Wittis in der Welt

Sabrina Hackenbracht weiß, was Schotten lieben

Sabrina mit ihren Eltern Gerd und Ulrike in den Highlands.

Foto: privat

Sabrina mit ihren Eltern Gerd und Ulrike in den Highlands. Foto: privat

Dotzlar/Edinburgh.   Dudelsäcke, Kilts, Whisky und die Highlands – diese Dinge fallen den meisten wohl spontan zu Schottland ein, wenn von diesem Landesteil Großbritanniens die Rede ist. Auch an den Begriffen Castle und Loch kommt, wer die Insel besucht, nicht vorbei und erst recht nicht, wenn man – wie Sabrina Hackenbracht – dort wohnt. Die gebürtige Dotzlarerin hat es in die schottische Hauptstadt Edinburgh verschlagen.

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„Der Bachelor enthielt ein Semester, das wir im Ausland absolvieren mussten – ein Ticket in die weite Welt sozusagen“, berichtet die 26-Jährige, die vorher nicht viel über Edinburgh gehört hatte. Eigentlich war es mehr oder weniger Zufall, denn ihre Studienkollegin schlug vor, nach Schottland zu gehen. „Es ist nicht unbedingt ein Traumziel, weil das Wetter nicht immer mitspielt, allerdings ist die Szenerie wunderschön.“ Nicht nur die Stadt an sich sei einzigartig, sondern auch die Landschaft drum herum.

Arbeit im Marketing

Seit zwei Jahren ist Sabrina Hackenbracht in einer Agentur im Bereich digitales Marketing tätig, einem Betrieb mittlerer Größe. Sie arbeitet viel am Computer, aber auch der persönliche Kontakt mit den Kunden fehlt nicht. Reisen nach London, Birmingham, Leeds, aber auch Italien, frischen den Büroalltag auf. Ab Januar ist sie für ihre eigenen Kunden als Account Manager zuständig. Das bedeutet mehr Arbeit, aber auch Trips nach London, dem Sitz der Filiale, werden dann wohl etwas öfter im Terminkalender stehen.

Mit schottischem Akzent

„Inzwischen ist Englisch wie meine zweite Muttersprache. Mein Freundeskreis besteht zu 99 Prozent aus englischsprachigen Leuten. Im Studium hatte ich viele deutschsprachige Leute um mich herum, was für das Lernen nicht immer förderlich war. Seitdem ich arbeite, hat sich mein alltäglicher Gebrauch der Sprache aber noch einmal verbessert. Wer einen Auslandsaufenthalt plant, dem würde ich daher empfehlen, sich früh mit englischsprachigen Leuten zusammen zu tun, es bringt im Nachhinein einfach mehr.“

Nach drei Jahren weist ihr Englisch sogar einen schottischen-gälischen Akzent auf, und manchmal sei es schwer wieder ins Deutsche hineinzukommen. „Meine Eltern können das bestätigen.“ Apropos: „Wir simsen häufig und verabreden uns einmal pro Woche zum Skypen“ (Video-Telefonie per Internet). Einzige Schwierigkeit: In Großbritannien laufen die Uhren durch die Zeitverschiebung anders, sprich, man hat eine Stunde Unterschied.

„Da ich erst im Oktober über meinen Geburtstag zu Hause war, bleibe ich dieses Jahr über Weihnachten und Neujahr hier. Ich verbringe die Feiertage mit der Familie meines schottischen Freundes“, mit dem sie auch zusammen wohnt. Man lässt sich Roast beef und den typisch schottischen Pudding schmecken. Die Schotten feiern übrigens ihre Bescherung am 25. Dezember mit Santa (Claus).

Linksverkehr nicht gewöhnt

„Heiligabend ist für mich wie für alle hier ein ganz normaler Arbeitstag.“ Inzwischen hat sich die Wittgensteinerin gut auf der Insel eingewöhnt, denn: „Die Schotten sind herzlich, zuvorkommend und freundlich.“ Das merkt man unter anderem schon an der Bushaltestelle beim Einsteigen: „Es geht ganz geordnet der Reihe nach und man muss genau aufpassen, wer vor einem da war.“ Gewöhnungsbedürftig ist hingegen der Linksverkehr beim Auto fahren. „Ich fahre lieber, wenn mein Freund neben mir sitzt.“

Haggis und Whisky

Wichtiges Thema: „Essen und trinken“ gehen. Es gibt kaum etwas, das man in Edinburgh

lieber macht. Sicherlich ein Grund, weshalb die Stadt die höchste Anzahl an Restaurants im Verhältnis zur Einwohnerzahl in ganz Großbritannien hat. Interessant: Im Lokal bekommt der Gast einen Tisch zugewiesen, im Pub holt man sich seine Getränke selbst am Tresen und bezahlt sofort, sonst gibt es nichts. „Wir kochen normalerweise abends, gehen aber auch gerne mal Essen. Indisch und Asiatisch ist sehr beliebt.“

Was man unbedingt probieren sollte, rät Sabrina, ist Haggis, ein traditionelles Gericht, eine Mixtur aus Schafsinnereinen und Haferflocken. Reichlich gewürzt mit verschiedenen Kräutern, Salz und Pfeffer sei das Gemisch eigentlich sehr gut zu essen. Es wird traditionell im Schafsmagen gekocht und auch teilweise so serviert. Dazu gibt es Neeps (gelbe Rüben) & Tatties, umgangssprachlich Kartoffeln. Das schottische Nationalgetränk heißt – na klar, Whisky!

„Wir sind keine Engländer“

Schotten haben keinen Sinn für Fashion, sie kaufen im Geschäft, die übrigens generell auch sonntags geöffnet sind, was gefällt. Ob es die richtige Größe ist, sei egal. Oder sie laufen bei 5 Grad noch in Flip-Flops rum und „härten sich ab“. Grundsätzlich wichtig sei ihnen aber: „Wir sind keine Engländer und wollen auch keine sein.“ 2014 können die Bürger übrigens wählen, ob Schottland unabhängig werden soll.

Trotz allem: „Schottland war kein Kulturschock für mich“, lacht die 26-Jährige, die das Heimweh „Sagen wir mal, bis jetzt noch nicht überkommen hat.“ Sie vermisst allerdings die alltäglichen Dinge wie frisch belegte Brötchen vom Bäcker oder Teilchen und Blechkuchen. Die Schotten seien in der Richtung nicht so begabt. Brot ist Toastbrot, dann gibt es noch Bagels und auf dem Markt findet sich auch mal Roggenbrot.

Die Dotzlarerin hat schon viel von Schottland gesehen, auch landschaftlich. Sie hat zahlreiche Ausflüge gemacht, unter anderem mit ihren Eltern, Gerd und Ulrike Hackenbracht, die schon öfter zu Besuch waren, zum Beispiel eine Busfahrt Richtung Norden in die Highlands, Richtung Inverness zum Loch Ness. „Da ist kilometerweit nichts. In den drei Stunden Fahrt haben wir mal ein kleines Dörfchen gesehen, viele einzelne Häuser in einer sagenhaften Landschaft, die man sonst aus Filmen kennt – aber kein Seeungeheuer.“

Nicht nur von den zahlreichen Festivals bekannt ist der Schottenrock, der so genannte Kilt. Man(n) trägt ihn traditionell, unter anderem bei Hochzeiten, zum Fußball und bei Auslandsaufenthalten. Solch ein besonderes Kleidungsstück kostet ab 300 britischen Pfund aufwärts (ca. 350 Euro) und wird aus mindestens acht Metern kariertem Stoff maßgeschneidert – je mehr Bauchumfang, desto mehr Stoff. Und für alle, die es wissen wollen, hier die Antwort von Sabrinas schottischem Freund :„Ein echter Schotte trägt nichts unterm Kilt!“

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