Urlaub

So viel Spaß haben Kinder in ihren Ferien auf dem Bauernhof

Catalina, Jodi – mit Zwerghuhn Stella – und Lena (von links) halten sich am liebsten in der Strohecke mit den Hühnern auf.

Catalina, Jodi – mit Zwerghuhn Stella – und Lena (von links) halten sich am liebsten in der Strohecke mit den Hühnern auf.

Foto: Britta Prasse

Wingeshausen.  Zum ersten Mal gibt’s ein Bauernhof-Camp auf dem Naturhof Born in Wingeshausen. Dabei lernen die Kinder den respektvollen Umgang mit der Natur.

Joli fährt mit der Hand über das weiche Gefieder. „Guck mal!“, fordert Joli die Reporterin auf und streichelt mit ihrer Nase über das kleine Köpfchen von Marshmallow. Das Zwerghuhn ist nicht nur erstaunlich zutraulich, sondern scheint die Schmuseeinheit wirklich zu genießen. „Wenn Hühner keine Lust mehr auf etwas haben, dann gehen sie auch einfach weg“, sagt Heike Born. Aufgescheuchte Hühner, die hacken und picken gibt es hier nicht. Denn auch darum soll es bei dem Bauernhof-Camp gehen: Die von Film und Fernsehen übermittelten Klischees zu hinterfragen und sich stattdessen ein eigenes Bild von der Natur zu machen, indem die Kinder sie mit möglichst allen Sinnen erfahren.

Das Angebot

Die ausgebildete Bauernhofpädagogin Heike Born veranstaltet mit ihrem Team regelmäßig Events auf ihrem Naturhof in Wingeshausen. Jetzt in den Sommerferien bietet sie allerdings zum ersten Mal ein viertägiges Bauernhof-Camp an – inklusive Kochen mit hofeigenen Produkten, Schnitzeljagd und Übernachten im Stroh. 17 Kinder im Alter von sechs bis elf Jahren wuseln gerade zwischen Pferdekoppel, Hühnerstall und Schweinestall herum. Und dabei gibt es so viel zu entdecken.

Das Erlebnis

Die Ferkel zum Beispiel. „Die sind so laut!“, meint Catalina und hält sich demonstrativ die Ohren zu. Klar, sie haben gelernt, dass wenn sich jemand ihrem Gatter nähert, es Futter gibt. Umso enttäuschender für sie, dass ihre Besucher nur mal eben vorbeischauen wollen. „Lass uns mal schauen, ob die Hühner Eier gelegt haben“, schlägt Lena vor, die mit Zwerghuhn Stella auf dem Arm vorausgeht. In dem mit Stroh ausgelegten Hühnerstall kann sie jedoch kein Ei finden. Nicht so schlimm. Dafür hatte sie am Vormittag eines in der Schlafhalle gefunden, in die ein Huhn hineinspaziert war. Zwischen den Isomatten und Schlafsäcken hatte das Huhn einen gemütlichen Strohplatz gefunden und spontan ein Ei gelegt. „Ja, das war witzig!“, findet auch Jodi. Auch das gehört zu der Naturerfahrung auf dem Hof.

Das Ziel

„Uns ist es wichtig, dass wir den Kindern hier einen respektvollen Umgang mit Mensch, Tier und Natur vermitteln“, so Heike Born. Und dazu gehöre auch den Zusammenhang zwischen Landwirtschaft und Lebensmitteln praktisch herzustellen. In den vier Tagen werde zum Beispiel überwiegend mit den Produkten gekocht, die die Familie Born auf ihrem Hof selbst herstellt. Bratwurst von den Bentheimer Schweinen oder selbst gemachte Nudeln aus den Eiern ihrer Hühner. Gleichzeitig soll es aber nicht nur um landwirtschaftliche Nutztiere gehen. Das Camp steht nämlich unter dem Motto „Auf den Spuren der Wisente“. „Ich finde es toll, wenn die Kinder aus der Region auch den Bezug zu den Wisenten finden“, meint Born. Deswegen wandert die Gruppe an einem Tag zum Beispiel auch über den Wisent-Pfad. Überhaupt seien die Kinder so gut wie durchgängig vier Tage lang an der frischen Luft.

Die Einbindung

Anders als auf Klassenfahrten oder Kirchenfreizeiten dürfen auf dem Bauernhof-Camp auch mal die Eltern vorbeischauen. Falls die Sehnsucht zu groß werden sollte. Das gebe sowohl den Kindern als auch den Eltern ein sicheres Gefühl. Außerdem seien die Kinder sehr stolz darauf, wenn sie Mama und Papa erzählen können, was sie so alles erleben. Wie Yannick, zum Beispiel. Als der Achtjährige seine Eltern entdeckt, rennt er aufgeregt zu ihnen und zieht sie gleich in Richtung Strohecke, weil er ihnen unbedingt Ben – sein Lieblingszwerghuhn – vorstellen möchte. „Ich habe schon gesagt, dass ich die Taschen kontrollieren werde, bevor es wieder nach Hause geht“, erzählt Born und lacht. Nicht, dass sich die zutraulichen Hühner zufällig noch in einen Schlafsack verirren.

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