Historische Ausstellung

So sah es in den Gaststätten im 17. und 18. Jahrhundert aus

Reinhard Schmidt präsentiert die Ausstellung „Die Wirtsstube im 17. und 18. Jahrhundert“.  

Reinhard Schmidt präsentiert die Ausstellung „Die Wirtsstube im 17. und 18. Jahrhundert“.  

Foto: Wolfgang Thiel

Bad Laasphe.  Die Ausstellung in Bad Laasphe zeigt, wie vielfältig das Leben in den heutigen Kneipen war. Mit teils sehr strengen Hausordnungen.

Bis weit in die Antike reicht die Geschichte der Wirtsstuben zurück. Die Entwicklung der geschäftsmäßigen Gastlichkeit hat ihren Ursprung in der beginnenden Reisetätigkeit der Menschen. Aus primitiven Wirtsstuben, in denen Speise, Trank und Unterkunft auf niedrigstem Niveau angeboten wurden, entwickelte sich über die Jahrhunderte eine Vielfalt an Gastronomie-Betrieben, die keine Wünsche offenlässt.

Mit „Die Wirtsstube im 17. und 18. Jahrhundert“ ist eine Ausstellung überschrieben, zu der Reinhard Schmidt, Lehrer für Evangelische Religion und Geschichte, in die Bad Laaspher Bahnhofstraße eingeladen hatte. Neben Utensilien jener Zeit wie Zapfhahn, Holzlöffel, Fuhrmannsbesteck und Geldkisten beeindrucken besonders Malereien niederländischer und flämischer Künstler wie die für die Nachwelt festgehaltene Szene eines Würfelspiels und das Motiv eines Säufers. Fehlen dürfen auch nicht Kochtöpfe und Musikinstrumente wie Laute. Erinnert wird auch an Zahnärzte und Barbiere, die ihre Tätigkeit nicht selten in Gasthäusern versahen.

Wichtigstes Regelwerk jener Zeit waren die Wirtshausordnungen. Fast in ganz Europa galt der Paragraf, nach dem der Wirt jeden Gast, ob Edel- oder Bettelmann, seinem Stand gemäß und gegen entsprechende Bezahlung, bewirten und beherbergen musste. Bei Personen mit ansteckenden Krankheiten musste dieser Paragraf, der bis ins 18. Jahrhundert Bestand hatte, allerdings nicht befolgt werden. In der auch für Wittgenstein gültigen Landesordnung hieß es im ersten Absatz: „Es wird hierdurch ernstlich empfohlen, daß in allen Schenken und Gasthöfen des hiesigen Landes länger, als bis 10 Uhr Abends, keine Zechgäste geduldet werden sollen. Wir haben um auf die genaue Beobachtung zu halten, den Befehl ergehen lassen, dass diejenigen, so nach 10 Uhr des Abends in solchen Schenkstätten, über Trinken und Spielen, angetroffen werden, in Arrest genommen und auf die Hauptwache gebracht, der Wirth aber, der sich unterfangen wird, entweder einen Zechgast bey Eintritt der Patrouille, zu verheimlichen, oder nach Abgang derselben, dennoch dergleichen wieder aufzunehmen, mit 14 Tag und Nacht Gefängnis, oder um 10 Ml. bestrafet werden soll.“

Wirtsstuben jener Tage, so macht die Ausstellung deutlich, waren mehr als heute fester Bestandteil des öffentlichen Lebens. Hier begegneten sich Charaktere verschiedenster Art in unterschiedlichen Situationen, endete nicht selten manch hitzige Diskussion in einer wilden Rauferei. Doch es flogen nicht nur die Fäuste, vielmehr wurden dort auch Ehen beschlossen oder sich anbahnende Geschäftsbeziehungen vertieft. Ab dem Ende des 18. Jahrhunderts entstand allmählich der Wirtshaustyp, wie wir ihn heute kennen. Die wohnliche Einrichtung nach dem individuellen Geschmack der Besitzer und seine regionalen Küchen- und Getränkespezialitäten wurden zu wichtigen Unterscheidungsmerkmalen für die Gäste. Parallel zu dieser „gutbürgerlichen“ Gaststube – ein Attribut, das auch heute noch gebräuchlich ist – etablierten sich vor allem im dichten Gassengewirr der Großstädte düstere Spelunken, in denen sich halbseidenes Gesindel auf armes Proletariervolk traf.

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