Interview

Bio-Weihnachtsbäume: Darauf müssen Sie beim Kauf achten

Steffen und Carmen Schmidt mit ein paar ihrer bio-zertifizierten Nordmanntannen. Der Förster aus Girkhausen ist einer von nur wenigen die Weihnachtsbäume mit Bio-Siegel vertreiben.

Steffen und Carmen Schmidt mit ein paar ihrer bio-zertifizierten Nordmanntannen. Der Förster aus Girkhausen ist einer von nur wenigen die Weihnachtsbäume mit Bio-Siegel vertreiben.

Foto: Lars-Peter Dickel / WP

Girkhausen.  Der Förster aus Girkhausen erklärt, welche Kriterien für das Bio-Siegel erfüllt werden müssen und woran man frische Bäume erkennt.

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Schön muss er aussehen. Und gesund und frisch sollte er auch sein: Weihnachten steht vor der Tür und damit auch die Frage nach dem richtigen Weihnachtsbaum. Eine immer größere Bedeutung hat für Verbraucher aber auch die Frage, wie der Baum großgezogen wurde. Wir haben mit Steffen Schmidt aus Girkhausen gesprochen. Gemeinsam mit seiner Frau Carmen betreibt der Förster einen bio-zertifizierten land- und forstwirtschaftlichen Betrieb im Nebenerwerb und ist einer von nur 15 Betrieben in NRW (Stand 2018), die Bio-Weihnachtsbäume anbieten.

Sie verkaufen Weihnachtsbäume, die nach strengen Bio-Anbau-Regeln zertifiziert sind. Was sind das für Regeln?

Steffen Schmidt Auf unseren Flächen werden keine Pestizide, also keine chemischen Giftstoffe wie Herbizide, Fungizide, Insektizide oder Rodentizide eingesetzt. Das bedeutet, wir spritzen nicht den Begleitwuchs runter, wie zum Beispiel Gras, das manche klassischen Produzenten als störend empfinden. Wir bekämpfen auch keine Insekten und auch keine Mäuse.

Das heißt, es setzen sich nur die Bäume durch, die von Natur aus gesund und widerstandsfähig sind?

Das sowieso. Aber es ist dann auch so, dass nicht ein Baum aussieht wie der andere. Wir verkaufen Natur. Wir sagen immer, bei uns kann ein Baum noch ein Baum sein. Und wir wollen eben auch keinen Einheitsbrei verkaufen. Es gibt ja auch Flächen, da sieht ein Baum genau aus wie der andere. Das ist nicht unser Ansatz.

Was heißt das konkret?

Bei uns sind die Bäume individuell. Wir schneiden auch nicht viel daran herum. Wir machen nur eine Korrektur, wenn Zwiesel vorhanden sind, dass wir die doppelte Spitze wegschneiden. Aber wir machen keinen Formschnitt, was klassische Produzenten häufig machen. Bei uns kann der Baum seine Form so ausleben, wie sie ist.

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Gibt es weitere Unterschiede zu handelsüblichen Bäumen?

Wir verwenden auch keinen Kunstdünger, die letztlich den Boden belasten würden. Das hat aber auch zur Folge, dass die Bäume nicht immer gleichmäßig gefärbt sind. Hinter dem puren, satten Grün steckt oftmals reichlich Dünger – in mineralischer Form oder sogar als Blatt- und Nadeldünger. Damit werden Bäume regelrecht gespritzt. Auch das machen wir nicht.

Aber wie pflegen Sie Ihre Weihnachtsbaumkultur?

Unsere Hauptmitarbeiter sind die Shropshire-Schafe, die auch Bio-Schafe sind, so wie unser gesamter Betrieb biozertifiziert ist. Diese Schafrasse ist die einzige, die Nadelbäume nicht verbeißt, wenn man es richtig managet. Die Schafe halten uns die Bäumchen weitgehend frei und der Rest wird von Hand nachgemäht. Der Schaftritt ist auch ein Vorteil, der vergrämt die Mäuse und wir haben eine natürliche Düngung durch den Schafkot.

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In diesem Jahr starten Sie mit der erste Ernte. Wie lange haben Sie auf diesen Tag hingearbeitet?

Angefangen haben wir bereits 2007 und immer so gearbeitet, sind aber nicht zertifiziert gewesen. Aber dann haben wir vor ein paar Jahren den Entschluss gefasst, unseren landwirtschaftlichen Nebenerwerb biozertifizieren zu lassen. In dem Zuge haben wir auch die Anerkennung für unsere Bäume beantragt und bekommen. Jetzt haben wir das Zertifikat und können auch skeptischen Kunden nachweisen, dass wir unabhängig geprüft werden.

Gibt es einen preislichen Unterschied zwischen Bio-Bäumen und handelsüblichen, und wie ist der begründet?

Ich denke wir liegen preislich genauso, wie der klassische, konventionell produzierte Weihnachtsbaum. Unsere Preise liegen zwischen 18 und 20 Euro je laufender Meter und Qualität. Aber es ist ja auch nur ein Zuerwerb, ein Hausverkauf und das soll auch so bleiben. Deshalb haben wir auch nicht die Kosten, die jemand mit Verkaufsstand, der Mieten bezahlen muss. Außerdem liegen unsere Flächen ortsnah, also haben wir kaum Logistikkosten und damit ein regionales Produkt.

Wie sind Ihre Bäume verpackt?

Wir nutzen Netze, die aus Kartoffel-Maisstärke hergestellt werden und keine Kunststoffnetze.

Aktuell sind der schlechte Waldzustand und der Klimaschutz in aller Munde. Wie wirken sich Weihnachtsbaumkulturen auf das Klima aus?

Grundsätzlich speichern Bäume, ob sie nun als Weihnachtsbaum oder Forstbaum gepflanzt werden, während ihres ganzen Lebens CO2. Das ist der Prozess der Photosynthese, bei dem sie auch Sauerstoff abgeben. Also hat auch ein Weihnachtsbaum in seiner Lebenszeit von acht bis zwölf Jahren CO2 gebunden. Und dieser Baum, wenn er nachher verbrannt wird oder verrottet, gibt auch nur das CO2 ab, das er gebunden hat. Das Ganze ist also CO2-neutral.

Viele Verbraucher wollen einen Baum, der vor allem gut aussieht und nicht vorschnell nadelt. Worauf sollten die Käufer deshalb bei Weihnachtsbäumen achten?

Wichtig ist, dass er möglichst frisch geerntet worden ist. Beim Kauf kann ich auf eine frische Schnittfläche achten. Dazu muss ich mir den Stammfuß mal anschauen. Ist die Schnittfläche möglichst hell oder weiß, ist das ein Zeichen für Frische. man kann aber auch an der Rinde mal ein bisschen kratzen. Am besten ist es aber, den Baum vor Ort und bei Leuten, die ich kenne, zu kaufen – ohne weite Transportwege. Das ist eine Gewährleistung, dass die Bäume recht frisch sind. Wenn ich meinen Baum in irgendeinem Markt kaufe, sind die vielleicht schon Mitte Oktober geerntet worden.

Wie schmücken Sie ihren Weihnachtsbaum?

Mit Stroh und Holz. Nur Natur und kein Lametta und auch keine Kugeln.

Nutzen Sie echte Kerzen oder eine elektrische Lichterkette?

Sowohl als auch. Wir haben eine Lichterkette, natürlich auch wegen der Kinder. Warum sollten wir die jetzt wegwerfen? Und wenn wir es richtig gemütlich haben wollen, dann machen wir die echten Kerzen an, weil es einfach ein ganz anderes Licht ist.

Verkauft werden die Bioweihnachtsbäume am 14. und 21. Dezember ab 10 Uhr am ehemaligen Pfarrhaus in Bad Berleburg-Girkhausen, bei der Kirche 2, oder gegen telefonische Bestellung unter 02758/201534

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