Briefe gestohlen

Post-Diebstahl: Kunden fühlen sich nicht ernst genommen

Zahlreiche Brief- und Paketsendungen haben das Logistikzentrum Siegen in Freudenberg nicht verlassen. Die Kunden sind verärgert.

Zahlreiche Brief- und Paketsendungen haben das Logistikzentrum Siegen in Freudenberg nicht verlassen. Die Kunden sind verärgert.

Foto: dpa

Siegen/Wittgenstein/Olpe.  Im Verteilzentrum Siegen in Freudenberg sollen Briefe geöffnet und gestohlen worden sein. "Das Vertrauen in die Post ist dahin", so eine Kundin.

Zahlreiche Leser aus Siegen-Wittgenstein haben sich an diese Redaktion gewandt, weil sie Briefe vermissen. Schmuck, Geld und Bankkarten sind verschwunden. Auch Kündigungsschreiben und Rechnungen haben das "Logistikzentrum Siegen" in Freundenberg nicht verlassen.

Briefe sollen geöffnet und gestohlen worden sein. Die Post-Kunden sind enttäuscht und verärgert. Wir haben einige Reaktionen zusammentragen.

Verlust von hohen Geldbeträgen

„Jetzt kann ich mir vorstellen, was mit meinem Päckchen passiert ist“, so Christine Otto aus Feudingen. Sie habe es Anfang Dezember im Dorf aufgegeben – „und es hat den Empfänger nie erreicht. Der Inhalt war zwar nicht spektakulär, aber immerhin über 40 Euro wert.“ Was Otto bedauert: „Es wird für mich keine Erstattung des Betrages geben“, denn: Das Päckchen sei „nicht versichert“ gewesen „und die Wegspur nicht zu verfolgen“.

Ein Post-Kunde aus Siegen verlor gleich mehrere hundert Euro, die er teils per Einschreiben, teils in normalen Umschlägen an unterschiedliche Adressen schickte. Doch dort kamen sie nie an. Insgesamt landeten von ihm sieben Sendungen nicht beim Empfänger. „Es geht mir nicht um den Verlust einzelner Briefe – das kann ja immer wieder mal vorkommen“, so der Betroffene – „aber jetzt kommen ja nicht mal die Einschreibebriefe an, bei denen ich Extragebühren für eine Leistung zahle, die nicht erbracht wird.“

Emotionale Bedeutung geht verloren

„Auch ich vermisse das Ankommen meiner abgeschickten Briefe und einem Geburtstagspäckchen“, schreibt Bärbel Treude. Sie betont: „Es geht ja nicht nur um die Sendungen an sich, die emotionale Seite spielt doch auch eine Rolle.“ Das Vertrauen in die Post sei für sie dahin.

Eine Kundin aus Geisweid berichtet von insgesamt 23 Sendungen, die überwiegend im April und Mail 2018 verloren gingen. Zwischen Oktober und Dezember 2018 seien es dann nochmal drei gewesen.

Kunden fühlen sich nicht ernst genommen

Wie viele andere Kunden auch meldete die Geisweiderin die Vorfälle und sei zurückgewiesen worden. „Niemand nahm sich des Problems an, niemand hielt sich für zuständig, man wurde von einem zum anderen geschickt, die Mitarbeiter der Hotline reagierten unfreundlich“, erzählt sie. „Ich fühlte mich nicht ernst genommen und im Stich gelassen von der Post; als Verbraucher schien es keine Möglichkeit einer Handhabe oder gar Aufklärung der Fälle zu geben.“

Viele Reaktionen erreichten die Lokalredaktionen über Facebook. "Ich habe meiner Freundin eine Trauerkarte schicken wollen, leider ist diese nie angekommen", schreibt eine Nutzerin. Eine andere kommentiert: "Jetzt weiß ich auch, wo mein Geld und meine Karten abgeblieben sind." Ein Kunde beklagt sich über die Kommunikation mit der Post: "Das Schlimme daran ist, mit welcher Arroganz man als Betroffener von der Post behandelt wird."

Bei einem Leser kam die Kündigung nicht an

Auch im Kreis Olpe sind einige Bürger betroffen. Hanna Ruth Schmidt aus Thieringhausen hatte Ohrringe per Einschreiben verschickt. Zwar kam die Sendung an, aber: „Man konnte genau sehen, dass der Briefumschlag aufgerissen wurde“, sagt die Schülerin. Sie konfrontierte die Post mit ihrem Diebstahl-Verdacht: „Das Ärgerliche an dem Ganzen ist, dass man solche Dinge nicht mehr mit dem Mann am Postschalter besprechen kann, sondern extra eine Hotline anrufen muss.“

Jens Oest aus Helden muss einen Monat länger doppelt Miete zahlen, weil die Kündigung nicht angekommen ist. „Ich hatte bei der Post angerufen. Die haben mir gesagt, dass das bis nach Siegen gegangen sei, aber nicht weiter“, berichtet der zweifache Familienvater.

Viele der Betroffenen geben an, dass ihre Nachforschungsaufträge und Sendungsverfolgungen im „Logistikzentrum Siegen“ in Freudenberg enden. Eine Kundin aus Wittgenstein erzählt, die Probe aufs Exempel gemacht zu haben: Sie warf ihre Post im Marburger Raum ein, wo die Sendungen über ein anderes Logistikzentrum laufen. Im Gegensatz zu den in Siegen-Wittgenstein abgeschickten seien diese Sendungen dann angekommen. Laut Post werde gegen die Verdächtigen ermittelt.

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