraße von Hesselbach nach Bad Laasphe kennt, weiß, dass links und rechts der Straße hohe, dunkle Fichten standen. Je näher ich dem höchsten Punkt der Straße kam, desto lichter wurde es – ganz im Gegensatz zu dem, was noch Tage vorher dort an Lichtverhältnissen war. Die hohen Fichten auf hessischem Gebiet waren förmlich in die schluchtähnliche Tiefe gefegt worden.

Eine fremde Landschaft ist entstanden

Auf dem höchsten Punkt der Straße befand sich ein Lkw, ein Kran belud diesen mit Baumstämmen. Oben angekommen befand ich mich in einer fremdartigen Landschaft, in der nichts mehr war, wie noch Tage vorher. Oben, vom Scheitelpunkt der Straße, zweigen diverse Wege ab, die bisher in den hohen, dunklen Fichtenwald führten. Aber die gewohnte Linie der hohen Baumwipfel, die man sonst von Hesselbach kommend links sehen konnte, gab es nicht mehr.

Von der Straße nach links abbiegend erreichte ich nach etwas mehr als hundert Metern die erste Wegbiegung – und dann stand ich vor einem neuen Landstrich. Ein Chaos von umher liegenden Bäumen, in dem man sich hätte verirren können. Halb aufragende Baumstümpfe, hoch aufgerichtete Windwurfteller, aber dann auch der Blick auf die rund zwei Kilometer nach Norden hin abfallende Flanke des Spreitzkopfes, rechts von meinem Weg. Eine Riesenfläche, aus der die zahllosen Stümpfe abgeschnittener Bäume entgegen bleckten.

Wald lebt und wächst weiter – im neuen Gesicht

Der Wald wurde dermaßen verwundet und der Anblick war auf beklemmende Weise eindrucksvoll. Was mich allerdings noch mehr erstaunte: Die für diesen Bereich zuständige Forstwirtschaft hatte nur knapp fünf Wochen nach dem Sturm schon einen unglaublich großen Teil der beschädigten Fläche bearbeitet.

Kyrill hat Teilen unserer Waldlandschaft ein neues Gesicht gegeben. Der Sturm hat wunderschöne Ausblicke über unsere Berge freigegeben, Licht geschaffen, wo vorher keines war. Aber der Wald lebt und wächst wieder, und allmählich wachsen die freien Blickfelder wieder zu. Dennoch bietet sich dem Wanderer und Naturfreund ein hellerer Wald, mit einer Vielfalt an Nadel-, aber besonders auch Laubgehölzen.

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