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Wittgenstein trauert um Ejot-Seniorchef Kocherscheidt

Hans Werner Kocherscheidt Seniorchef der Ejot Gruppe Bad Berleburg ist am Krafreitag, 14. April 2017,, gestorben.

Foto: Andreas Wolf/Ejot

Hans Werner Kocherscheidt Seniorchef der Ejot Gruppe Bad Berleburg ist am Krafreitag, 14. April 2017,, gestorben. Foto: Andreas Wolf/Ejot

Bad Berleburg.   Mit dem Tod von Hans Werner Kocherscheidt verliert Südwestfalen eine herausragende Persönlichkeit. Sein Leben und Wirken haben Vorbildcharakter.

Mit dem Tod von Hans Werner Kocherscheidt verliert Südwestfalen eine herausragende Persönlichkeit, deren Leben und ungewöhnliches Engagement Vorbildcharakter für alle Unternehmen haben sollte. Mit Herzblut hat sich der Ejot-Seniorchef um seine Mitarbeiter gekümmert, war an deren Wohlergehen sehr interessiert und hat dafür Wesentliches in der gesamten Ejot-Gruppe geschaffen. Er hat sich um seine Heimat Wittgenstein, um die Wirtschaft und um die Menschen in der Region verdient gemacht. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ejot Gruppe trauern um ihren Senior-Chef, der im Alter von 88 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben ist.

Sein christliches Weltbild und seine strikte Bodenständigkeit haben Kocherscheidt bei nahezu allen betrieblichen Entscheidungen geleitet. „Unsere Mitarbeiter sind unser Kapital. Und deshalb werde ich sie besonders pflegen“, hat er selbst einmal gesagt. Und was er sagte, das setzte er auch konsequent um. Sein Wort galt. Wie kaum ein anderer Chef genoss er das Vertrauen aller Mitarbeiter – vom Rentner zum Azubi, von Wittgenstein über Thüringen bis in die ganze Welt. Nicht wenigen war er väterlicher Ratgeber, Generationen hat er im Beruf mit aufrichtiger Menschlichkeit begleitet.

Die jungen Menschen lagen Hans Werner Kocherscheidt besonders am Herzen. Ihnen eine vernünftige und solide Berufsausbildung zu geben, war Chefsache. Kein Wunder, dass Hans Werner Kocherscheidt zu den Mitbegründern des heutigen Bildungszentrums Wittgenstein (BZW) zählte, dessen Vorsitzender er über etliche Jahre war.

Klare Linie in der Unternehmensphilosophie

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist fester Bestandteil der Unternehmensphilosophie; soziale Sicherheit, die hat der Senior allen Angestellten stets gegeben. Sie konnten immer auf die Verlässlichkeit, auf das Vertrauen und eine von Fürsorgepflicht geprägte Verantwortung ihres Arbeitgebers bauen. Wenn es seinen Leuten und deren Familien gut geht, erst dann war der Senior zufrieden.

Aus diesem sozialen Engagement heraus resultieren die heute noch durchgeführten Treffen für „Ehemalige“, Freizeiten für Mitarbeiter-Kinder oder die überregional relevante Ausbildungsmesse. Und wenn jedes Jahr wieder ein junger Auszubildender besondere Leistungen gezeigt hatte, gehörte der Senior zu den ersten Gratulanten.

Mit großer Kompetenz und einem gewieften unternehmerischen Weitblick hat der Verstorbene aus einem kleinen Schraubenhersteller, aus einer „Nagelbude“, wie Konkurrenten den Ur-Betrieb von Adolf Böhl in Berghausen bezeichneten, einen Global Player geformt, einen Marktführer, der auf einem gesunden, mittelständischen Familienunternehmen basiert – auch ein Ergebnis der konsequenten Auswahl hoch qualifizierten Personals.

Hans Werner Kocherscheidt hatte nicht nur als Unternehmer einen exzellenten Ruf, sondern auch als Rechtsanwalt und Notar. Nicht selten bewahrten seine fundierten, teils schlitzohrigen Plädoyers, einen Angeklagten vor der Gefängniszelle.

Ein gutes Gespür bewiesen

Schon früh erkannte Kocherscheidt die Notwendigkeit, das Unternehmen international aufzustellen. Die ersten internationalen Gesellschaften wurden bereits Anfang der 1980er Jahre gegründet. Heute hat die Gruppe in mehr als 30 Ländern Produktions- und Vertriebsgesellschaften. Nachhaltiges unternehmerisches Handeln bedeutete für den Verstorbenen stets, Gewinne wieder in das Unternehmen zu investieren und nicht aus dem Unternehmen abzuschöpfen.

Dieses rasante Wachstum des Unternehmens hat sich nicht nur an betriebswirtschaftlichen Zahlen orientiert, sondern stets auch an den Menschen. Davon zeugt der kontinuierliche Aufbau der Standorte in Wittgenstein ebenso wie in Thüringen. Dort, in Tambach-Dietharz, entwickelte Kocherscheidt den ehemaligen volkseigenen DDR-Betrieb „VEB Schraubenwerk Tambach“ zu einem modernen und leistungsfähigen Unternehmensstandort. Auch dort sind die Menschen dankbar, dass ein verantwortungsvoller Unternehmer gekommen ist, der etwas bewegen wollte und auch bewegt hat.

Weichen für das Familienunternehmen gestellt

Schon früh hat Hans Werner Kocherscheidt die Weichen dafür gestellt, dass die Familie mit seinem Sohn Christian in der Geschäftsführung und seiner Tochter Kathrin im Beirat maßgeblichen Einfluss im Unternehmen behält.

Für ihn bedeutete unternehmerische Tätigkeit immer auch gesellschaftliche Verantwortung. So unterstützte er zahlreiche soziale und kulturelle Projekte in der Region. Dazu zählen der Waldskulpturenweg Wittgenstein-Sauerland, die WeihnachtsZeitreise Bad Berleburg, die Internationale Musikfestwoche auf Schloss Berleburg oder der Umbau des Abenteuerdorfes des Kirchenkreises in Wemlighausen.

Einziger Inhaber der Ehrenplakette in Bad Berleburg

Dieses herausragende Engagement und den nachhaltigen sozialen Einsatz hat die Stadt Bad Berleburg gewürdigt. Zu seinem 80. Geburtstag überreichte Bürgermeister Bernd Fuhrmann nach einstimmigem Ratsbeschluss die Ehrenplakette der Stadt Bad Berleburg an Hans Werner Kocherscheidt. Bis heute ist diese hohe Auszeichnung nicht wieder vergeben worden.

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