Sternwanderung

Mit Profis aus dem Banfetal unterwegs ins Jubiläumsdorf

Mit Kind und Kegel, mit Vierbeinern und Marschverpflegung geht es von Banfe über den Großgemeindestein ins Jubiläumsdorf. Unter der Regie der Heimat- und Wanderfreunde Banfetal sind gut 100 Teilnehmer unterwegs. Foto:Christoph Vetter

Mit Kind und Kegel, mit Vierbeinern und Marschverpflegung geht es von Banfe über den Großgemeindestein ins Jubiläumsdorf. Unter der Regie der Heimat- und Wanderfreunde Banfetal sind gut 100 Teilnehmer unterwegs. Foto:Christoph Vetter

Banfe/Feudingen.  Regen begleitet den Start aus dem Banfetal bis hinauf zum Großgemeindestein. Fröhliche Familientour führt mit 100 Teilnehmern nach Feudingen.

Zugegeben, ich war noch nie am Großgemeindestein; dem geometrischen Mittelpunkt der Stadt Bad Laasphe. Dieses unrühmliche Versäumnis hat sich schnell herumgesprochen bei knapp 100 Wanderern, die beim Glockengeläut unter dem Banfer Kirchturm in der Ortsmitte auf den Startschuss zur Sternwanderung ins Jubiläumsdorf Feudingen warten. Kaum verstummen die Glocken, bringt sich Petrus mit einem seichten, aber zunächst andauernden Regen ins Spiel.Thomas Dornhöfer und Andreas Schmidt sind unsere Wanderführer.

Der Anstieg

Los geht‘s. Über die Straße in Richtung Friedhof. „Das geht jetzt erst einmal eine ganze Weile bergauf“, macht die Banfer Ortsvorsteherin Elvira Haßler mir nicht gerade Mut. Sie erzählt, sie sei „voriges Wochenende mit dem Gesangverein bis an die Lahnquelle gelaufen – fast drei Stunden“. Auf was habe ich mich hier eingelassen, denke ich. Da bin ich wohl Profis in die Hände gefallen, all den Wander- und Heimatfreunden Banfetal, die immer am Himmelfahrt ihre Familienwanderung unternehmen. Das sieht man am Alter der Teilnehmer trotz Regenschirme. Zwischen 6 und 85 Jahre spannt sich der Bogen eines „durchschnittlich recht jungen Vereins“, von dem Vorsitzender Stefan Ermert gern berichtet. Natürlich erwähnt er, dass es „für uns Banfer Ehrensache ist, der Dorfgemeinschaft Feudingen mit einer großen Abordnung zum 800-Jährigen zu gratulieren“.

Gelbe Brühe

Der Friedhof liegt jetzt hinter uns. Neben dem Asphalt spült der Regen in gelber Brühe die Fichtenblüten bergab. Wir laufen weiter bergauf. An der Zei-Quelle vorbei gelangen wir auf den Lahnwanderweg, schroffe Felsformationen linker Hand und Zeit zum Verschnaufen auf einer kurzen Hochebene. Den „Kennerblick“ lassen wir auf. Stefan Ermert verrät, dass Wanderer von dort einen „besonders schönen Blick ins Ilsetal“ genießen können. Angeblich „höchstens noch 70 Meter“ fehlen bis zum ersten Etappenziel, schnappe ich hinter mir auf. Und wegen des enormen, vorgelegten Tempos frage ich mich, ob diejenigen, die vorne laufen, vom Durst so schnell nach Feudingen getrieben werden.

Am Zwischenziel

Da steht er dann, oben auf dem Petersberg, der ehrwürdige Großgemeindestein. Die Rast dauert eine gute Zigarettenlänge, ein Schluck aus der Wasserpulle, die Dose Bier im Rucksacknetz neben mir bleibt (erstmal) unangetastet. Ein Gruppenfoto noch, und dann folgen wir ab hier den Hinweisschildern „Hie gett‘s no Faerje“. Aufgestellt haben diese Tafeln die Mitglieder der Dorfgemeinschaft Feudingen rund um ihr Jubiläumsdorf; immer kommen die Menschenmassen ja heute aus allen Himmelsrichtungen. Wirklich? Bei dem Wetter?

800 Jahre Feudingen, Sternwanderung zum Festzelt

Die Tour der Wander- und Heimatfreunde Banfetal über den Großgemeindestein mit über 100 Teilnehmern nach Feudingen.
800 Jahre Feudingen, Sternwanderung zum Festzelt

Die letzte hohe Erhebung auf 537 Metern über dem Meer heißt „Am kleinen Buchholz“. Die Regenjacken braucht kein Mensch mehr. Sie sind wie etliche Knirpse in Rucksäcken und Taschen verstaut. Kurzärmlig nehmen wir den Waldweg ins Tal. Die Sonne hat den Kampf gegen die grauen Wolken gewonnen und beschert uns tatsächlich blauen Himmel. Angesichts eines kräftigen Gewitters und ordentlicher Regenschauern am frühen Morgen in Banfe hätte damit wohl niemand gerechnet.

Erste Rast

Zur ersten Rast mit Verpflegung empfängt uns die Bürgerschaft Feudinger­hütte an ihrer rustikalen Erlenhütte. Hier knallen die Kronkorken, mit Laaspher Bier wird der Durst gelöscht. Das Grillwürstchen schmeckt Klasse. Unser Ziel ist in Sichtweite.

Dort ist um die Mittagszeit, wie die Wittgensteiner sagen, die Hölle los. Hans-Hermann Weber als Chef der Dorfgemeinschaft und Sandra Strack-Saßmannshausen als Vorsitzende des TV 08 Feudingen heißen die Wanderer willkommen. Und Sandra erkennt beim Blick ins riesige Festzelt an der Volkshalle: „Heute ist ganz Wittgenstein bei uns zu Gast. Euch allen wollen wir heute zeigen, was wir hier in Faerje am besten können: Feiern.“

Der Beweis ist angetreten. Schon als zweites Stück spielen die Bollenbacher vom Herdorfer Musikverein das Wittgensteiner Heimatlied. Gefühlte zweieinhalb Tausend Gäste fühlen sich pudelwohl - wie zu Hause.

Klarer Sieger: Schameder

Mit über 140 Wanderern hat die Dorfgemeinschaft Schameder die Konkurrenz abgehängt: Erst mit dem Zug, dann per pedes und ausgestattet mit den eigenen Jubiläumshemden fürs kommende Jahr sind die Schamederaner nach Feudingen gekommen – geschätzt könnten es insgesamt gut und gerne 2000 gewesen sein. Die Backhausgemeinschaft Wunderthausen war ebenso vertreten wie die SGV-Abteilungen aus Zinse, Girkhausen, Aue-Wingeshausen, Gruppen aus Birkefehl, Saßmannshausen, Laasphe, Banfe und natürlich von den Höfen, etwa der Schützenverein Oberndorf. Er erreichte in der Wertung (100 Teilnehmer) den dritten Platz. Besiegt von den Wander- und Heimatfreunden Banfetal (105) und dem Gewinner aus Schameder. Alle drei Gruppen freuen sich über Grillgut-Gutscheine, die sie für eine zünftige Feier beim Metzger einlösen können.

Übrigens: Am Schuhwerk der Besucher am und im Festzelt war leicht zu erkennen: Hier sind nicht nur Wanderer Lackschühchen und Turnschuhe lieferten den Beweis, dass zahllose Nicht-Wanderer ebenfalls zum Gratulieren nach Feudingen gekommen waren.

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