Mittsommer

Wittgensteiner leben wie die Wikinger

Die Gruppe Rabenwind aus Wittgenstein.

Die Gruppe Rabenwind aus Wittgenstein.

Foto: Lisa Klaus / WP

Rüppershausen.   Die Gruppe Rabenwind bringt mittelalterliches Flair zur Mittsommerparty des MGV Oberndorf-Rüppershausen. So war die Zeitreise.

Es ist eine Reise ins Mittelalter, die die Besucher der zweitägigen Mittsommerparty des MGV Oberndorf-Rüppershausen am Wochenende auf der Alten Brache antreten. Schwerter klingen, Met und Bier fließt in durstige Kehlen und Gebratenes gibt der heißen Luft eine deftige Würze.

Die Gruppe Rabenwind wurde vom MGV eingeladen, um bei der Mittsommerparty – die Feier der Sommersonnenwende – für die passende heidnische Stimmung zu sorgen. Denn die Gruppe hat sich auf die Epoche der dänischen Wikinger spezialisiert, als das Christentum gerade erst vor der Tür Skandinaviens stand und die meisten Nordmänner noch Odin, Thor und Balder verehrten.


Zeit des Umbruchs

„Das ist zum einen eine sehr interessante Zeit des Umbruchs, aber auch eine Zeit, die gut dokumentiert ist, was die

Recherche erleichtert“, sagt der 22-jährige Benjamin Boshof aus Aue, jüngstes aktives Mitglied der Gruppe und ausgemachter Schwertkämpfer. Auf der alten Brache bringt er interessierten Besuchern die Kunst der Verteidigung und des Angriffs mit dem Schwert nahe.

„Ich sehe das als Sport. Man braucht viel Ausdauer und auch Verstand“, erklärt Boshof. Er ist von der Gruppe auch als „Erklärer“ auserkoren worden – er informiert Besucher über das authentische Zelt, das sie mitgebracht und aufgebaut haben und erklärt zum Beispiel, dass der Wikingerhelm mit Hörnern nur ein großer Mythos ist.

Auch historisches Handwerk erhalten die Mitglieder der Gruppe Rabenwind am Leben, färben Wolle mit natürlichen Stoffen – „das ist wie mittelalterliche Chemie“, sagt Boshof – schnitzen oder weben kunstvolle Gürtel.

„Man lernt dabei auch viel für sich selbst“, betont Boshof, der mit der Gruppe regelmäßig auf Mittelaltermärkte fährt, um zum einen das Leben aus längst vergangenen Zeiten zu demonstrieren und zum anderen für eine Weile abgeschieden von der heutigen Zeit zu leben.


Weg von Handy und Computer

„Das ist auch ein bisschen eine Flucht aus der Realität, weg von modernen Gegenständen wie Handys oder Computern

und nicht ständig erreichbar sein müssen“, sagt der 22-Jährige.

Er selbst hat sich schon von klein auf für die Wikinger interessiert, kontaktierte dann ein Mitglied der Gruppe, nachdem er deren weißen Zelte vom Zug aus gesehen hatte. „Da ist auch viel Harmonie, denn wir haben alle ähnliche Interessen und so kommen auch einige gute Freundschaften zustande“.

Die Gruppe legt hohen Wert auf historische Korrektheit – Kleider, Schmuck, Schuhe und Zelte müssen der auserwählten Zeit entsprechen. Der Weg zurück in die Realität ist dann manchmal gar nicht so einfach, bestätigt Anke Wollenberg, die für das Färben der Wolle zuständig ist.

Gemeinsam mit Mann Thomas und Tochter Charline ist sie Teil der Gruppe Rabenwind. „Dann vermissen wir die Mittelaltermärkte schon sehr.“ Für das musikalische Programm sorgte am Wochenende der MGV selbst sowie der gemischte Chor Liederkranz Dotzlar.

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