Artenschutzprojekt

Wisentherde rückt bei Bad Berleburg näher an die Häuser

Die Wisentherde steht am Montag nördlich von Schüllar an einem Hang und äst. Das Odeborntal ist bereits seit einigen Wochen bevorzugtes Streifgebiet der Tiere.

Die Wisentherde steht am Montag nördlich von Schüllar an einem Hang und äst. Das Odeborntal ist bereits seit einigen Wochen bevorzugtes Streifgebiet der Tiere.

Foto: Wolfram Martin

Schüllar.   Anwohner rufen die Polizei, weil die Herde der Straße näher kommt. Der Trägerverein des Auswilderungsprojekts bittet, die Tiere nicht zu füttern.

Die frei lebende Wisentherde ist vom Rothaarkamm ins Odeborntal gezogen. Bereits am Sonntag streifte sie entlang der Bundesstraße 480 bei Schüllar. Auch heute Morgen sind dort 19 Tiere gezählt worden, darunter der Bulle „Egnar“ und mehrere Kälber. Nicht wenige Autofahrer hielten an, um Fotos oder Videoclips von dem Schauspiel in nur 30 Meter Nähe aufzunehmen.

frei lebende Wisentherde nördlich der Ortschaft Schüllar bei Bad Berleburg.
frei lebende Wisentherde nördlich der Ortschaft Schüllar bei Bad Berleburg.

Augenzeugen berichten, dass die Herde zunächst rechts der Fahrbahn (Richtung Girkhausen) nahe der Odeborn geäst habe – bis die von einem Anwohner im „Hof Winterbach“ gerufene Polizei vor Ort war. „Es hat zu keinem Zeitpunkt eine gefährliche Situation gegeben“, betont Erster Polizeihauptkommissar Bernd Dickel im Gespräch mit der WP und erzählt: „Unser Kollege Oberkommissar Jürgen Völkel war mit einem Streifenwagen dort, er hat ein paar Mal ,Buh Buh’ gemacht, und dann sind die Tiere weiter den Berg hinauf getrottet.“

Hintereinander, quasi im Gänsemarsch, hat die Herde dann die Fahrbahn zügig überquert, offensichtlich eine Lücke im Zaun gefunden, um an dem flach ansteigenden Hang neben dem Sikawild-Gehege erneut zu rasten und zu äsen. Möglicherweise haben die Kolosse den Duft aus einem großen Silage-Depot in Schüllar in die Nase bekommen.

Ausgeschlossen sei das nicht, sagt die wissenschaftliche Projekt-Koordinatorin Kaja Heising, die weiß, dass sich die Herde „seit ein paar Wochen nördlich von Schüllar aufhält.“ Das Büro des Artenschutzprojektes sei „auf die Meldung von Sichtungen angewiesen, weil die Batterien im Sender leer sind“, erklärte die Biologin. Sie verweist darauf, dass bald die Winterfütterung beginnt. Dann dürfte es weitaus schwerer sein, die Tiere im Wald zu sehen.

Dr. Michael Emmrich, Pressesprecher des Trägervereins „Wisent-Welt-Wittgenstein“, sieht den Ausflug der Herde einigermaßen gelassen: „Hier sieht man, dass Mensch und Wisent sich gut vertragen. Das zeigt doch auch, dass beide Spezies gut miteinander leben können. Nur gleichzeitig geht der Appell an die Autofahrer: Gerne anschauen, aber bitte langsam weiterfahren, die Wildtiere respektieren und Abstand halten. Dass andere Wildtiere noch mehr als die Wisente in Wittgenstein die Straßen kreuzen, das kennen wir doch alle.“

Wisente und Wildtiere nicht füttern

Der Trägerverein des Auswilderungsprojektes äußerte sich am Montag über Facebook. Mit Blick auf die frei lebende Herde in der Nähe der Bundesstraße 480 und des Dorfes Schüllar veröffentlichte der Verein nochmals wichtige Verhaltensregeln zum Umgang mit den Wildrindern: „Das Füttern von freilebenden Wildtieren ist sicherlich gut gemeint. Dennoch tut man den Tieren damit nicht unbedingt etwas Gutes. Durch das Füttern werden das natürliche Verhalten und die Bewegung der Tiere beeinflusst. Daneben kann nicht artgerechtes Futter die Tiere krank machen. Zudem verlieren Wildtiere durch das Füttern ihre natürliche Scheu vorm Menschen, was unnötige Risiken für Mensch und Tier provozieren kann. Außerdem kann unsachgemäße Fütterung Schäden in Land- und Forstwirtschaft provozieren.

Zum Schutz der Tiere verbietet das Bundesjagdgesetzes darum das Füttern von Wildtieren durch Laien und ahndet mit Bußgeldern bis zu 25.000 Euro. Das Füttern von Wildtieren ist aus diesen Gründen streng geregelt und wird ausschließlich nach den Regelungen der geltenden Gesetze fachmännisch von Jägern und Förstern durchgeführt.“ Darüberhinaus riet der Verein bereits im vergangenen Winter einen Sicherheitsabstand von 50 Metern zu den Tieren einzuhalten.

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