Rudelsingen

Singen ist ansteckend

„Ich habe noch nie erlebt, dass der Funke nicht auf das Publikum übergesprungen ist. Das Singen verbindet einfach und ist ansteckend“, erläutert Jörg Siewert.

„Ich habe noch nie erlebt, dass der Funke nicht auf das Publikum übergesprungen ist. Das Singen verbindet einfach und ist ansteckend“, erläutert Jörg Siewert.

Foto: Hans Peter Kehrle

Bad Berleburg.   „Ich habe noch nie erlebt, dass der Funke nicht übergesprungen ist. Singen verbindet einfach und ist ansteckend“, sagt Jörg Siewert.

Für Sänger Jörg Siewert gelten an diesem Abend im Bad Berleburger Bürgerhaus nur zwei Regeln, wie er vor rund 150 Sängerinnen und Sängern verkündet. Die erste besagt: Keine darf reden, sondern alle konzentrieren sich geschlossen auf das Singen. Als zweite Vorschrift gilt, dass bei jedem Rudelsingen in Deutschland, jeweils ein Lied von den Beatles oder von Abba im Programm stehen muss. „Die gehen immer“, rechtfertigt Siewert das Vortragen der Kultbands – das Publikum hat es verstanden und singt sowohl bei „Let it be“ als auch bei „Dancing Queen“ aus voller Kehle mit.

Brauns Idee ist doch kein Wagnis

Das 1. Rudelsingen in Bad Berleburg, das der Männergesangsverein Erholung-Germania 1842 zum 175-Jährigen Jubiläum initiiert hatte, bot am Samstagabend ein originelles Programm und Konzept. „Als ich das Plakat gesehen habe, war ich begeistert, dass es so eine lockere Veranstaltung mal in Bad Berleburg gibt“, erklärt die Hobbysängerin Kerstin, die zusammen mit Freundin Claudia bei jedem Lied schunkelt und leidenschaftlich mitsingt. Der Vorsitzende des MGV, Werner Braun, hatte sich solche Reaktionen erhofft, auch wenn es dauerte, ehe die Stimmung auf das gesamte Publikum überschwappte.

Liedtext wird an Leinwand projiziert

Das Konzept hinter dem Rudelsingen, das Braun erstmals in Potsdam erlebt hat, ist mit Karaoke vergleichbar: Der Siegener Jörg Siewert spielte an der Gitarre zusammen mit dem Pianisten Ulrich van der Schoor in drei Blocks jeweils acht bekannte Lieder aus Rock und Pop vor, während im Hintergrund der jeweilige Text auf eine Leinwand projiziert wird. So tönten an diesem Abend im Bürgerhaus „Männer sind Schweine“ (Die Ärzte) oder Udo Jürgens „Ich war noch niemals in New York“ durch den Saal, so dass jede Generation, ob sitzend oder stehend, mitsingen konnte. Interessant wurde die Veranstaltung immer dann, wenn der eloquente Siewert den musikalischen Generationskonflikt lösen wollte. Vor Mark Forsters „Sowieso“ durchlief er mit dem Publikum einen Crashkurs im „Rappen“ – mit praktischem Erfolg, ob alt oder jung, alle versuchten mitzukommen. Erfahrungen, die Siewert häufiger macht: „Ich habe noch nie erlebt, dass der Funke nicht auf das Publikum übergesprungen ist. Das Singen verbindet einfach und ist ansteckend“, erläutert der 51-Jährige, der das Rudelsingen in Südwestfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz veranstaltet und hauptberuflich als akademischer Oberrat an der Uni Siegen in der Fachrichtung Bildungswissenschaften lehrt. Auch dem jüngsten Gast, Mirco Leopold, der zusammen mit Mutter Tanja da ist, gefällt es: „Ich singe gerne, hoffentlich kommt Andreas Gabalier oder kölsche Lieder.“ Letztlich kommt zwar nur „Probiers mal mit Gemütlichkeit“, laut Siewert extra für „den jüngsten Gast“, doch nicht nur Mirco, sondern auch die sonstigen Gäste schunkel und singen mit. Die Bad Berleburger haben die erste Regel perfekt verstanden.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben