Artenschutz und Politik

Wittgenstein: Linke hofft auf Rettung des Wisentprojekts

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Die Linkspartei in Wittgenstein will das Wisent-Projekt retten. Im Umweltausschuss des Kreises Siegen-Wittgenstein schwindet die Mehrheit für ein Aus des Projektes.

Die Linkspartei in Wittgenstein will das Wisent-Projekt retten. Im Umweltausschuss des Kreises Siegen-Wittgenstein schwindet die Mehrheit für ein Aus des Projektes.

Foto: WP / Wp

Bad Berleburg.  Thorsten Fischer hat den Schuldigen für ein mögliches Scheitern des Wisentprojektes ausgemacht – und stellt klare Forderungen für eine Rettung.

Auch die Bad Berleburger Linkspartei macht sich für einen Erhalt des Wisentprojektes stark. Gleichzeitig geht der Ortsvereinsvorsitzende Thorsten Fischer in einer Erklärung seiner Partei hart mit dem Trägerverein ins Gericht. Fischer sieht mangelende Professionalität beim Verein und wirft den Projektbetreuenden vor allem wirtschaftliche und touristische Interessen vor.

„Die Linke-Wittgenstein unterstützt prinzipiell alle vernünftigen und professionellen Bemühungen zum Erhalt und zur Stärkung der Artenvielfalt. Deshalb setzt sich unsere Partei auf Bundesebene auch für die Umsetzung der UN-Konvention zur biologischen Vielfalt ein und möchte dazu ein bundesweites, koordiniertes Programm zur Überwachung der biologischen Vielfalt realisieren. Ein vernünftig und professionell durchgeführtes Artenschutzprojekt ist das Wisent-Wiederansiedlungsvorhaben in Bad Berleburg dagegen offenbar nicht. Vor allem nicht, wenn man es mit anderen Wisent-Projekten in Deutschland oder in Europa vergleicht, die besser zu funktionieren scheinen.“

Wirtschaftsinteressen standen vor Tierwohl

Fischer wird in seiner Kritik deutlicher: „Aus unserer Sicht liegt das daran, dass die Verantwortlichen dieses Projekt in Wittgenstein bereits von Anfang an mehr als wirtschaftliches und touristisches Unternehmen und weniger als Artenschutzprojekt betrachtet haben. Eine Verknüpfung von Artenschutz und naturtouristischer Nutzung eines solchen Vorhabens kann dabei durchaus sinnvoll sein. Denn nur wenn die Region und die BürgerInnen und nicht nur einige wenige an einem solchen Vorhaben teilhaben, wird ein solches Projekt auch von den Menschen vor Ort mitgetragen und unterstützt.“

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Fischer und die Linkspartei kritisieren den Marketinggedanken: „Das Problem ist, dass die touristische Nutzung für den Trägerverein höchste Priorität hatte und der Artenschutz fast völlig vernachlässigt wurde. Insofern liegen die Gründe eines nicht mehr unwahrscheinlichen Scheiterns des Projektes in einer bewusst falschen Gewichtung von Artenschutz und tourismusökonomischem Marketing-Interesse, dessen Ziel es wohl war, die Wisente als Markenträger für Bad Berleburg zu nutzen. Gerade die tourismusökonomischen Interessen blieben dabei von Anfang an aber höchstundurchsichtig. Und als Folge dieses faulen Kompromisses zwischen Artenschutz und Tourismuswirtschaft begab sich der Wisent-Trägerverein in eine rechtliche Grauzone mit großer Rechtsunsicherheit und hohen finanziellen Risiken. Das fällt den Beteiligten nun auf die Füße. Dass diese jetzt allerdings glauben, sie könnten sich ihrer Verantwortung durch Kündigung des öffentlich-rechtlichen Vertrages entziehen, wirft ernsthafte Fragen auf und bestätigt diejenigen, die das Projekt unter dem Aspekt des Artenschutzes schon immer kritisch sahen.“

Behörden sollen Rechtslage prüfen lassen

Die verantwortlichen Behörden auf Kreis- und Landesebene seien jetzt aufgerufen, die Rechtslage durch unabhängige Juristen und Sachverständige prüfen zu lassen und dann „die Verantwortlichen des Wisent-Projektes in die juristische Verantwortung zu nehmen“.

Statt Lösungen für die Probleme zu finden habe sich der der Wisent-Trägerverein habe den Problemen gegenüber ignorant gezeigt. „Dazu kommt wohl auch, dass sich der Wisent – Trägerverein durch die Vertragskündigung und mit der Erklärung der Herrenlosigkeit der Tiere seinen finanziellen Verpflichtungen entziehen will. Ob das Wisent-Projekt unter diesen Voraussetzungen noch zu retten ist, bleibt abzuwarten. Eine Fortführung bedarf sicherlich einer schnellengrundsätzlichen Neuaufstellung der Projektorganisation und Personalien. Sollte das Projekt scheitern hätte dies wohl in erster Linie für die Tiere dramatische Folgen.“

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