Sucht

Rollator-Dieb ist zu betrunken für eine Gerichtsverhandlung

Der Diebstahl eines Rollators wird einem 55-Jährigen Wittgensteiner vorgeworfen. Die Hauptverhandlung am Amtsgericht Bad Berleburg muss allerdings ausgesetzt werden, weil der Angeklagte mit halbstündiger Verspätung, volltrunken und damit nicht vernehmungsfähig zum Termin kommt.

Der Diebstahl eines Rollators wird einem 55-Jährigen Wittgensteiner vorgeworfen. Die Hauptverhandlung am Amtsgericht Bad Berleburg muss allerdings ausgesetzt werden, weil der Angeklagte mit halbstündiger Verspätung, volltrunken und damit nicht vernehmungsfähig zum Termin kommt.

Foto: Christoph Vetter

Bad Berleburg.   Er gehört zum Stadtbild und ist in Berleburg nahezu jedermann bekannt. So beschreibt Bewährungshelfer Reinhold Vater seinen Klienten.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Er gehört zum Stadtbild und ist in Berleburg nahezu jedermann bekannt. So beschreibt Bewährungshelfer Reinhold Vater seinen Klienten, auf den am Dienstag Richter Torsten Hoffmann, Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel und Pflichtverteidiger, Rechtsanwalt Norbert Hartmann, sowie die als Zeugin geladene Polizeibeamtin Jutta Müsse vergeblich warten. Zur Verlesung der Anklage, Diebstahl eines Rollators, kommt es nicht.

Häufig als Notfall im Krankenhaus

Wohl aber zu einer Einschätzung des Lebensumfeldes des 55-Jährigen Wittgensteiners durch den Bewährungshelfer. Er berichtet von der Alkoholsucht seines Schützlings, der sich aktuell „in einer schlechten, körperlichen Verfassung“ befinde. Das liege hauptsächlich daran, dass er „nicht von der Sauferei ab kann und will“. Immer wieder sei der seiner Heimat sehr verbundene Mann als Notfall ins Krankenhaus eingeliefert worden, doch habe er von sich aus wegen des Drucks durch den Alkohol-Entzug die Klinik immer wieder sehr schnell verlassen.

Jetzt lebe der 55-jährige in einem städtischen Schlichthaus in einer Berleburger Ortschaft. Dorthin musste er aus der Kernstadt umziehen. „Mir hat er damals gesagt, das ist mein Tod“, berichtet Reinhold Vater, und erwähnt auch ein „schlechtes Wohnumfeld“ in der neuen Bleibe, die keine Heizung habe. „Er gehört in eine betreute Wohnform, doch als alter Wittgensteiner will er nicht in solch eine Einrichtung“ – deshalb befürchtet Vater, dass sein Mandant „irgendwann auf der Strecke bleiben könnte und in seinem Zimmer aufgefunden wird“.

Schlechte Zuklunftsprognose

Die Prognose über den polizeibekannten Mann sieht nicht gut aus, obwohl er den Kontakt zum Bewährungshelfer aufrecht erhält. Vater: „Der Angeklagte kommt bei mir rein, so wie er meint. An Sprechstunden hält er sich nicht. Dann liefert er mir seine Post ab, die ich dann an den gesetzlichen Betreuer weiterleite.“

Nachdem Richter Hoffmann in Absprache mit der Oberamtsanwältin das Verfahren ausgesetzt hat und neu terminieren will, sind die Prozessbeteiligten schon aus dem Gerichtssaal gegangen. Sie sehen dann allerdings, wie der Angeklagte vor dem Gerichtsgebäude vom Beifahrersitz aus einem Auto krabbelt und mit Hilfe eines rustikalen Gehstocks die Stufen erklimmt.

Geldbuße für fehlenden Zeugen

Die Augenzeugen haben keinen Zweifel: Nüchtern ist der Mann keinesfalls. Bestätigt wird der Eindruck später, als der Pflichtverteidiger versucht, mit seinem Mandanten zu reden. Es ist sinnlos, die Hauptverhandlung doch noch durchzuführen. Außerdem fehlt der Zeuge, dem der Rollator am 11. Oktober vergangenen Jahres vor einem Friseursalon in der Ederstraße gestohlen worden war. Den Diebstahl soll der Beschuldigte bereits eingeräumt haben.

Richter Torsten Hoffmann verhängte gegen den fehlenden Zeugen ein Ordnungsgeld in Höhe von 150 Euro und ordnete die polizeiliche Vorführung für ihn und den Angeklagten beim nächsten Termin an.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben