Hochschule

Unipräsidentin Menzel-Riedl hat Wurzeln in Wittgenstein

Susanne Menzel-Riedl, Professorin für Biologiedidaktik übernimmt zum 1. Oktober 2019 die Leitung der Hochschule und wird Präsidentin der Universität Osnabrück.

Susanne Menzel-Riedl, Professorin für Biologiedidaktik übernimmt zum 1. Oktober 2019 die Leitung der Hochschule und wird Präsidentin der Universität Osnabrück.

Foto: Friso Gentsch / dpa

Wingeshausen/Osnabrück.  Sie wuchs in Wingeshausen auf, machte Abitur in Stift Keppel und studierte Biologie-Didaktik. Jetzt ist die 43-Jährige noch einen Schritt weiter.

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Kollegen schätzen ihren analytischen Blick und ihre kommunikative Begabung. Sie selbst hat Freude daran, in schwierigen Situationen Diskussionen zu versachlichen und zu guten Entscheidungen zu kommen. Susanne Menzel-Riedl tritt am 1. Oktober ihr Amt als Präsidentin der Universität Osnabrück an. Die aus Wingeshausen stammende 43-Jährige ist dann die derzeit jüngste Universitätschefin Deutschlands.

„Es hat auch schon Personen gegeben, die jünger ins Amt gekommen sind als ich“, kommentiert die Professorin für Biologiedidaktik diesen Superlativ. Den Tausch des Hörsaals mit dem Präsidentenzimmer sei nicht einfach für sie. Für ihre wissenschaftliche Karriere habe sie lange und hart gearbeitet.

Vizepräsidentin seit 2016

Seit 2016 ist Menzel-Riedl Vizepräsidentin für Forschung und Nachwuchsförderung. In diesem Amt habe sie gemerkt, dass es ihr Freude mache, komplexe Dinge zu entwirren. „Ich kann Dinge auf eine Formel bringen und sie bearbeitbar machen“, sagt sie. Spaß mache ihr auch, in viele Bereiche der Universität hineinzuschauen.

Ihre Wurzeln liegen in Wittgenstein. In Wingeshausen wuchs sie auf. „Das war eine schöne ländliche Kindheit, die ich nicht missen möchte.“ Erst mit 14 sei sie zum ersten Mal in der Stadt gewesen. Nach dem Abitur habe sie hinaus in die Welt gewollt, die Verbindung zu ihrer Heimat sei aber heute auch noch sehr stark. „Ich will meinen Kindern das geben, was ich auch erlebt habe“, erzählt sie - etwa Baden im Fluss.

Von 1996 bis 2002 studierte sie Biologie, Pädagogik und Englisch in Münster, Dakar (Senegal) und dem College of William and Mary (USA). Von 2004 bis 2007 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Göttingen. 2008 wurde sie Juniorprofessorin in Osnabrück, seit 2011 ist sie Professorin. Heute lebt sie in Münster, 30 Bahnminuten von Osnabrück entfernt. „Das ist die goldene Mitte“, sagt sie. Ihr Mann arbeitet in Dortmund. Ihre Kinder, ein Mädchen und ein Junge, sind sechs und sieben Jahre alt.

Erste Studierenden der Familie

Menzel-Riedl war die erste in ihrer Familie, die studiert hat. An den Kulturschock und das erste Fremdeln an der Uni könne sie sich noch gut erinnern. Dass immer weniger Kinder aus nicht akademisch geprägten Familien studieren, sei ein gesellschaftliches Problem. „Wir wollen ja die Begabtesten haben als Studierende wie auch hinterher als Forscherinnen und Forscher.“

Wissenschaft und Universität müssen sich nach Ansicht von Menzel-Riedl auch in der Gesellschaft zu Wort melden. Dass Populisten gegen Wissenschaftler polemisieren, weil ihnen beispielsweise die Erkenntnisse zum Klimawandel nicht passen, sei eine Katastrophe. Der Wissenschaft gehe es nicht ums Moralisieren, sondern darum, wertneutrale Erkenntnisse zu bekommen.

„Gefährlich ist, dass wir diese Erkenntnisse schwer in die Gesellschaft bekommen, weil der politische und demokratische Diskurs nicht mehr funktioniert.“ Wissenschaftler müssten sich den Debatten stellen und mehr in die Öffentlichkeit gehen. „Es ist auch als Hochschulleitung unsere Aufgabe, dafür Formate zu entwickeln.“

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