Corona

Schutzmasken: „Versteh-Qualität für Hörgeschädigte sinkt“

Sie dienen zum Schutz vor Corona, stellen aber für Hörgeschädigte ein Problem dar. Symbolbild.

Sie dienen zum Schutz vor Corona, stellen aber für Hörgeschädigte ein Problem dar. Symbolbild.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Bad Berleburg.  Die Masken schützen vor dem Corona-Virus – allerdings stellen sie für Hörgeschädigte ein großes Problem dar.

Per Wiebelhaus (53) ist Meister der Hörgeräteakustik. Seit 17 Jahren versorgt er seine Kunden im gleichnamigen Laden in Bad Berleburg „mit bestem Wissen und Gewissen“ mit Hörsystemen verschiedener Art. Gerade jetzt, wo alle Menschen einen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen, eröffnen sich für Menschen mit einer Hörschädigung ganz neue Probleme. Im Interview spricht er über die Herausforderungen, die die Corona-Pandemie mit sich bringt.

Herr Wiebelhaus, inwiefern beeinträchtigen die in der Corona-Pandemie notwendigen Masken das Sprachverstehen der Menschen und wo liegen die Ursachen?

Per Wiebelhaus: Die Hauptursache liegt vor allem in der Filterung der hohen Töne durch den Stoff vor dem Mund, ohne den man natürlich besser zu verstehen ist. Die Frequenzen im Hochtonbereich brauchen wir, um die Konsonanten besser verstehen zu können, das sind in diesem Fall die Zischlaute, ein ‘s’ ein ‘f’, ein ‘p’ oder ‘t’. Wörter wie ‘Pest’, ‘fest’, ‘Sand’, ‘Hand’ klingen hinter der Maske alle wie Brei. Der zweite Aspekt umfasst die Mimik und Gestik des Gesichts, die wir wegen der Maske des Gegenübers nicht mehr erkennen können und somit die Verstehqualität sinkt.

Wer ist von diesem Problem besonders betroffen?

Grundsätzlich jeder, aber im besonderen die, die ein Hörproblem haben.

Gibt es prägnante Unterschiede hinsichtlich des Verstehens zwischen den Maskenarten?

Ja, gibt es definitiv. Je dichter die Maske am Mund anliegt, desto mehr schluckt sie.

Jetzt ist Maske abnehmen derzeit keine Option, doch was können Hörgeschädigte tun?

Nein, besonders in geschlossenen Räumen sind die Masken aus bekannten Gründen notwendig. Grundsätzlich können Menschen darauf achten, dass sie ihre Unterhaltungen in einem Umfeld führen, in dem möglichst wenig Störlärm ist. Darüber hinaus hat die Industrie unlängst eine spezielle Funktion für ein Hörgerät entwickelt, die die Verstärkung bei diesen hellen bzw. hohen Tönen noch mal erhöht und die Mikrofone mehr auf Richtwirkung eingestellt. Das heißt, dass sie sich entweder auf die umliegenden Geräusche oder speziell auf den Gegenüber fokussieren lassen. Gesteuert werden diese Optimierungen am Hörgerät über eine mit Bluetooth verbundene App, die bei Bedarf dann in den „Maskenmodus“ umschaltet.

Wie lautet das bisherige Feedback Ihrer Kunden?

Wir bekommen immer viel von der Industrie, aber nicht immer ist das sinnvoll bzw. wirksam. Doch diesmal haben zwei Kunden diesen „Maskenmodus“ ausprobiert und waren sehr begeistert über die bessere Hörqualität.

Mit Per Wiebelhaus sprach Mark Simon Wolf

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