Literaturpflaster

Niederlande - Sexy Autoren und Bratkartoffeln mit Kümmel

Geschichte im Schnelldurchlauf: Prof. Dr. Jan Konst erklärt, wie sich der niederländische Sprachraum im 16. und 17. Jahrhundert gespalten und weiterentwickelt hat.

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Geschichte im Schnelldurchlauf: Prof. Dr. Jan Konst erklärt, wie sich der niederländische Sprachraum im 16. und 17. Jahrhundert gespalten und weiterentwickelt hat.

Bad Berleburg.   Der Berliner Professor Dr. Jan Konst gibt einen humorvollen Einblick in die Literatur der Niederlande - inklusive sexy Autoren.

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Historisch, kulinarisch, witzig, sexy – der erste Vortrag des 23. Berleburger Literaturpflasters überraschte mit einer Vielfalt, die manche Besucher vielleicht nicht mit dem Nachbarland verbunden hätten. In diesem Literaturjahr stehen Niederlande und Flandern im Mittelpunkt – eine Region, mit der jeder schon mal in Kontakt gekommen ist. „Sei es beim Urlaub am Meer oder bei der Klassenfahrt in der Schule“, so Gastgeber Karsten Wolter, der den Literaturabend in der Kur-Apotheke ausrichtete. Mit „Dit is wat we delen“ („Das ist, was wir teilen“) begann eine humorvolle, literaturtheoretische Reise durch die Niederlande – mit Literaturwissenschaftler und Niederlandist Prof. Dr. Jan Konst als Piloten.

Der gebürtige Niederländer ist Hochschullehrer an der Freien Universität Berlin und schaffte von der ersten Minute an, das Publikum im voll besetzen Apotheken-Raum mit seinem charmanten Akzent und seinen humorvollen Anekdoten zu begeistern. Zwischen Beamer-Leinwand und medizinischen Kosmetikprodukten riss er die niederländische Geschichte im Schnelldurchlauf an: wie sich im 17. Jahrhundert plötzlich eine geografische Grenze durch den niederländischen Sprachraum zog; warum die idealistische Literatur über Bauerngesellschaften der 30er- und 40er-Jahre im nationalsozialistischem Deutschland so beliebt war; wie sich die 68er-Revolution in der niederländischen – wesentlich mehr als in der deutschen – Literatur als politische und sexuelle Provokation niederschlug; und welche Schriftsteller sich seit Anfang der 90er-Jahre als feste Größe in der niederländischen Literaturlandschaft etabliert haben.

Lachpausen garantiert einkalkuliert

Wer sich eine klare Antwort auf die Frage gewünscht hatte, was die niederländische Literatur explizit von der deutschen unterscheidet, wurde von Prof. Dr. Jan Konst enttäuscht. Vorübergehend. „Literatur sollte immer in einer internationalen Perspektive wahrgenommen werden.“

Bestes Beispiel dafür ist die Gegenwartsliteratur, die sich mit Themen wie Flucht und Migration beschäftigt. Es ist eine internationale Angelegenheit, die national reflektiert wird. Genauso wie es in jedem Land Schriftsteller gibt, die ausländische Wurzeln haben. Wie der marok­kanisch-niederländische Autor Mano Bouzamour – ein Pop-Literat mit einer „sexualisierten Ausstrahlung“, stellte Konst nahezu bewundernd fest. „Ich glaube, dieses Bild war sogar auf dem Cover der Vogue.“ Lachpausen waren in dem zeitlichen Ablauf des Vortrags mit Sicherheit einkalkuliert.

Nach dem gut einstündigen Einblick in die niederländisch-flämische Literaturszene haben manche Besucher noch nicht genug. „Sie wollten uns noch Ihr Rezept verraten!“, ruft eine Frau aus dem Publikum. Traditionell wird der Fachvortrag in der Apotheke nämlich mit einer kurzen Präsentation über die fürs Gastland typische Heilpflanze eingeleitet. Im Fall der Niederlande: Kümmel. Eins der Standardgewürze in der Küche. „Als armer 18-jähriger Student habe ich immer sehr gerne Bratkartoffeln mit ein bisschen Kümmel darüber gegessen“, erinnert sich Konst – und kommt bei dem einfachen Essen regelrecht ins Schwärmen.

Blumen und Buffet zum Schluss

Allerdings gab es an dem Abend weder Bratkartoffeln mit Kümmel noch Blumen für den Berliner Professor. „Blumen sind bis zu Hause verwelkt, deswegen gibt es bei uns immer einen Literaturpflasterstein,“ sagte Christoph Haupt von der Berleburger Kulturgemeinde. Und das Buffet hinter dem Apotheker-Tresen konnte Konst sicherlich auch über die fehlenden Bratkartoffeln hinwegtrösten.

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