Umweltstiftung

Streit über Wanderwege in der Wildnis Heiligenborn

Wanderweg in der Wildnis Heiligenborn

Die naturbelassenen Wege gibt Besitzer und Wildnis-Stifter Dieter Mennekes für Wanderer frei. Er wehrt sich jedoch dagegen, dass Schilder und Zeichen im Wald angebracht werden.

Die naturbelassenen Wege gibt Besitzer und Wildnis-Stifter Dieter Mennekes für Wanderer frei. Er wehrt sich jedoch dagegen, dass Schilder und Zeichen im Wald angebracht werden.

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Heiligenborn.   Der Rothaarsteigverein kritisiert Dieter Mennekes: Die Vereinbarung über Beschilderung im Ilsetal sei bis heute nicht umgesetzt worden. Der Stifter wehrt sich.

Als Naturschützer ist er gefeiert worden, Minister Johannes Remmel war im April 2014 eigens für die Vertragsunterzeichnung in Heiligenborn. Jetzt scheint Dieter Mennekes, der Stifter der 354 Hektar großen Wildnis in Heiligenborn, Abmachungen zwischen ihm und einigen Partnern vergessen zu haben. Jedenfalls vermuten der SGV-Hauptverein, die Abteilung Oberes Lahntal und der Rothaarsteigverein, dass „Absprachen wohl nicht funktionieren.“

Dr. Harald Knoche, Geschäftsführer des Rothaarsteigvereins, schildert die aus seiner Sicht nicht gerade fruchtbare Entwicklung des Miteinanders: „Man hatte uns gebeten, mit den markierten Hauptwanderwegen E 1 und X 2 sowie den Rothaarsteig-Zugangswegen nach Feudingen, Banfe und Laasphe aus dem Ilsetal herauszugehen. Allerdings wollten wir uns damals nicht verschlechtern, und der breite Forstweg über den Hauptkamm war für uns keine Alternative.“

Aber Dieter Mennekes und sein Verwalter sagten im Anschluss an eine Serpentine aus dem Tal einen naturbelassenen Wanderpfad als Zubringer für den Rothaarsteig an der alten Eisenstraße zu. Doch den gibt es bis heute nicht. Ein breiter Wildacker hindert nach dem Anstieg an der Stelle Wanderer am Weiterlaufen.

Zurück auf die alten Pfade

Zwar sei mit dem durch Holzhackschnitzel ausgelegten „Serpentinenpfad zur Ilsequelle“ im Sommer 2014 ein Anfang gemacht worden, aber auch nicht mehr, bedauert Dr. Knoche und kündigt an: „Wir waren drei Jahre lang kompromissbereit, aber wir sind uns partout nicht einig geworden. Jetzt gehen wir zurück auf die alten Pfade. Die alte Wegeführung wird wieder hergestellt.“ Das sei das Ergebnis von „engen Abstimmungen“ zwischen dem Rothaarsteigverein, dem SGV-Hauptverein und der SGV-Abteilung Feudingen.

Wegen der angeblich überfälligen oder fehlenden Umsetzung von weiteren Konzepten in der Wildnis, wie etwa das Monitoring des abgesprochenen Jagdkonzeptes sowie die vereinbarten Terminabsprachen für Jagden mit den Nachbarrevieren der Privatforstverwaltung Heiligenborn, sind weitere kritische Stimmen zum Verhalten Dieter Mennekes laut geworden.

Widerspruch zu Jagdkonzept

Solche Absprachen würden aber dem Jagdkonzept entsprechen, denn „das Wild ist ja einmal beunruhigt, ist in Bewegung und hat Stress“, weiß Björn Römhild, Förster der Rentkammer Wittgenstein, die mit ihrem Revier an die Wildnis Mennekes angrenzt. „Ich wüsste nicht, dass wir da einmal mitgejagt hätten,“ sagt Römhild. Wenn nicht schriftlich, wie vom Forstamt Hilchenbach, so hat es aber doch mündliche Angaben über geplante Jagden im Wildnis-Gebiet gegeben. Das bestätigt der für den Rentkammer-Bereich Heiligenborn zuständige Revierförster Rolf Schlabach: „Der Verwalter, Herr Gördes, hat mich über Jagden informiert.“

Die mutmaßliche Nichteinhaltung einiger Vertragsbestandteile ist auch im NRW-Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz bekannt. Auf Anfrage teilt Pressesprecher Christian Fronczak mit: „Zur Jagdproblematik: In vielen Flächen im Kreis Siegen-Wittgenstein bestehen hohe Schalenwildpopulationen, die sachgerecht bewirtschaftet werden müssen.

Dies gilt auch für das Wildnisentwicklungsgebiet Heiligenborn. Das Land hat entsprechend seiner Verpflichtung aus dem Vertrag mit Herrn Mennekes ein Jagdkonzept zur Erreichung einer angemessenen Wilddichte erstellt. Die Umsetzung eines solchen Jagdkonzepts erfolgt durch den Jagdausübungsberechtigten.“ Den Vertrag mit Dieter Mennekes zu kündigen, stehe nicht zur Debatte, so der Sprecher: „Es gibt zur Umsetzung der Wildnis in Heiligenborn einen dauerhaft notwendigen Beratungsbedarf, der vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW wahrgenommen wird.“

Der Mensch darf in den Wald, Schilder nicht 

Selbstverständlich hat die WP den Stifter Dieter Mennekes um eine Stellungnahme gebeten. Die möchte er „an Ort und Stelle in Heiligenborn geben, damit Sie sich das alles selbst einmal anschauen können.“ Mitten in der Wildnis macht der „unverbesserliche Umweltverbesserer“, wie er sich bezeichnet, deutlich: „Ich bin nicht der Übeltäter. Ich will den Mensch gerne in meinem Wald. Aber ich will keine Schilder und keine Wegezeichen. Dann ist es keine Wildnis mehr. Ich will deren Charakter authentisch und den menschlichen Einfluss so gering wie möglich!“

Die von einer Arbeitsgruppe mit SGV, Rothaarsteigverein und Touristikern erarbeitete Wegeführung auf engen, unwegsamen Pfaden sei aus seiner Sicht „viel zu gefährlich“, und selbst ein früherer SGV-Wegewart habe die Planung „als Unding bezeichnet“. Außerdem werde die Serpentinenführung vom Ilsebach hinauf auf die Höhe von den Wanderern überhaupt nicht angenommen.

Wanderer hat selbst die Wahl

Gegen den Rothaarsteigzubringer von der Indel bei Banfe bis zum Jagdberg über den breiteren sei – ohne Schilder – nichts einzuwenden, „und wer unterwegs mal rechts oder links gehen will – bitte sehr“, lässt Mennekes dem Wanderer selbst die Wahl. Die Übernahme einer Verkehrssicherungspflicht durch die Umwelt-Stiftung, wie im Vertragskonzept dargestellt, lehnt Mennekes ab. Der Rothaarsteigverein solle „sich den Wildnis-Gedanken selbst zu eigen machen; denn eine schilderlose Natur lässt sich viel besser vermarkten“, rät der Unternehmer. In seinen Augen verfolgen die Touristiker der Region dasselbe Ziel wie er: Liebhaber der Natur sollen sie schätzen. Mennekes: „Ich will unberührte Wälder hinterlassen, kein Geld; denn das kann man nicht essen.“

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