Gravierendes Problem

Waschbären kommen durch die Katzenklappe

Durch die Katzenklappe in die Küche und dann nix wie ran ans Futter der Miezen. Diese jungen Waschbären zeigten in einem Berleburger Wohnhaus keinerlei Scheu.

Durch die Katzenklappe in die Küche und dann nix wie ran ans Futter der Miezen. Diese jungen Waschbären zeigten in einem Berleburger Wohnhaus keinerlei Scheu.

Foto: WP

Wittgenstein.   Immer mehr dieser Wildtiere finden an Wohnhäusern in Wittgenstein ausreichend Nahrung und einen Unterschlupf. Das kann zu einer regelrechten Plage werden.

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Keine Frage, sie sind da – und zwar nicht im Wald, wohin sie eigentlich gehören. Nein: Die Waschbären kommen in die Gärten der Häuser, mitunter sogar auch in Keller, Küchen und Dachböden. Wenn sie sich einmal eingerichtet haben, drohen kostspielige Reparaturen der von den Wildtieren angerichteten Schäden.

Beschränkte sich die Präsenz der eigentlich anmutig und witzig anzuschauenden Tiere vor knapp drei Jahren noch vorwiegend auf den südlichen Altkreis, so haben sie nun im Bereich der Berleburger Kernstadt und nahezu aller Ortschaften eine neue Heimat gefunden.

Nicht so in Erndtebrück: Wie das Ordnungsamt der Gemeinde auf Anfrage meldet, seien „Waschbär-Probleme“ dort nicht bekannt. Ähnlich sieht es bei der Stadtverwaltung in Bad Berleburg aus. Ordnungsamtsleiter Peter Mengel (er hatte privat selbst schon einen Waschbären in der Bio-Tonne): „Meldungen oder Hilferufe in diese Richtung sind bei uns bislang nicht bekannt.“

„Aktuell zwei Anfragen aus Bermershausen und der Kernstadt“, was mit Waschbären im Haus zu tun sei, vermeldet Jürgen Pospichal vom Ordnungsamt der Stadt Bad Laasphe, und er ergänzt: „Wir verweisen dann auf Kammerjäger. Die Stadt kann da nichts tun“. Wer denn?

Pfiffiger als der Fuchs

Für seine Antwort holt Patrick Rath, Revieroberjäger der Berleburger Rentkammer, ein wenig aus: „Der Waschbär ist pfiffiger als der Fuchs. Bei uns erschließt er sich neue Lebensräume mit ausreichend Futterplätzen. Normalerweise könnten wir ihn, wenn er im Haus ist, wegfangen; aber das neue ökologische Jagdgesetz – übrigens rein ideologiegeprägt – verhindert das.“

Nach Angaben des 39-jährigen Berufsjägers müssen jene Personen, die solch eine Lebendfalle aufstellen einen „Fangjagd-Lehrgang“ absolviert haben und damit Sachkunde nachweisen. Diese Lehrgänge wiederum haben aber bislang „nur ganz, ganz wenige Wittgensteiner“ besucht. Nach dem Inkrafttreten der neuen Vorschriften in Nordrhein-Westfalen sei die Nachfrage zur Teilnahme an diesen acht Stunden umfassenden Kursen enorm. „Deshalb haben wir hier nicht genug Leute, die sich darum kümmern können.“

Dringender Rat: Niemals füttern!

Also empfiehlt Patrick Rath, der die „etlichen Anrufe wegen des Waschbärs“ kaum noch zählen kann: „Alle Luken am Haus dicht! Den Deckel der Biotonne am Haus mit einem Stein beschweren. Gelbe Säcke kurzfristig raus stellen. Fallobst schnell aufheben.“ Und, das betont Rath besonders: „Niemals füttern! Das sind Wildtiere.“ Sollten Waschbären in Einzel- oder Mehrzahl bereits unterm Dach eingezogen sein, könne sie mit „Störquellen“ eventuell, verjagt werden. Das kann ein regelmäßig spielendes Radio sein, automatisches Licht, eventuell auch Hundehaare. Für Patrick Rath ist der „Konflikt zwischen Waschbär und Mensch vorprogrammiert, und ein gravierendes Problem. Das Tier ist potenzieller Träger von Krankheiten wie Staupe, Tollwut oder Fuchsbandwurm. Das wollen wir ja nicht in Hausnähe haben.“

Und der 39-Jährige prognostiziert: „Wildschweine sind die nächste Nummer im Randbereich der Bebauung. Sie kommen den Häusern und Gärten immer näher“.

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