Naturkatastrophe

Wie ein Berleburger Paar die Buschbrände bei Sydney erlebt

In Colo Heights – gut 95 Kilometer nordwestlich von Sydney gelegen – versuchen die Einsatzkräfte der Feuerwehr die tobenden Flammen zu löschen, um ein Haus zu retten.

In Colo Heights – gut 95 Kilometer nordwestlich von Sydney gelegen – versuchen die Einsatzkräfte der Feuerwehr die tobenden Flammen zu löschen, um ein Haus zu retten.

Foto: Dean Lewins / dpa

Sydney/Bad Berleburg.  Christopher Klinker und Patricia Treude kommen aus Berleburg, leben jetzt aber in Sydney. Wer sich lange draußen aufhält, muss Atemmasken tragen.

Das Video von Koala Lewis ist um die Welt gegangen. Eine Frau hatte Lewis von einem glutheißen Baum genommen, ihn in ihr T-Shirt gewickelt und aus einem brennenden Wald in New South Wales getragen. Millionenfach wurde das Video angeklickt, da es symbolisch für die Folgen der aktuell wütenden Buschfeuer in Australien steht. Lewis schien gerettet. Doch ein paar Tage später musste der Koala eingeschläfert werden. Die Verbrennungen an seinen Händen, Armen, Füßen und Beinen waren so schwer, dass die Ärzte sich dazu entschieden, ihn von seinem Leid zu befreien. Natürlich haben auch Christopher Klinker (27) und Patricia Treude (26) Lewis Schicksal mitverfolgt. Das Paar kommt ursprünglich aus Bad Berleburg, ist aber vor dreieinhalb Jahren ins australische Sydney gezogen. Und obwohl die Buschbrände rund 100 Kilometer nördlich von Sydney toben, merken sie, wie das Feuer in ihrem Alltag angekommen ist.

„Der Rauch zieht bis in die Stadt, die Luftqualität ist dadurch sehr schlecht“, erzählt Klinker. Über die Medien sei verbreitet worden, dass sich Bürger in dieser Region möglichst drinnen aufhalten sollten. Baustellenmitarbeiter und andere Beschäftigte, die im Freien arbeiten, seien angehalten Atemmasken zu tragen. Ein Tag im Freien sei so belastend für die Lunge wie das Rauchen von anderthalb Zigarettenpackungen. Auch Gesundheitsbehörden wiesen Schulen und Kindergärten darauf hin, die Kinder nur nach draußen zu lassen, wenn dies unbedingt sein müsste.

Fußballtraining ist schon ausgefallen

„Als Deutscher kennt man solche Zustände überhaupt nicht“, meint Klinker. Sein Trainer habe bereits das Fußballtraining auf dem Sportplatz ausfallen lassen – zu belastend für den Körper. „Wir sind jung und gesund und merken noch nicht so viel vom Rauch“, so Klinker. „Aber es kommt schon vor, dass uns abends die Augen ein wenig brennen.“ Von einem Flächenbrand, der rund 100 Kilometer entfernt von ihnen wütet.

Sechs Menschen sind schon gestorben

Laut der britischen Zeitung „The Guardian“, die sich auf Daten der australischen Regierung beruft, sind alleine im Bundesstaat New South Wales bisher mehr als 1,6 Millionen Hektar Land und über 600 Häuser abgebrannt. Sechs Menschen sind in den Flammen oder in der Folge einer Rauchvergiftung ums Leben gekommen. „Jedes Jahr kommt es in Australien zu Buschbränden“, sagt Klinker. „Aber das hier ist schon das Heftigste seit Langem.“ Zumal an der Ostküste Australiens der Sommer und damit die „Buschfeuer-Saison“ noch gar nicht angebrochen ist.

In einigen Landstrichen im Inneren von Australien hat es seit fast 18 Monaten nicht mehr geregnet. Die Böden sind damit völlig ausgetrocknet. „Man kann sich das auch nicht so vorstellen, als ob der ganze Wald lichterloh brennen würde“, erklärt Klinker. „Es ist vielmehr so, dass Bäume und Gras wie Glutnester sind. Erst wenn der Wind kommt, wird die Glut weitergetragen und löst einen Brand aus.“ Das mache es für die Einsatzkräfte auch so schwierig. Der Wind kann sich schnell und plötzlich drehen. „Aber insgesamt machen die Einsatzkräfte hier einen super Job und sind rund um die Uhr im Einsatz“, so Klinker.

Rundtrip ist abgesagt

Über Weihnachten wollten Klinker und seine Freundin eigentlich einen Trip durch das Outback machen. Den haben sie jetzt abgesagt. Zu gefährlich. Einige Straßen außerhalb der Stadt seien schon jetzt gesperrt, um die Bevölkerung zu schützen. „Wenn wir jetzt in den Hochsommer ‘reinkommen, kann es im Januar auch schon mal bis zu 50 Grad heiß werden“, meint Klinker. „Das wäre natürlich nach den jetzigen Buschbränden eine Katastrophe.“

>>> ARBEITEN IN DER METROPOLE

  • Christopher Klinker arbeitet als Corporate Service Manager in der BSW-Niederlassung in Sydney.
  • Seine Freundin Patricia Treude ist gelernte Friseurin und Kosmetikerin und hat in Sydney eine Weiterbildung zur Stylistin gemacht.
  • Das Paar lebt im Südwesten von Sydney, rund 30 Kilometer vom Stadtkern entfernt.
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