Facharbeit

Lea Heuel: Wisente sollen frei bleiben

Bei Begegnungen mit einem oder mehreren Wisenten zücken manche Wanderer erfreut die Kamera, andere weichen zurück. Hinweise darauf, wie man sich in solchen Situationen richtig verhält, gibt es am Rothaarsteig bislang nicht.

Bei Begegnungen mit einem oder mehreren Wisenten zücken manche Wanderer erfreut die Kamera, andere weichen zurück. Hinweise darauf, wie man sich in solchen Situationen richtig verhält, gibt es am Rothaarsteig bislang nicht.

Foto: Wolfram Martin

Olpe.   Olper Schülerin hat sich in ihrer Facharbeit mit dem „Einfluss der Wisente auf den Buchenbestand im Rothaargebirge“ beschäftigt.

Mit einem Lächeln im Gesicht blättert Lea Heuel (16) durch ihre Facharbeit. Acht Wochen hat sich die Schülerin vom städtischen Gymnasium aus Olpe mit einem Thema befasst, das nur wenig Literatur bietet – und dennoch im (Hoch-)Sauerland derzeit kontrovers diskutiert wird: Die Wisente. Sie untersuchte den „Einfluss der Wisente auf den Buchenbestand im Rothaargebirge und dessen ökologische und wirtschaftliche Folgen.“ Und das mit Erfolg: Unter ihrer Arbeit steht die Note eins. Kaja Heising vom Wisent-Verein aus Wittgenstein, die Lea bei ihrer Recherche tatkräftig zur Seite stand, lobt die Arbeit der Olperin: „Das ist – auch angesichts des jungen Alters der Schülerin – eine wirklich gute Leistung.“ Wie genau die Jugendliche aus Waukemicke auf dieses brisante Thema kam, erklärt sie wie folgt: „Ich habe die Artikel über Wisente in der Westfalenpost verfolgt und bin einer Herde schon begegnet, und zwar bei einer Wanderung auf dem Rothaarsteig.“

Die großen und vermeintlich scheuen Tiere taten es ihr sofort an. Also machte sich die junge Olperin im Fach Biologie an die Arbeit, las im Internet manche Masterarbeit zum Thema und knüpfte Kontakt zum Wisent-Verein, der zurzeit vor dem Oberlandgericht Hamm dafür kämpft, dass die großen Rinder als besonders schutzwürdig eingestuft werden. Auf der Gegenseite stehen fünf Waldbauern aus Schmallenberg, die um den Bestand ihrer Buchen fürchten (die WP berichtete).

Müsste Lea Heuel vor Gericht Partei ergreifen, sie würde sich wohl auf die Seite der Wisent-Befürworter schlagen. „Ich bin dafür, dass die Tiere frei bleiben. Sie bilden eine gefährdete Population, weltweit gibt es nur etwa 4400 Wisente.“ Und es gibt noch einen weiteren Grund, warum aus ihrer Sicht das Auswilderungs-Projekt nicht beendet werden dürfe: „Die Wisente tragen dadurch, dass sie die Buchenrinden schälen, zur Artenvielfalt bei.“

Totholz neuer Lebensraum

Der Zusammenhang scheint im ersten Moment weit hergeholt, erklärt sich aber folgendermaßen: Je stärker eine Buche geschält werde, desto größere Einbußen erlebe sie auch an der Krone, auch wenn die Tiere dort nicht nagen können. Dadurch falle mehr Licht durch die Laubblätter auf den Boden, wodurch wiederum „konkurrenzschwächere Pflanzen“ (Heuel) gedeihen könnten. „Und je mehr Pflanzen in einem Ökosystem vorherrschen, desto mehr verschiedene Tiere kommen dort vor.“

Durch das Modell der Sukzession, ergänzt die Schülerin, könnten sich auch wieder konkurrenzstärkere, lebendige Pflanzen – auch Buchen – im Boden ansiedeln. „Das Totholz ist zudem für Tiere interessant, dort können sich Käfer einnisten“, sieht Heuel einen weiteren Vorteil. Die Bauern, sagt die Gymnasiastin, müsse man trotzdem entschädigen und Maßnahmen ergreifen, um die (wirtschaftlichen) Schäden in Zukunft zu minimieren.

Eine Lösung habe sie, genauso wie die Wissenschaft, nicht parat, allerdings würden Zufütterungen der Wisente im Winter, das Verscheuchen („Die Tiere kämen trotzdem zurück“) oder ein unterirdischer, elektrischer Zaun („Dafür ist das Gebiet zu groß“) nicht sonderlich weiterhelfen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben