Razzia

Rätselraten um Lager mit explosiven Stoffen in Bad Berleburg

Razzia in Bad Berleburg. Hier geht es um  Cyberkriminalität: Beamte der Zollfahndung stellen am 5. Dezember 2018 im Wiesenweg großen Mengen an explosionsfähigem Material sicher. Das soll ein Verdächtiger angeblich im Darknet bestellt und gehortet haben. Aus dem selben Grund haben die Beamten auch eine Wohnung in der Brandenburger Straße durchsucht.

Razzia in Bad Berleburg. Hier geht es um  Cyberkriminalität: Beamte der Zollfahndung stellen am 5. Dezember 2018 im Wiesenweg großen Mengen an explosionsfähigem Material sicher. Das soll ein Verdächtiger angeblich im Darknet bestellt und gehortet haben. Aus dem selben Grund haben die Beamten auch eine Wohnung in der Brandenburger Straße durchsucht.

Foto: Christoph Vetter

Bad Berleburg.   Es ging um Cyberkriminalität – doch dann fand die Polizei ein illegales Lager mit Explosiv-Stoffen. Über die Hintergründe schweigen die Behörden.

Bei einer spektakulären Aktion des Zollfahndungsamtes Essen und der Bundespolizei in Zusammenarbeit mit Wittgensteiner Polizeibeamten sind bei zwei stundenlangen Durchsuchungen im Stadtgebiet von Bad Berleburg große Mengen an „explosionsfähigen Stoffen“ sichergestellt worden, während Anwohner evakuiert wurden und ihre Wohnungen verlassen mussten. Über Festnahmen verdächtiger Personen wurde bis zum Abend nichts bekannt. Die zuständigen Behörden hüllen sich in Schweigen.

Gleichwohl blieb die Razzia der Bevölkerung nicht verborgen: Ein Dutzend Zollbeamte, ebenso viele Polizisten, mehr als 30 Feuerwehrleute sowie Sanitäter mit Rettungswagen waren beteiligt und präventiv in der Ludwigsburgstraße und an der Schulstraße postiert. Feuerwehrleute unterstützten dann ebenso wie das Ordnungsamt der Stadt die Evakuierung von rund 65 Personen rund um den Wiesenweg.

Kontrollierte Vernichtung des Sprengstoffs

Mehrere Zollbeamte räumten daraufhin aus dem Mehrfamilienhaus verschiedene Behältnisse, Flaschen und Becher mit Zündschnüren in eine vor dem Haus abgestellte, so genannte Sprengkugel. Wannen- und kartonweise brachten die Männer im Minutentakt Material nach unten, was überwiegend im Dachgeschoss des Hauses gelagert war. Dort arbeiteten die Beamten noch lange nach Einbruch der Dunkelheit, während die Polizei den Wiesenweg nach wie vor gesperrt hielt. Angeblich sollen allein in dem Gebäude mehr als 40 Kilogramm Sprengstoff gefunden worden sein.

Sprengstoff-Fund in Bad Berleburg

Sprengstoffexperten der Bundespolizei haben in Bad Berleburg mehrere Sprengkörper beseitigt.
Sprengstoff-Fund in Bad Berleburg

Ein Teil der gefundenen Chemie vernichteten zwei Sprengmeister der Bezirksregierung Arnsberg bzw. der Bundespolizei gleich vor Ort an der Hausecke, indem sie das Material anzündeten und kontrolliert „in die Luft jagten“. Menschen waren durch dieses Vorgehen nicht gefährdet, möglicherweise aber durch illegale das Sprengstofflager.

Lebensgefährliches Material war wohl selbst hergestellt

Denn wie unsere Redaktion erfuhr, soll es sich bei den gefunden Chemikalien um „Selbstlaborate“ handeln. Das sind aus mehreren Substanzen hergestellte, zündfähige und lebensgefährliche Sprengstoffe. Laut Internet-Auskunft werden sie für „kriminell oder terroristisch motivierten Straftaten“ hergestellt. Etwaige Ermittlungen in diese Richtung wurden bis zum Abend weder bestätigt noch dementiert.

Bereits am frühen Morgen war die Aktion angelaufen. Verantwortlich für die offensichtlich an mehreren Orten in NRW durchgeführten Maßnahmen ist die Zentralstelle für Cyber-Kriminalität (ZAC-NRW) in Köln. Aus Ermittlerkreisen sickerte durch, dass in diesem Fall wohl erhebliche Mengen an sprengfähigem Material im Darknet verkauft oder gekauft worden sein könnten. „Um China-Kracher handelt sich dabei gewiss nicht“, sagte der Informant.

Behörden hüllen sich in Schweigen

Genaue Angaben machte der am Einsatzort für Medien-Anfragen zuständige Ermittlungsbeamte Christian Seipenbusch nicht. „Es gibt ein laufendes Ermittlungsverfahren, bei dem der Zoll heute tätig geworden ist.“ Seipenbusch bestätigte noch den zweiten Einsatzort in der Brandenburger Straße: „Die beiden Durchsuchungsobjeke in Bad Berleburg hängen zusammen.“

Handelt es sich vielleicht um Käufer und Verkäufer der gefährlichen Stoffe? Seipenbusch blieb die Antwort schuldig. Er verwies auf den zuständigen Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Köln, Dr. René Seppi. Der Staatsanwalt wollte jedoch nicht zur Sache sprechen: „Zum jetzigen Zeitpunkt erhalten Sie von mir keinerlei Auskunft.“ Durchblicken ließ er nur noch: „... wir beschäftigen uns nicht mit Kleinigkeiten.“ Er kündete eine offizielle Pressemitteilung wohl „erst in den nächsten Tagen“ an.

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