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Lisa Achatzi in Peru: vom Bingo-Abend zu den Inkas

In Lima ist Lisa Achatzi bei Vaughn (Mitte, sitzend) am Strand von La Punta zu Gast. Durch Vaughn und dessen Ehefrau Pochi lernt sie die Hauptstadt abseits des Tourismus kennen – und das Bier.

In Lima ist Lisa Achatzi bei Vaughn (Mitte, sitzend) am Strand von La Punta zu Gast. Durch Vaughn und dessen Ehefrau Pochi lernt sie die Hauptstadt abseits des Tourismus kennen – und das Bier.

Foto: Lisa Achatzi/Privat

Cusco/Bad Laasphe.  Lisa Achatzi fährt für SOS-Kinderdörfer mit dem Rad durch Südamerika. Auf ihrer sechsten Etappe stellt sie sich den ewigen Weiten Perus.

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Vor zwei Wochen erreichte Lisa Achatzi Peru. Im Vergleich zu Ecuador, wo ein gut ausgebautes Straßennetz und regelmäßig auftauchende Städte die Fahrt erleichterten, fährt Achatzi nun stundenlang entlang gefährlicher Abhänge und schier endloser Wüsten. Nach einem längeren Aufenthalt in Lima, ist sie nach zig Stunden Fahrt durch unbewohnte Weiten inzwischen in Cusco, der „Hauptstadt der Inkas“, wieder unter Menschen angekommen.

Erst stricken, dann Rommy

Nach hunderten von Kilometern durch unwegsames Gelände, ist Perus Hauptstadt Lima für Achatzi mehr als nur ein Boxenstopp. Vor Ort kommt sie bei Pochi und Vaughn, einem älteren Ehepaar unter. Das Haus des Ehepaars steht im kleinen La Punta, etwa 15 Kilometer vom Zentrum Limas entfernt. Ein Ort mit besonderer Rentner-Idylle, wo sich nachmittags zum Stricken und am Abend zu Bingo oder Rommy getroffen wird. Manche von ihnen frischen ihre Rente auf, indem sie am Strand mit Trillerpfeife als Security patrouillieren.

„Es ist genau das, was ich gerade brauchte. Eine mentale Pause mit gastfreundlichen und herzlichen Menschen“, sagt Achatzi.

Mitten im Nirgendwo

Doch der „Seelenurlaub“, wie Achatzi die Tage in und um Lima herum beschreibt, neigt sich dem Ende. Morgen wird sie in einem Bus sitzen, der sie nach Nazca bringt, etwa 450 Kilometer entfernt. Der Grund dafür, bis dorthin nicht im Sattel zu sitzen, hat nichts mit Bequemlichkeit, sondern mit Respekt zu tun. Sie müsste eine Wüste durchqueren, in der Sandstürme so unverhofft wie gefährlich sind. Selbstüberschätzung kann Achatzi nicht mehr passieren, dafür hat sie inzwischen zu viel Erfahrungen gesammelt. Ehrgeiz hingegen, und zwar weit über der Norm, muss für eine solche Tour vorhanden sein: Denn wo die Busreise endet, wird sie mit ihrem Fahrrad von 560 Meter auf über 4000 Meter Höhe „klettern“ – das Ganze auf einer Strecke von nur hundert Kilometern.

Nächster Halt: Machu Picchu

In Achatzis Sprachnachricht zwei Tage später bläst der Wind durch den Hörer: „Es geht nonstop bergauf. Es ist wirklich so, dass hier nichts ist. Auf achtzig Kilometern kam nur ein einziges kleines Dörfchen.“ Mitten in dieser kargen Mondlandschaft soll irgendwo ein kleines Restaurant sein, wo sie im Hinterhof ihr Zelt aufschlagen wird. Das hat Achatzi vorher mit Besitzerin Julia geklärt, die „zwar 75 Jahre alt ist, aber – wahrscheinlich wegen der Bergluft – wie 60 aussieht.“ Plötzlich lacht Achatzi vor Freude los: „Ich bin eben um eine Ecke gebogen und alles ist grün!“ Nach Tagen quälend langen und pfeilgeraden Straßen in immer gleicher Landschaft, hat es Achatzi geschafft: Inmitten der Anden warten in der Touristen-Hochburg Cusco nicht nur 430.000 Einwohner, sondern auch bedeutende Bauwerke der Inkas. Machu Picchu ist nur hundert Kilometer entfernt und Achatzis nächstes Ziel.

Von jetzt an Rapunzel

In den nächsten Wochen werden aber nicht nur weitere Kilometer von Achatzi abfallen: Seit 2006 mit Kurzhaarfrisur unterwegs, lässt sie sich die Haare ab jetzt lang wachsen. Natürlich nicht grundlos: In Südamerika sind Echthaar-Perücken völlig normal und werden vor allen an krebskranke Menschen weitergegeben. Der Frisörtermin am Ende der Tour wird also eine weitere Spende hervorbringen. Es sind vielleicht nur ein paar Haare, doch stehen sie für einen Leitgedanken in Achatzis Leben: Was kann ich tun, um denen zu helfen, die Hilfe benötigen?

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