Wirtschaft

Alle Ergebnisse der Corona-Tests im Erndtebrücker Eisenwerk

Von den 530 Mitarbeitern am Standort sind inzwischen zwölf mit dem Virus infiziert.

Von den 530 Mitarbeitern am Standort sind inzwischen zwölf mit dem Virus infiziert.

Foto: Lars-Peter Dickel / WP

Erndtebrück.  266 Mitarbeiter der Belegschaft in der Produktion wurden vorsorglich auf eine Corona-Infektion getestet. Jetzt liegen alle Ergebnisse vor.

266 Mitarbeiter aus der Produktion des Erndtebrücker Eisenwerkes (EEW) treten am Freitagmorgen zu einem freiwilligen Massentest auf eine Infektion mit dem Corona-Virus an. Das Unternehmen hat sich nach einer Beratung mit dem Gesundheitsamt des Kreises Siegen-Wittgenstein zu diesem außergewöhnlichen Schritt entschlossen.

Sieben weitere positive Fälle

Laut einer Pressemitteilung des Erndtebrücker Eisenwerks (EEW) vom Dienstagnachmittag, 29. September, haben sich bei der Auswertung von 266 Corona-Tests innerhalb der Belegschaft weitere positive Fälle ergeben.

„Demzufolge haben sich neben den fünf bekannten Fällen aus der vergangenen Woche, sieben weitere Personen mit dem Virus infiziert. Nach intensiven Analysen von EEW und dem Gesundheitsamt gibt es, wie auch bei den vorherigen Fällen, derzeit keine Hinweise darauf, dass sich die betroffenen Mitarbeiter im EEW-Umfeld angesteckt haben“, heißt es in dem Schreiben.

50 Personen in Quarantäne

„Alle sieben neuen Corona-Infizierten erhielten ihr Testergebnis schon am Wochenende. Sie sowie ihre 1. Kontakte wurden durch das Gesundheitsamt kontaktiert und in behördlich angeordnete, häusliche Quarantäne gestellt. Darüber hinaus hat EEW eigeninitiativ Kontaktpersonen im erweiterten Umfeld der Erkrankten ermittelt und diese vorsorglich darum gebeten, nicht zur Arbeit zu erscheinen. Insgesamt befinden sich aktuell 25 Mitarbeiter in behördlich angeordneter Quarantäne sowie weitere 25 Mitarbeiter in präventiver EEW-Quarantäne.“

Notfallpläne haben gegriffen

Aufgrund der umfangreichen Tests und dem schnellen Greifen der Notfallpläne habe das Gesundheitsamt keine weiteren Maßnahmen angeordnet. Der Produktionsbetrieb bei EEW könne uneingeschränkt fortgesetzt werden. Christoph Schorge, geschäftsführender Gesellschafter, kommentierte wie folgt: „Die Gesundheit unserer Mitarbeiter hat für uns höchste Priorität. Dementsprechend ist jeder erkrankte Mitarbeiter einer zu viel. Wir hoffen, dass sie schnell wieder gesund werden.“ Auch dankte er allen Mitarbeitern für den reibungslosen Ablauf und ihr umsichtiges Verhalten im Rahmen der freiwilligen Corona-Tests am vergangenen Freitag. Sein besonderer Dank gilt zudem den Abteilungen für Arbeitssicherheit und Personal für die hervorragende Organisation und die gute Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen des Gesundheitsamtes.

Abschließend zeigte sich Schorge verhalten optimistisch: „Intensive Analysen seitens des Gesundheitsamtes und EEW ergaben keine Hinweise darauf, dass die Infektionen am Arbeitsplatz entstanden sind. Damit sehen wir die Wirksamkeit unserer Pandemie- und Hygienepläne bestätigt. Ich hoffe zudem, dass wir seitens der gesamten EEW-Belegschaft in Anbetracht dieser frühen Fälle maximal sensibilisiert sind und mit einer konsequenten Umsetzung unserer Corona-Maßnahmen gut durch die Herbst- und Winterzeit kommen.“

Hintergrund der Massentestungen

Hintergrund der Massentestung waren mit Stand Freitag fünf bestätige Infektionsfälle innerhalb der Belegschaft. Gerüchte, dass es einen Zusammenhang bei den Infektionen gibt, weist das Unternehmen zurück und der Chef des Gesundheitsamtes Dr. Christoph Grabe erläutert auf Nachfrage dieser Zeitung: „Das kann ich nicht bestätigen.“ Gleichzeitig sagt Grabe aber auch, weil es innerhalb kurzer Zeit diese Häufung gebe, „halte ich es für sinnvoll, einmal durchzutesten und den Status zu nehmen“.

Beim geschäftsführenden Gesellschafter des Eisenwerks, Christoph Schorge, stößt das auf Zustimmung. Beim Ortstermin im Werk sagt Schorge: „Arbeitssicherheit und die Gesundheit unserer Mitarbeiter sind unser höchstes Gut. Wir sind mit dem Gesundheitsamt in enger Abstimmung, haben Infektionsgefahren untersucht. Schichtplänen und Aufenthaltsräume angeschaut und können keinen Zusammenhang zwischen den Infektionsfällen feststellen.“

Umfangreiche Maßnahmen getroffen

Die jüngsten fünf Fälle sind nicht die ersten seit Beginn der Pandemie. Direkt am Anfang hat das Unternehmen wegen eines der ersten Infektionsfälle im Kreisgebiet eine gesamte Abteilung im kaufmännischen Bereich ins Homeoffice und in vorsorgliche „EEW-Quarantäne“ geschickt. Aus diesem Fall habe man gelernt. „Wir haben zu Beginn der Corona-Pandemie sofort eine Taskforce gebildet“, berichtet Schorge, der auch Kontakt zu anderen Unternehmen in der Region aufgenommen hat, um sich im Austausch über Maßnahmen gegen Corona-Infektionen zu informieren.

Der Maßnahmenkatalog reicht von der Maskenpflicht über Abstands und Desinfektionsregelungen bis hin zu zusätzlichen Reinigungen und Aufklärungsbögen.

Und wenn sich jemand schlecht fühlt, oder aber Symptome zeigt, dann handle man, wie der für Arbeitsschutz und Gesundheitsmanagement zuständige Philipp Sure berichtet. Wegen der fünf aktuellen Fälle habe das Unternehmen bereits reagiert und auch über die vom Gesundheitsamt identifizierten Kontaktpersonen hinaus weitere Mitarbeiter in eine vorsorgliche EEW-Quarantäne geschickt. Laut Personalleiterin Jessica Becker sind aktuell 30 Mitarbeiter von EEW vorsorglich in Quarantäne geschickt worden. Welche Konsequenzen diese Vorsichtsmaßnahme auf die Produktion hat, berichtet Betriebsleiter Christian Knebel: „Das sind zehn Prozent der Produktionsmannschaft. Das tut weh, weil darunter auch viele Know-how-Träger sind.“

Wirtschaftlich schwierige Zeit durch die Pandemie

Diese außerplanmäßigen Einschränkungen kommen zur allgemein schwierigen wirtschaftlichen Lage in der Röhren-Industrie hinzu: „Das letzte Dreivierteljahr hat uns gewaltig durchgeschüttelt, weil wir ein international aufgestelltes Unternehmen sind“, erläutert Christoph Schorge und verweist auf die Lockdowns in Korea und Malaysia - zwei Ländern mit wichtigen Produktionsstandorten des Herstellers von speziellen Rohren für Pipelines oder Offshore-Anlagen. „Die Metallindustrie durchschreitet gerade ein Tal der Tränen. Beispielsweise hat Aramco zwei große Projekte wegen Corona um ein Jahr verschoben. Das trifft uns, weil wir volle Auftragsbücher haben, diese aber nicht abarbeiten konnten. Jetzt haben wir seit den Sommerferien Kurzarbeit angemeldet.“

Weniger Krankmeldungen

Aber die Pandemie hat auch positive Erkenntnisse gebracht. So hat das Unternehmen rund 250.000 Euro in zusätzliche Video-Konferenzsysteme gesteckt und der Krankenstand ist durch die verstärkten Hygienemaßnahmen gesunken: „Wir haben etwa ein Drittel weniger Krankmeldungen“, berichtet Jessica Becker - die Zahl der Erkältungen und Grippefälle hat abgenommen.

Für den Betriebsrat sind die Coronabedingten Maßnahmen keine Problem: „Natürlich ist es nicht angenehm, mit Masken zu arbeiten und in den Pausen mehr Abstand zu einander zu halten. Aber es wird akzeptiert“, berichtet Anke Möllers vom Betriebsrat.

Bestätigt wird das Bild in der Werkshalle am Freitagvormittag: Die Mitarbeiter warten geduldig mit Abstand und Mund-Nasen-Maske, bis sie an der Reihe sind. Sie tragen sich in Listen ein, gehen einzeln und mit Abstand zum Corona-Test in der Werkshalle. Gut eine halbe Stunde dauert das - Zwangspause. Denn danach geht es direkt zurück an den Arbeitsplatz. Und das ist laut Gesundheitsamt auch ohne Ergebnis zulässig, weil es sich um freiwillige Tests an Personen ohne Symptome handelt. Erst wenn positive Ergebnisse vorlägen, greife die Maschinerie aus Quarantäne und Ermittlung von Kontaktpersonen 1. Grades wieder.

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