Osternacht

Violinen spielen in der Stadtkirche das Zwitschern der Vögel

Die Musiker der Kammerphilharmonie Köln verbinden Präzision mit fein abgestimmtem Klangsinn.

Foto: Wolfgang Thiel

Die Musiker der Kammerphilharmonie Köln verbinden Präzision mit fein abgestimmtem Klangsinn. Foto: Wolfgang Thiel

Bad Laasphe.   Die Kammerphilharmonie Köln stimmt beim Konzert in der Bad Laaspher Osternacht auf den Frühling ein und verdient sich anhaltenden Applaus.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Beim „Konzert in der Osternacht“ der Kammerphilharmonie Köln standen in der Ev. Stadtkirche Werke von Vivaldi, Mozart, Tschaikowsky, Händel und Haydn mit den Solisten Anton Georg Gölle (Violine) und Sabine Könner (Sopran) auf dem Programm. Das nach wie vor meistgespielte Werk von ­Antonio Vivaldi ist der berühmte Zyklus der vier Jahreszeiten (Le quattro stagioni dell´ anno).

Wenn man diese Komposition als Höhepunkt des italienischen Barocks bezeichnet, ja ebenbürtig neben Bachs „Brandenburgische Konzerte“ und einige von Händels „Concerti grossi“ stellt, wird man dieser wundervollen Musik voll gerecht. Es wäre durchaus möglich, hochinteressante Parallelen zwischen Vivaldi und der großen italienischen Malerei zu ziehen; man könnte hier nahezu botticellianische Farben in Musik übertragen finden; man müsste beschreiben, wie Vivaldi in Tönen malt.

Im ersten Satz des Frühlings heißt das Motto „Der Frühling ist gekommen“. Es wird in jenem berühmten, strahlenden E-Dur-Thema ausgedrückt, das allein ausreichte, um ­Vivaldi unsterblich zu machen. Nach dem Eingangsthema schildern die Violinen das Zwitschern der Vögel, später hört man im ­Orchester das Plätschern der Quellen, schließlich ein kurzes Gewitter, das die Idylle aufschreckt. Im „L´estate“ (Sommer) herrscht drückende Hitze, die jede Tätigkeit lähmt. Kuckuck, Taube und Fink erheben nacheinander (in der Solovioline) ihre Stimme, um die allgemeine Müdigkeit zu vertreiben – vergeblich.

Winde bringen Bewegung ins Spiel

Erst die Winde, der sanfte Westwind Zephirus und der raue Nordwind Boreas, bringen Bewegung ins Spiel. Ein Weinfest und die Jagd bilden das Ambiente des Herbstes. Der erste Satz zeigt die Bauern beim Erntetanz: sie tanzen, und zwar einen typischen Bauerntanz im holprigen Rhythmus. Im Finale erspäht die Jagdgesellschaft einen Hirsch (Solovioline), den sie gnadenlos zu Tode hetzt. Man kann im Orchester die Meute der Hunde hören und das Knallen der Jagdflinten.

Der „Winter“ gibt Anlass zum düstersten Konzert der Reihe. Die Menschen frieren vor Kälte im rauen Wind. Im Adagio schaut man vom warmen Ofen hinaus den Menschen beim Eislaufen auf dem zugefrorenen See zu. Das letzte Wort haben die Winde: „Scirocco, Boreas und alle Winde im Streit. So ist der Winter, doch so, dass er auch Freuden bringt,“ wie es im ­Sonett heißt.

Der Solist Anton Gölle (geb. 1990), der nach seiner Ausbildung für Violine, Klavier und Kammermusik internationale Meisterkurse im In- und Ausland besuchte, wandelte mit leichtem Strich durch die Sommerhitze und laue Lüftchen, überwand Stürme und Gewitter und verschmolz mit den anderen Musikern um ihn herum zu einer bemerkenswerten Einheit.

Mittelalterliches Gebet

Mit dem „Ave verum corpus“ für Sopran und Orchester von Mozart stand die heute wohl bekannteste Vertonung eines spätmittelalterlichen Reimgebetes am Schluss des abwechslungsreichen Programms. Hinterbliebene wählen diese besinnliche, spannende und zugleich tröstliche Musik oft als musikalische Begleitung für Trauerfeiern.

In den Darbietungen zuvor noch mit ihrer Violine Ensemblemitglied, wusste Sabine Könner hier wie auch bei der nachfolgenden Zugabe mit ihrer kräftigen Sopranstimme, die quasi aus dem Stand sofort präsent war, die Zuhörer für sich einzunehmen. Neben der „Elegie“ von Tschaikowsky beeindruckten als weitere Vorträge des Ensembles Händels „Concerto grosso op.6 Nr.12 G-Dur für Streicher und basso continuo“ und Haydns „Die sieben letzten Worte des Erlösers am Kreuz“ die Konzertbesucher.

Die Kammerphilharmonie Köln glänzte durch technisches Können ebenso wie durch Ausdruckswillen. Auch der lebendige Dialog zwischen Solisten und Orchester überzeugte. Präzision verband sich mit fein abgestimmtem Klangsinn. Das Publikum erkannte die „Kunst“ der Stunde und dankte mit starkem Applaus.

>> Hintergrund

Im 17. und 18. Jahrhundert mussten die Komponisten durch schöpferische Arbeit ihre Existenz sichern und erhalten. Freies Künstlertum, wie es oft
idealistisch dargestellt wird, gab es damals noch viel weniger als heute.

So waren selbst Großmeister der Musik wie Vivaldi und Händel von den Aufträgen der Fürsten abhängig, die für den Geburtstag, ein Jubiläum, eine Einweihung oder einfach mal so, eine Komposition bestellten. Und die Komponisten lieferten diese „Gebrauchsmusik“.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik