Gericht

Prozess gegen Serien-Bankräuber: Zeugen sind traumatisiert

Bei der Tatwaffe soll es sich um eine Attrappe handeln.

Bei der Tatwaffe soll es sich um eine Attrappe handeln.

Foto: Christoph Vetter

Limburg/Birkelbach.   Im Prozess um den Serien-Bankräuber aus Birkelbach sagten am Freitag Sparkassen-Mitarbeiter aus. Sie sind zum Teil bis heute traumatisiert.

Die Meisten sind schwer traumatisiert. Einige haben ihren Beruf aufgegeben. Vor der 5. Großen Strafkammer des Landgerichts Limburg ist am Freitag der Prozess gegen den Serien-Bankräuber aus Birkelbach fortgesetzt worden.

Der geständige 45-jährige Familienvater, dem 20 Raubüberfälle in den vergangenen 20 Jahren zur Last gelegt werden, wurde mit Aussagen von einigen seiner Opfer konfrontiert.

Überfall in Kirchen

Am 24. November 2006 überfiel der Angeklagte die Sparkasse in Kirchen an der Sieg. Beute: 25.000 Euro. Die 45-jährige Kassiererin hatte gerade eine größere Auszahlung vorbereitet, als der Angeklagte die Bank betrat. Er forderte Geld und drängte eine Kundin zur Seite. Dann packte die Zeugin das Geld in einen Jutebeutel. Die Bedrohung mit der Waffe hat sich bei der Frau ins Gedächtnis gebrannt. „Ich war eine Woche krankgeschrieben.“ Ihren Job als Kassiererin musste sie aufgeben, ließ sich in den Service versetzen. Die größeren Probleme hatte sie aber im Privatleben. „Ich hab’ mich Zuhause verkrochen, ich konnte nicht mehr unter Menschen gehen“, sagte sie mit stockender Stimme.

Eine Psychologin stellte bei ihr eine posttraumatische Belastungsstörung fest. „Ich hatte Verfolgungswahn. Ich war nicht mehr ich selbst.“ Die psychischen Probleme verschärften sich drei Jahre später, als die 45-Jährige erneut Opfer eines Überfalls wurde. Erst als sie die Geschäftsstelle wechselte und auch die Kollegen andere sind, tritt das Erlebte in den Hintergrund.

Schlimmer getroffen hat es eine Kollegin, die am gleichen Tag nur im Haus war, weil sie die Schalterhalle für den Advent schmückte. Für die 48-jährige Zeugin folgte der Zusammenbruch wenige Tage nach dem zweiten Überfall 2009. Ein Jahr lang war sie krankgeschrieben, musste zwei Therapien machen und eine Wiedereingliederung, bevor sie wieder in der Sparkasse arbeiten kann.

Diese Frau berichtete von dem Entschuldigungsschreiben, das die Geschäftsstelle bekommen hat. Handschriftlich hat der 45-jährige Angeklagte insgesamt 16 Bankfilialen angeschrieben, sich für sein Handeln entschuldigt und wirtschaftliche Zwänge für seine Taten angeführt. „Das war für mich wie ein Schlag ins Gesicht“, so die Bankangestellte. Als sie den Brief in der Hand hielt, seien ihr die Tränen gekommen.

Überfall in Lüdenscheid

Auch ein 36-jährige Lüdenscheider hat diesen Brief gelesen. „Am Anfang habe ich gedacht, da ist jemand, dem es leid tut. Aber dann dachte ich, das soll dazu dienen das Strafmaß zu senken.“ Der Bankkaufmann war am 24. April 2008 Opfer eines Überfalls auf die Sparkasse Lüdenscheid geworden. Die Beute damals: 5000 Euro. Der Angeklagte hatte zunächst einen Azubi mit der Waffe bedroht, ehe der Zeuge eingriff und dem Täter das Geld aushändigte.

Überfall in Frickhofen

Ein weiterer Zeuge ist ein 36-jährige Frührentner aus Elbtal bei Limburg. Am 26. November 2006 wurde er als Kundenberater von dem Angeklagten bedroht. Die Beute bei dem Überfall auf die Sparkasse Frickhofen: 242 Euro. Während seine Kollegen die Tasche des Räubers füllten, begann für den 36-Jährigen ein Martyrium. „Ich musste mich hinknien und er hatte die Waffe auf meine Stirn gerichtet“. Therapien, zwei Rehabilitationen und Medikamente können die Angst bis heute nicht bekämpfen. Vor Gericht will er unbedingt aussagen, obwohl dieses ihn wegen seiner Probleme ausgeladen hatte. Er übersteht die Befragung. Ob es ihm hilft seine Ängste in den Griff zu bekommen, bleibt offen. Der Angeklagte nimmt die meisten Aussagen regungslos auf. Nur manchmal schüttelt er den Kopf oder vergräbt sein Gesicht in den Händen.

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