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Rot für alle bei Saßmannshausen – wegen der Sicherheit

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Sassmannshausen.  Endlich verläuft die B 62 bei Saßmannshausen parallel zur Bahnlinie, ohne Schranken. Und doch bringt ein Bahnübergang den Verkehr ins Stocken.

Keine Bahnübergänge mehr, die Fahrbahn gut ausgebaut: Seit die Bundesstraße 62 zwischen Saßmannshausen und Bad Laaspher Kernstadt komplett parallel zur Bahn verläuft, kommen Auto- und Lkw-Fahrer hier wesentlich schneller durch. Und doch ist es ein Bahnübergang, der den Verkehr regelmäßig ins Stocken bringt – an der neu gestalteten Einmündung „Hopfengarten“.

Autofahrer sind genervt

Denn hier können die Ampeln auch für den Durchgangsverkehr auf der B 62 rot sein, während ein Zug auf dem Gleis über den Hopfengarten hinweg weit und breit nicht zu sehen ist – geschweige denn, dass die Schranken geschlossen sind. Gefühlte Wartezeit: mehrere Minuten – das nervt so manchen Autofahrer, hat laut Experten jedoch Sicherheitsgründe.

„Der Verkehr wird auf der Bundesstraße angehalten, damit der Verkehr aus der Nebenstraße ungehindert abfließen kann und nicht die Gleise blockiert“, erläutert Eberhard Zimmerschied vom Landesbetrieb Straßen, Niederlassung Südwestfalen in Netphen die Sicherheitsphilosophie bei der Bahn. Und für diesen Vorgang müsse die Schranke ja auch noch einige Zeit oben bleiben. Sofern abfließender Verkehr überhaupt vorhanden ist – denn der „Hopfengarten“ ist eine Sackgasse und führt im Wesentlichen zu zwei Saßmannshäuser Firmen: einem Reifen-Handel und einer Weberei. Gelegentlich sind hier Lieferanten, Kunden und Mitarbeiter unterwegs.

Kein Programmierfehler in der neuen Ampel

Ferner verhindere die Rot-Phase auf der B 62, so Zimmerschied weiter, dass kurz vor dem Schließen der Schranken noch jemand in den Hopfengarten abbiegt. Und wenn die Schranken unten seien, bekomme der Geradeaus-Verkehr ja auch wieder freie Fahrt, fügt Hans-Martin König hinzu, Leiter Infrastruktur Kurhessenbahn. Er kennt die Situation vor Ort. Ein Programmierfehler in der noch relativ neuen Ampel-Anlage, wie von Autofahrern vermutet, sei es also nicht.

Laut König wird der Geradeaus-Verkehr auf der B 62 mit Beginn der Gelb-Phase bis zum Ausschalten der Rot-Phase exakt 57 Sekunden lang angehalten. „Dies ist aus Sicherheitsgründen erforderlich, damit ein oder auch mehrere langsam fahrende Fahrzeuge aus dem Hopfengarten in Richtung Saßmannshausen den Bahnübergang sicher räumen können – und dann die Schranke Hopfengarten auch geschlossen ist, damit kein anderes Fahrzeug nachfahren kann.“

Bahn: Rot-Phase gar nicht so lang

Seien diese Bedingungen erfüllt, bekomme der Geradeaus-Verkehr auf der B 62 und der Rechtsabbieger in den Hopfengarten wieder freie Fahrt. Der Linksabbieger von der B 62 in Richtung Hopfengarten bleibt dagegen rot.

Dass die Ampel komplett auf Rot schaltet, ist keine Seltenheit: Laut Fahrplan 16 Mal am Tag rauscht hier die Bahnlinie RB 94 zwischen Bad Laasphe und Erndtebrück durch – im Zwei-Stunden-Takt, immer zwischen viertel nach und halb. „Das heißt, dass innerhalb von 24 Stunden der Verkehr auf der B 62 durch 16 Züge jeweils für eine knappe Minute angehalten wird“, fasst König zusammen.

Einwohner: Hoher Standard völlig gerechtfertigt

Ein Mitarbeiter des Reifen-Handels hält den hohen Sicherheitsstandard für den Verkehrsknoten für völlig gerechtfertigt. Und erinnert an jenen schweren Unfall im Juni 2013, als ein 40-Tonner-Lkw frontal mit einem Zug der Kurhessenbahn kollidiert – über 30 Menschen werden seinerzeit verletzt, der Lkw-Fahrer stirbt später. Damals verlief die Bundesstraße noch über zwei Bahnübergänge hinweg, die jeweils nur mit Andreaskreuz und rotem Blinklicht, aber noch nicht einmal mit Halbschranken gesichert waren – hier war es in den Jahren zuvor schon öfter zu Unfällen gekommen. Noch im Herbst 2013 begannen dann die Bauarbeiten für die Verlegung der B 62.

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