Serie „Wittgenstein Wide Web“

Wittgenstein: Internet ist so wichtig wie Strom und Wasser

Der Bad Berleburger Telekommunikations-Experte Michael Knebel hat auf viele Fragen rund um schnelles Internet Antworten.

Der Bad Berleburger Telekommunikations-Experte Michael Knebel hat auf viele Fragen rund um schnelles Internet Antworten.

Foto: Lars-Peter Dickel / WP

Bad Berleburg.  Breitbandanschlüsse erhöhen den Wert einer Immobilie, sagt IT-Experte Michael Knebel aus Bad Berleburg.

Überall in Wittgenstein wird gebuddelt, schauen Leerrohre aus dem Boden. Der Breitbandausbau geht voran. Das Thema Schnelles Internet bewegt die Menschen und wirft zugleich auch viele Fragen nach dem Nutzwert auf. Wir haben mit dem Michael Knebel gesprochen. Als Inhaber der Firma Teleknebel ist der 48-jährige Fachmann und kann Antworten auf viele Fragen geben.

Eine davon ist die nach dem Unterschied zwischen Glasfaser-Hausanschlüssen und Kupferkabel-Anschlüssen. Die Glasfaseranschlüsse sind als Lichtwellenleiter um ein vielfaches leistungsstärker und Kupfer gerät inzwischen an seine Grenzen. Das Metall hat eine spezifischen Widerstand, der mit der Länge der Leitung zunimmt. „Man kann sich das wie eine Wasserleitung vorstellen: Je länger die Leitung ist, um so mehr Druck muss ich draufgeben, damit am anderen Ende auch etwas herauskommt“, so Knebel. Nur ist die Kapazität bei Kupferkabeln irgendwann erschöpft.

Leistungsgrenze der Kupferanschlüsse ist erreicht

Im Zuge des aktuellen Breitbandausbaus haben viele Haushalte die Chance, einen Glasfaserhausanschluss zu bekommen, aber eben nicht alle. In einigen Ortslagen wird das Glasfaserkabel bis in einen Verteilerpunkt in der Straße gespeist. Von dort aus gehen dann Kupferleitung in die Haushalte. „Das ist dann die sogenannte Letzte Meile. Diese Anschlüsse können aber trotzdem durch Vectoring-Technik bis zu 250 Megabit erreichen“, sagt Knebel und lobt den Fortschritt der vergangenen Jahrzehnte. Der analoge Telefonanschluss hatte 56 Kilobit. „ISDN mit seinen 64 Kilobit war ein Quantensprung, aber versuchen sie heute einmal, damit im Internet zu surfen. Das geht nicht mehr, weil die Internetseiten immer komplexer geworden sind und die Datenmengen immer größer.“ Auf ISDN folgten 1000er und 2000er DSL-Anschlüsse. „Heute reden wir über mindestens 16 Megabit“ und die aktuellen Vectoring-Anschlüsse bieten bis zu 250 Megabit. Damit ist die Leistungsgrenze der Kupferanschlüsse erreicht.

60 Prozent mehr Datenvolumen jedes Jahr

Heute geht es beim Internetanschluss um mehr als nur um Surfen oder Emails. Das Internet ist virtueller Marktplatz. Hier wird gehandelt, und hier trifft man sich in Sozialen Netzwerken. Dieser Markt wächst und mit ihm die Datenmenge. Deswegen müssen die Datenleitungen immer mehr transportieren können. Das geht nur mit Lichtwellenleitern, also Glasfaser.

„McKinsey sagt ein Wachstum des benötigen Datenvolumens von 60 Prozent jährlich voraus. 2017 sind es 473 Terrabit. und in 2020 schon 1451“, berichtet Michael Knebel. Das meiste Volumen wird für Soziale Netzwerke wie Facebook, Nachrichtendienste wie WhatsApp oder Videoseiten wie Youtube gebraucht. An zweiter Stelle stehen Internetgestützte Programmsysteme oder Cloudspeicher und Datenbanken. Auf dem dritten Platz rangieren Finanzdienstleistungen – Bankingportale mit ihren Sicherheitssystemen brauchen Datenvolumen. An vierter Stelle stehen die so genannten Supply Chains, also die internetgestützten Logistikleistungen. Erst an fünfter Stelle kommen dann Internet-Fernsehangebote wie Sky oder Streamingdienste wie Netflix.

Alternative via Satellit oder Mobilfunk

Weil das Internet genau so wichtig wie der Strom oder Wasseranschluss ist, rät Michael Knebel auch dazu, das Angebot eines Glasfaserhausanschlusses wahrzunehmen. „Ich bin auch Vermieter, und eine der ersten Fragen die Mieter stellen, ist die nach dem Internetanschluss. Also bedeutet die moderne Technik auf jeden Fall auch eine Wertsteigerung einer Immobilie.“

Ein neuer Breitbandanschluss muss auch nicht zwingend den Kauf neuer Hartware bedeuten, so Knebel. Es hänge schlicht von der aktuellen Ausstattung ab.

Nicht alle Haushalte werden an das schnelle Internet angeschlossen werden können - Stichwort Einzelwohner. Knebel kennt zwei Alternativen. Zum einen den Mobilfunk mit LTE-Standard oder aber DSL via Satelliten-Internet.

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