Technik hilft

Senioren schützen sich gegen Stürze

„SensFloor“ ist das Zauberwort beim Fußboden für den Mehrzweckraum im erweiterten Elsoffer Gemeindehaus. Mit Hilfe neuartiger Sensortechnik darin können Senioren üben, sich gegen Stürze zu schützen.

„SensFloor“ ist das Zauberwort beim Fußboden für den Mehrzweckraum im erweiterten Elsoffer Gemeindehaus. Mit Hilfe neuartiger Sensortechnik darin können Senioren üben, sich gegen Stürze zu schützen.

Foto: Eberhard Demtröder

Elsoff.  Ein neuartiger Sensor-Boden im Gemeindehaus Elsoff macht’s möglich: Kurse, in denen die Teilnehmer üben, Stürze zu vermeiden.

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Wenn der Fußboden im neuen Mehrzweckraum des Elsoffer Gemeindehauses fertig ist, wird man es ihm nicht ansehen, aber: Es wird modernste Technik in ihm stecken, die helfen soll, das Leben von Senioren zu verbessern. Im kommenden Februar wird in diesem Raum ein erster spezieller Kurs beginnen, in dem die Teilnehmer lernen: So schütze ich mich vor schlimmen Stürzen. „SensFloor“ heißt dabei das Zauberwort.

„Eine zehnköpfige Gruppe wird dann als Versuchskaninchen dienen“, schmunzelt Udo Weber. Er ist Architekt und Bauleiter für die Erweiterung des evangelischen Gemeindehauses in Elsoff, die schon weit fortgeschritten ist. Mehr noch: „Wir wollen die Kurse über unsere Lukas-Kirchengemeinde für Senioren aus ganz Wittgenstein anbieten“, kündigt Weber an. Dazu sollen zertifizierte Übungsleiter aus Sportvereinen gewonnen werden, die zuvor eine zusätzliche Schulung in Sachen Sturzprävention gemacht haben, so Weber, etwa beim Deutschen Turner-Bund.

Gang-Analyse wird weiterentwickelt

Und was bedeutet nun „SensFloor“? Hinter dem Begriff steckt ein Sensor-Boden, der unter allen gängigen Fußboden-Belägen verlegt werden kann. Letzterer verwandelt sich damit in ein Art großes Touchpad, das den Ort, die Anzahl und die Bewegung von Personen erkennt, die auf ihm unterwegs sind. Im Elsoffer Gemeindehaus soll ein sogenannter „Catwalk“ – ein Meter breit und sechs Meter lang – zur Gang-Analyse dienen. Damit können deutliche Unterschiede im Gang von gesunden und beeinträchtigten Personen erkannt werden, erläutert Christl Lauterbach. Sie ist Geschäftsführerin der Firma „Future Shape“ in Höhenkirchen bei München, die sich auf die Herstellung von Sensor-Systemen spezialisiert hat.

Ziel ist es, die Sturzgefährdung von Personen zu erkennen – und mit Übungen gezielt gegenzusteuern. Kombiniert mit einem Spiel auf dem großen Computer-Bildschirm soll das Ganze den Teilnehmern auch noch Spaß machen.

Forschungsprojekt im Hintergrund

Wie misst der Sensor nun eigentlich, was auf dem Fußboden passiert? „Mit der Messung geht man eigentlich auf die Flüssigkeit im Körper ein“, erklärt Lauterbach. „Sie ist leitfähig und ändert das elektrische Feld. Läuft eine Person über den Boden, passiert nichts. Stürzt eine Person, liegt der Körper auf mehreren Sensorfeldern. Der Wassergehalt im Körper wird erkannt – und ein Sturzalarm ausgelöst.“ Somit eignet sich das System bestens etwa im Bereich der Altenpflege. Und Raoul Hoffmann, Doktorand und Software-Entwickler bei „Future Shape“, arbeitet derzeit an der Optimierung der Gang-Analyse. Er freut sich schon über neue Daten, die bald auch aus dem Elsoffer Gemeindehaus kommen.

Der intelligente Boden ist übrigens Teil des Forschungsprojekts „Cognitive Village – Vernetztes Dorf“ der Uni Siegen. Prof. Dr. Marcin Grzegorzek und sein Team am Forschungskolleg „Zukunft menschlich gestalten“ forschen daran, die bereits vorhandene Technik des „SensFloors“ auszubauen und mit anderen Systemen zu vernetzen.

Von der Technik begeistert

Von der Technik total begeistert ist auch Rainer Pöppel, Geschäftsführer des Berleburger Schaumstoffwerks (BSW). Sein Unternehmen liefert in Elsoff den Rigupol-Sportboden, in den die Sensor-Elemente quasi eingepackt werden. Und Pöppel träumt schon von weiteren spannenden Anwendungen. Nicht nur für Seniorenheime sei der „SensFloor“ geeignet, findet er, sondern auch für Sportschulen: „Da verfolgt der Trainer, wie der Sportler sich bewegt“, so Pöppel – und man könne das Training optimieren. Für den BSW-Geschäftsführer ist Elsoff ein Referenz-Projekt, an dem sein Unternehmen lernen wolle, betont Pöppel. Deshalb werde man das eigene Boden-Material hier auch gratis verlegen: „Eine Rechnung gibt’s dafür nicht.“

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