Kunst

Werkstattgespräch Bad Laasphe: Wenn der Weg das Ziel ist

links Renate Hahn, rechts Angelika Kreutter

links Renate Hahn, rechts Angelika Kreutter

Foto: WP

Bad Laasphe.  Was machen Kunstinteressierte, wenn es wegen Corona keine Ausstellungen gibt? Die Lösung hat Renate Hahn, Künstlerin aus Bad Laasphe, gefunden.

Einen Monat lang stellt sich Angelika Kreutter in der Werkstatt von Renate Hahn den Fragen Kunstinteressierter aus der Region. „Ich habe darüber nachgedacht, wie man einen Rahmen schaffen an, in dem Kunst weiter vorkommt“, beschreibt es Renate Hahn, die Initiatorin. Die Künstlerin aus Bad Laasphe ist in der Szene bekannt. Sie geht in die Öffentlichkeit und sucht den Kontakt zu ihrem Umfeld.

„Die bildenden Künste haben es gegenüber Musik und Literatur hier in der Gegend schwer. Ich hoffe immer darauf, dass sich das noch ändert“, so Hahn. In Zeiten der Corona-Pandemie können kaum Ausstellungen stattfinden. Auch Veranstaltungen im Freien sind jetzt im Herbst nicht mehr möglich. Wie also kann man im Gespräch bleiben?

Die Idee

Diese Frage stellte sich Renate Hahn und kam auf eine einfache Lösung: man lädt Künstler und Kunstbetrachter in ein und initiiert ein Gespräch. Dieser Herausforderung stellte sich am Sonntag zum ersten Mal Angelika Kreutter. Mit im Gepäck hatte sie keines ihrer eigenen Werke, sondern ein Bild, dass eine Gruppe von Menschen gemeinsam gemalt hat.

Sie habe überlegt, was sie in Bad Laasphe zeigen wolle und sei dann darauf gekommen den Prozess der Malerei zu zeigen, Kunst als Weg sozusagen. Und diesen Weg sieht man tatsächlich in dem Bild. Bunte Farben auf der Leinwand werden durch schwarze Pfade getrennt. „Die Gruppe hat angefangen und die einzige Regel war, man darf nicht in die Bildbereiche des anderen hinein malen, oder Bildelemente zerstören“, beschreibt es Angelika Kreutter.

Das Werk

Entstanden ist ein spannendes Werk, dass sich sicher als moderne Kunst interpretieren lassen würde. Einzig, das Bild ist nicht in einem bewussten Schaffensakt entstanden, sondern ganz durch Zufall. Der

Prozess war nicht gesteuert oder mit einer bewussten Aussage verbunden. Das betont Kreutter, denn ihr ist der Prozess wichtig. Als Kunsttherapeutin kennt sie die Vorzüge der Kunsttherapie und sie warnt vor einer Überinterpretation.

Wenn man anfange Menschen zu analysieren und zu viel aus den Bildern heraus zu lesen, dann verschrecke man Viele. Genau das will sie nicht, sie will Menschen motivieren, künstlerisch aktiv zu werden. „Malen allein ist schon Therapie, es ist ein Stimmungsaufheller“, so Kreutter. Renate Hahn kann da nur zustimmen. Nicht nur Malerei habe therapeutischen Wert, sondern jede Form der künstlerischen Arbeit.

Das Malen

„Jeder kann malen, wir müssen aber die Schere in unserem Kopf besiegen. Viele sagen, ich kann nicht malen, weil wir denken, wir müssen bestimmte Regeln einhalten und bestimmte Techniken beherrschen“, sagt Hahn ganz selbstkritisch. Im direkten Gegensatz steht ihr eigenes Werk, dass Renate Hahn zum

Werkstattgespräch zeigt. Es ist ein Teil eines Kunstwerkes, dass sie in Japan geschaffen hat. Kleine Tonfiguren, dicht gedrängt, als Teil eines großen Ganzen. Hier ist nichts zufällig, sondern in Form und Intensität so gewollt und bewusst hergestellt. Renate Hahn ist einen anderen Weg gegangen, der Prozess ist willentlich zum Ende geführt. Beide Frauen lassen sich auf eine tiefe Diskussion über Kunst ein. Das genau ist auch die Idee hinter den Werkstattgesprächen.

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