Bücherstube

Lücker liest in Weidenhausen aus seinem neuen Buch vor

Wolfgang Höse, Sylvie Lob-Höse und Susanne Körner (von links) haben die Lesung in der Bücherstube zusammen mit dem Autor Wolfgang Lückert (Mitte) ins Leben gerufen

Foto: Carolin Battenfeld

Wolfgang Höse, Sylvie Lob-Höse und Susanne Körner (von links) haben die Lesung in der Bücherstube zusammen mit dem Autor Wolfgang Lückert (Mitte) ins Leben gerufen

Weidenhausen.   In der Bücherstube Weidenhausen erinnert sich Wolfgang Lückert an Kindertage und startet eine Zeitreise in eine fast noch heile Welt.

„Früher haben wir noch auf der Straße gespielt und waren lange draußen, das gibt’s heute ja gar nicht mehr“, erklärt Wolfgang Lückert. Lückert lud zusammen mit den Organisatoren der Bücherstube aus Weidenhausen am Wochenende zu einer Lesung ein, in der er aus seiner Kindheit erzählte und wie die Freizeitgestaltung ohne Medien aussehen konnte.

Lückert selbst wurde 1949 in Bad Berleburg geboren und verbrachte seine ganze Jugend in seinem Elternhaus an der Ederstraße oder in der Landratsvilla, wo sein Vater früher arbeitete. Er selbst sagt: „Mein Buch soll einfach zeigen, dass diese ganzen modernen Ängste früher nicht möglich und auch nicht nötig waren.“

Nach einer Operation

Die Idee, seine Geschichten aus Kindheit und Jugend aufzuschreiben und sie so mit anderen zu teilen kam ihm, als er nach einer Operation noch stationär im Krankenhaus lag. „Ich wurde also operiert, der Zahn der Zeit geht auch an mir nicht vorbei, und da kam ein Bekannter auf mein Zimmer und wie das so ist, schwätzten wir über Gott und die Welt“, erzählt er. „Als uns dann der aktuelle Gesprächsstoff ausging haben wir Jugendgeschichten herausgekramt und da meinte mein Bekannter, dass ich das mal alles aufschreiben sollte“, erklärt der 69-Jährige gut gelaunt.

Die Anekdoten

Das Vorhaben wurde auch sehr schnell in die Tat umgesetzt und kurz vor Weihnachten des vergangenen Jahres konnte das Buch „Friedhofsgeschichten und andere lustige Begebenheiten aus Berleburg“ veröffentlicht werden.

Abenteuer auf dem Berleburger Friedhof

Wer jetzt jedoch glaubt, dass Buch befasse sich aufgrund des Titels mit Trauerbewältigung oder ähnlichem, der wird überrascht. In dem 64-Seiten-starken-Band erzählt Lückert lebhaft von seiner Jugend und den Abenteuern, die er und seine Freunde auf und um den Berleburger Friedhof erlebt haben.

Zusammen mit der beinahe auf den letzten Platz gefüllten Bücherstube beginnt eine Zeitreise in eine „fast noch heile Welt.“ Die Besucher werden daran erinnert wie es war, wenn man mit einer Mark Milch holen geschickt wurde und mit 30 Pfennig zurück kam. Lückert führt seine Zuhörer in die Begebenheiten rund um den Sengelsberg ein und erheitert den ganzen Raum mit einer lebhaften und ausdrucksstarken Anekdote nach der anderen.

Gummistiefel auf ihre Wasserdichtheit getestet

„Ich kann mich daran erinnern, dass ich früher jeden Tag Gummistiefel anhatte, egal welche Jahreszeit“, erzählt Lückert. Im Sommer wurden diese Gummistiefel dann in jeder sich bietenden Gelegenheit auf ihre Wasserdichtheit getestet und im Winter, dank zwei langen Brettern und einigen Lederschnüren, zu Skiern umfunktioniert. „Das hat nicht immer geklappt und oft gab es Stürze, aber die Erinnerungen sind so lebendig“, schwelgt der Bad Berleburger in der Vergangenheit.

Auch die Erinnerungen als „Feuerteufel“ sind ihm und seinen Freunden gut im Gedächtnis geblieben. Damals wurden Weideflächen oder Böschungen mit kontrollierten Bränden ausgereinigt, was Lückert dazu verleitete, ebenfalls Hand anzulegen. „Wir hatten viele namenlose Brandarten drauf. Nur einmal – wir hatten Heizöl zum brennen gebracht – musste meine Oma kommen und löschen, da hatten wir es übertrieben“, lacht er.

So mancher Unfug

Durch die Nähe zum Friedhof wurde auch dieser zu einem beliebten Spiel- und Treffplatz und so mancher Unfug betrieben. Kleinere Feuer, Burgen und Forts, Versteck- und Fangspiele wurden auf dem Gelände zum Leben erweckt und „boten Beschäftigungen über Tage“, so Lückert. „Angst hatten wir manchmal, aber auch immer genug Gottvertrauen, wir waren ja schließlich auf einem Friedhof.

Die Resonanz

Auch die Organisatoren der Bücherstube sind von den Erzählungen beeindruckt und freuen sich über die positive Resonanz der Besucher. Sylvie Lob-Höse und Susanne Körner, die sich um die Lesungen in der Bücherstube kümmern, sind beeindruckt: „Das ist erst die dritte Lesung hier und trotzdem kommen jedes Mal mehr Menschen, das ist toll das hier so ein Raum für Erzählungen und Gespräche geschaffen wurde.“ Auch in Zukunft möchten sie die gemütliche Atmosphäre weiter unterstützen und Weidenhausen somit zu einem attraktiveren Ziel machen.

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