Betrug

Siegerländerin bezahlte Hotelrechnung von 3100 Euro nicht

Richter Torsten Hoffmann verurteilte die Angeklagte zu einer Geldstrafe in Höhe von 3200 Euro.

Foto: Peter Steffen/dpa

Richter Torsten Hoffmann verurteilte die Angeklagte zu einer Geldstrafe in Höhe von 3200 Euro. Foto: Peter Steffen/dpa

Wittgenstein.   Die 56-Jährige nutzte eine Woche den Luxus des Hotels. Das Amtsgericht Bad Berleburg verurteilt sie wegen Betrugs und Hausfriedensbruchs.

Ein Einsatz dieser Art und vor allem in solcher Länge hat die Polizei selten. „Bei einer Schützenfest-Schlägerei geht das für uns schneller“, zog der 23-jährige Polizist diesen Vergleich im Strafverfahren gegen eine 56-jährige Siegerländerin. Mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann hatte sie sich Mitte Dezember vergangenen Jahres in einem Hotel im Großraum Bad Laasphe eingemietet, dort offenbar eine gute Woche lang üppig gelebt, doch dafür bis heute keinen einzigen Cent bezahlt. Offen geblieben ist eine Gesamtrechnung von über 3109 Euro.

Herausgekommen ist eine Anklage wegen gemeinschaftlichen Betruges und Hausfriedensbruchs. Letzteren Vorwurf hat sich die Dame eingehandelt, weil sie der Aufforderung des Hausherren, das Hotel zu verlassen, nicht nachgekommen war.

Paar hatte hohe Ansprüche

Der Hotelier hatte nach eigenen Angaben den Eindruck gewonnen, dass er Gäste „mit einem hohen Lebensstil“ im Haus hatte: „Sie war besonders anspruchsvoll“. Das Paar bewohnte nicht nur ein großzügiges Appartement inklusive Frühstück und Nutzung des Spa- und Wellnesscenters, es speist dort auch, bediente sich am Kuchen- und Gebäck-Buffet. Manchmal holte die Frau auch das Essen für ihren erkrankten, bettlägerigen Mann aufs Zimmer.

Nach einer Woche Aufenthalt legte der Hotelier dem Paar eine Zwischenrechnung an den Frühstückstisch. „Ich habe darauf bestanden, die Rechnungen zu prüfen, um sich individuell zu einigen“, erklärte die Angeklagte am Dienstag vor Gericht. Die ausgewiesene Summe sei ihr viel zu hoch vorgekommen. Ein klärendes Gespräch hat nicht stattgefunden. Vielmehr erinnerte der Hotel-Besitzer seine Gäste erneut an die Rechnung, schlug eine Abschlagssumme vor. Aber „ich wurde nur angepflaumt. Die hat mich regelrecht rasiert, und ich war nicht mehr Herr im eigenen Haus.“ Er wandte er sich an einen Freund, einen pensionierten Polizeibeamten, der gleich riet, seine Kollegen zu rufen.

Mit Rettungswagen abgeholt

Gesagt, getan. Offenbar mit großer Geduld haben sich die Beamten bemüht, die Streitigkeiten zu schlichten; aber der Erfolg ließ geschlagene zweieinhalb Stunden auf sich warten. Ein Polizist erinnerte sich im Zeugenstand an „eine Verzögerungstaktik, weil die Frau die Taschen mehrmals ein- und wieder auspackte. Wir stießen auf Uneinsichtigkeit und Ignoranz.“ Letztlich kam es dann doch zur Räumung, wobei der kranke Ehemann durch Sanitäter eines Rettungstransportwagens abgeholt wurde.

Die Vorwürfe der Anklage sah Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel auch nach der Beweisaufnahme bestätigt und bemängelte „fehlende Reue und eine Schadenswiedergutmachung.“ Hippenstiel plädierte auf eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 40 Euro. Dem schloss sich in seinem Urteil Richter Torsten Hoffmann an.

Die Art und Weise, wie der Hotelbesitzer hintergangen worden sei, rechtfertige diese Strafe. Das Urteil beinhaltet auch, dass der entstandene Schaden von 3109 Euro (inklusive aufwändiger Reinigung des Appartements) eingezogen wird. „Achten Sie darauf, dass das auch klappt“, riet Richter Torsten Hoffmann, „sonst droht die Zwangsvollstreckung.“

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