Dorffest

Schameder ist eine Schatzkiste für Erndtebrück

Der gemischte Chor Liederkranz gehört zu den ältesten Vereinen in Schameder. Während des Festkommers am Samstagabend gaben sie zwei Lieder aus ihrem Repertoire zum besten.

Der gemischte Chor Liederkranz gehört zu den ältesten Vereinen in Schameder. Während des Festkommers am Samstagabend gaben sie zwei Lieder aus ihrem Repertoire zum besten.

Foto: Carolin Battenfeld

Erndtebrück.  Die gesamte Dorfgemeinschaft feiert mit großer Heimatliebe die 700-jährige Geschichte ihrer Ortschaft

„Mer bleiwe wie mer sei!“ – unter diesem Leitspruch feiern die Einwohner Schameders die Ersterwähnung ihres Dorfes vor 700 Jahren.

Zum Festkommers am Samstagabend in der Schützenhalle Erndtebrück fiel Carsten Dreisbach, 1. Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins, dann nur eins ein: „Das ist der Wahnsinn; das ganze Jahr hat schon super angefangen, aber ich glaube heut Abend geht die Population in Schameder gegen Null.“ In der Halle im Weihergründchen war schon eine halbe Stunde vor der offiziellen Begrüßung der letzte Stuhl besetzt.

Moderiert wurde der Abend von Carsten Dreisbach und Kerstin Grünert, Pfarrerin aus Erndtebrück. „Wir machen eine Zeitreise durch die letzten 700 Jahre, von der ersten urkundlichen Erwähnung bis heute“, erklärt Dreisbach und setzt hinzu: „man darf gespannt sein.“

Und gespannt ist die ganze Halle, als „Casi“ alleine auf die Bühne tritt und verkündet: „Kerstin ist zu spät, da wollen wir doch direkt mal anrufen.“ Was folgt ist eine Videosequenz, die Kerstin Grünert dabei beobachtet, wie sie im Schnelldurchgang ihre Sachen packt und sich, begleitet durch die Kamera, auf den Weg zur Schützenhalle macht. „Ich bin ein bisschen außer Atem, das Rennen auf hohen Schuhen üben wir noch“, verkündet sie augenzwinkernd, während sie den Produzenten des Videos dankt, „ohne Florian Stöcker, Stefan Völkel und dem Schlepper, also Jörg Stöcker, könnten wir heute Abend nicht auf so eine großartige Zusammenfassung zurückblicken.“

Detaillierter Zeitstrahl begeistert

Nach der offiziellen Begrüßung, jetzt durch beide Moderatoren, folgt ein Interview mit dem Schirmherr des Jubiläumsjahres, dem Bau-Unternehmer Bernd Berge. „Ich bin vier Jahre in Schameder zur Schule gegangen, und diese Jahre haben mich mit dem Dorf verbunden“, sagt Berge. Das sei zwar nicht ganz 700 Jahre her, wirft Grünert ein, aber gut gehalten habe sich Berge trotzdem; der kann bei dieser Feststellung nur lachen.
„Ich möchte mich bei allen Schamederschen bedanken“, sagt der Mitgesellschafter von Berge-Bau. „Ich wünsche Schameder weiterhin unfallfreie Veranstaltungen, nachhaltig begeisterte Bürger und dass sich der Fleiß aller Beteiligten auszahlt.“

Nach dieser Einleitung begann die Zeitreise, beginnend im Jahr 1319. „Ich sehe jetzt keine Zeitmaschine auf der Bühne, Casi“, spricht Kerstin Grünert das aus, was alle denken. „Kannst du auch nicht“, erwidert Dreisbach, „es sollen ja alle was davon haben, deswegen jetzt der Rückblick in digitaler Form.“

Gezeigt wird ein aufwendig gestalteter Zeitstrahl, der nicht nur die vergangenen Jahre chronologisch darstellt, sondern auch nach Kategorien geordnet ist. In Schameder sind viele Vereine ansässig „und alle finden sie heute Abend einen Platz.“ Kurz vor dem ersten Meilenstein des Dorfes, im Jahr 1864, wird die Darstellung jedoch unterbrochen und hinterlässt fragende Gesichter im ganzen Saal. „Was war denn jetzt im Jahr 1864?“, fragt Grünert. „Vielleicht wissen die Kinder aus Schameder ja Bescheid?“ Die Kinder aus Schameder, ein Stichwort das im Laufe des Abends noch oft fallen wird. Angelehnt an die beliebte Unterhaltungssendung „Dingsda“, bei der Ratebegriffe von Kindern umschrieben werden, wurden auch die jüngsten Bewohner Schameders in den Zeitstrahl einbezogen.

Vor jedem Meilenstein, der die Gründung eines Vereins oder einer Genossenschaft markiert, werden nun die Kinder zu Rate gezogen. Schon im Vorhinein wurden die Umschreibungen der jüngsten Schamederschen als aufgenommen und in die Präsentation integriert. Diese bringen die Besucher mit den teils spitzfindigen oder unbeholfenen Anmerkungen mehr als einmal zum Lachen.

Erster Teil: Waldgenossenschaft

Der erste Meilenstein war die Gründung der Waldgenossenschaft, gefolgt von der des im Jahr 1903 gegründeten Chores „Liederkranz“. Statt langer Reden gaben die Sängerinnen und Sänger zwei Lieder aus ihrem Repertoire zum Besten, konnten einem kurzen Interview mit Kerstin Grünert doch nicht ausweichen. „Was war der schönste Moment mit dem Chor zusammen?“, beginnt diese den Fragenhagel. Der schönste Moment sei definitiv der erste Meisterchortitel gewesen, ist man sich schnell sicher, ansonsten schätze man die Gemeinsamkeit und das freundschaftliche Verhältnis im Chor.

Nach dem Gemischten Chor Liederkranz folgte 1926 der Bau des Flugplatzes und anschließend die Gründung des Flugsportvereins in Schameder. Jan Schweitzer, Vorsitzender des Flugsportvereins, bedankt sich bei der Dorfgemeinschaft: „Es ist schön zu hören, dass ihr uns gerne da habt, und wir sind sehr froh, bei euch zu sein.“ Schweitzer wünscht dem Dorf weiterhin ein erfolgreiches Jahr, kann jedoch eine kurze Aufforderung nicht umgehen: „neue Mitglieder sind bei uns immer willkommen.“

1939 erfolgte die Gründung des Löschzuges Schameder, gefolgt von der Etablierung einer Fußballabteilung im Jahr 1956. „Aber 1956 passierte noch mehr in Schameder“, weiß Dreisbach, und nach den ersten Sekunden einer Episode „Dingsda“ war den Besuchern klar, worum es geht. „Die schießen einen Vogel von der Stange, marschieren und feiern“, fassen die Kinder zusammen. 1956 wurde der Schützenverein Leimstruth gegründet. Dessen Vorsitzender Heinz Born richtet ebenfalls ein paar Worte an die Besucher im Saal: „Wir sind quasi so ein bisschen die Kolonie von Schameder, aber unser erster Schützenkönig kam direkt aus Schameder.“

Mit der Eingemeindung 1975 wurde Schameder „Erndtebrück zugeteilt; für manche ein düsterer Tag“, lacht Dreisbach, „andere sagen: Zum Glück gibt’s Erndtebrück.“

Erndtebrücks Bürgermeister Henning Gronau hat dazu eine klare Haltung: „Schameder ist eine Schatzkiste, begründet durch erfolgreiche Unternehmen, nette Menschen und tolle Vereine.“

Auch Tom Afflerbach, 2. Vorsitzender der Dorfjugend Schameder, schließt sich den lobenden Worten an: „Jede ausgerichtete Veranstaltung zeigt: wir haben jede Menge gute Leute in unseren Reihen.“ Kerstin Grünert fasst die Arbeit der Dorfjugend zusammen: „Die Dorfjugend ist der einzige Verein, in dem man nichts können muss“, und erntet schallendes Gelächter.

Wittgensteiner packen tatkräftig an

Aber was macht den Schamederschen so besonders? Landrat Thomas Müller hat eine klare Meinung: „Normalerweise predige ich ja immer vom Zusammenhalt, aber der Siegerländer an sich „zerdenkt“ erstmal alles. Der Wittgensteiner ist gastfreundlich, zupackend und es gibt immer was zu essen.“ Auch die beiden CDU-Politiker Anke Fuchs-Dreisbach und Volkmar Klein geben den Einwohnern Schameders beste Wünsche mit auf den Weg: „Man muss einfach zufrieden sein mit dem, was man hat“, so Fuchs-Dreisbach. „Die Welt dreht sich immer schneller, da ist es gut zu wissen, wo sein Zuhause ist“, meint Volkmar Klein. Zuhause, das sei für viele Schamederaner ein fester Platz „und vor allem ein Ort, an den Sie immer zurückkehren können“.

Den Abschluss des offiziellen Programms bildete der viel beklatschte Auftritt eines Männerballetts. Der dann folgende gemütliche Teil ging für den ein oder anderen bis in die frühen Morgenstunden...

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