Kunstaktion

„WP-bewegt“: So gelingen individuelle Kunstwerke mit Acryl

Karin Ritter hat sich auf Blau und Grün festgelegt.

Karin Ritter hat sich auf Blau und Grün festgelegt.

Foto: Ute Schlapbach

Bad Berleburg.  Anke Althaus-Aderhold zeigt in ihrem Künstleratelier in Alertshausen, wie „Acrylic Pouring“ funktioniert. Mit überraschenden Ergebnissen.

„Acrylic Pouring ist total trendy“, weiß Künstlerin Anke Althaus-Aderhold. Auch ohne Pinsel und Vorkenntnissen entstehen beim Acryl Gießen einzigartige Ergebnisse. Das können Elke Geisler (Arfeld), Karin Ritter, die aus Puderbach angereist war, und die Weidenhäuserin Mechthild Schneiders bestätigen. Die drei Damen hatten sich für diese WP-bewegt-Aktion beworben und das Glück war ihnen hold. Also fanden sich die Gewinnerinnen motiviert und in Malkleidung zu einem Samstagnachmittagskurs im Alertshäuser Hof-Atelier ein.

Der Versuch

„Meine Enkeltochter hat mir das in der Zeitung gezeigt. Da hab’ ich gedacht, das muss ich auch mal machen“, berichtet Mechthild Schneiders und fragt gleichzeitig die Fachfrau, wie sie auf die Idee mit Acrylgießen gekommen sei. „Ich hab’ das mal in einem Video gesehen“, schwärmt Anke Althaus-Aderhold, „probiert – und dann konnte ich nicht mehr aufhören.“ Ja, probieren wollen es die Anfänger auch, deshalb sind sie ja da. Karin Ritter war auch schon künstlerisch aktiv, hat sogar einen Bildhauerkurs für den Urlaub eingeplant und Elke Geisler hat „alles schon durch, aber die Technik kenne ich noch nicht.“

Die Vorbereitungen

Das lässt sich schnell ändern. „Wie fangen wir denn an?“ Anke Althaus-Aderhold zeigt vorab die Materialien und erklärt den Arbeitsablauf, während die Gäste an den Maltischen Platz nehmen und Einweghandschuhe anziehen. Es wird bunt. Benötigt werden Acryl-Farben, ein sogenanntes Medium, Silikonöl, Becher, Wasser... und natürlich eine weiße Fläche, auf der gearbeitet wird. Das ist anfangs ein mit Leinwand bespannter Karton.

„Doch zuerst ist einmal die Vorarbeit das Wichtigste!“ Jede darf sich fünf verschiedene Farben aussuchen. „Eine hellere Komponente mit einbringen, damit Kontraste schaffen“, im sechsten Becher wird später zusammengeschüttet. Darauf kommt das „Medium“. Es verbessert die Fließeigenschaften der Farben und „das bekommt man übers Internet“, ein bisschen Wasser und Silikonspray, das später Punkte und Zellen nach oben drückt. Manche Farben sind cremiger, manche wie eine Paste. Deshalb kann man nicht pauschal sagen, wie viel Medium und wie viel Wasser. Die Vorarbeit muss gründlich gemacht werden – geduldig und gründlich rühren.

Die Techniken

„Das Rühren ist fast schon fast meditativ“, meint Anke Althaus-Aderhold. So, noch etwas Silikon obendrauf, aber nur ein paar Mal umrühren, je nachdem, wie groß die Zellen werden sollen. „Das ist ja wie Ostern!“, lacht Mechthild Schneiders. Dann eine Grundfarbe wählen, zum Beispiel Weiß oder Schwarz. „So, jetzt schreitet das Farbspektakel voran“, prophezeit die Künstlerin.

Es gibt verschiedene Techniken: Für Anfänger eignet sich, den Becher an einer Stelle komplett oder nach und nach auskippen oder langsam in Wellenlinien über die Fläche verteilt auszugießen. „Wir können nachher auch mal probieren, mit einer Folie abzuziehen.“ Das ergibt interessante Muster, wie ein Wasserfall. Man könne auch ein Loch in den Becher machen...da sind keine Grenzen gesetzt und im Internet gebe es inzwischen unzählige Videos zum Thema.

Der Startschuss

„Und dann kann es auch schon losgehen!“, gibt die Künstlerin den Startschuss. Becher mit aufgelegter Platte umdrehen, langsam an einer Stelle anheben, wieder schließen... „Ich hab’ ne Gänsehaut!“, bekennt Mechthild Schneiders... an einer anderen Stelle restliche Farbe austreten lassen... dann mit Geduld in alle Richtungen laufen lassen, „aufpassen, dass es keine Nasen gibt!“, warnt die Expertin, „und schräg halten oder schwenken, bis es die Kanten erreicht.“ „Oooooh!“ , ertönt es nebenan und gegenüber.

Mit Holzspatel oder -Stäbchen – notfalls mit dem Finger, weiße Stellen schließen, dann waagerecht ablegen. „Das sind alles Experimente.“ An Schneiders Bild zeigt die Expertin die Gestaltung von Rändern mittels Abziehen durch einen Holzspatel. Dann noch mit einem Gourmetflämmer etwas Hitze erzeugen, „dadurch platzen die Zellen noch besser auf.“ Auch Elke Geisler probiert das aus. Die Bilder passen später in handelsübliche Rahmen aus Glas, Holz, Kunststoff. Man könne zur Not etwas abschneiden, denn in seltensten Fällen würde alles eingerahmt, meist nur ein Bildausschnitt. „Da wird nie ein Bild wie das andere“, stellt Karin Ritter fest.

Das soll gleich mal auf Leinwand getestet werden. „Tauschen Sie doch einzelne Farben aus und nehmen Sie neue dazu“, lautet die Empfehlung. „Wie viel Zeit haben wir denn noch?“ „Mit Stress im Nacken kann man nicht malen“, winkt Anke Althaus-Aderhold ab, „man muss ganz entspannt sein und nicht auf die Uhr sehen.“ „Ich würde das nächste gerne abziehen!“

Mechthild Schneiders ist ganz gespannt. „Ich kann ja mal eins vormachen“, schlägt die Fachfrau vor. Gesagt - getan. „Das wird toll! In jeder Sekunde ist es schön – anders schön!“ Als nächstes dürfen die kreativen Gäste noch eine selbstklebende Klarsichtfolie mit der Abziehtechnik gestalten. Die Folie „wird wie Wachstuch!“ und mit ihr lässt sich zum Beispiel ein Buch einbinden oder ein Tablett bekleben.

Das Ergebnis

Das Trocknen geht bei den hochsommerlichen Temperaturen zwar schneller als sonst, aber einige Stunden benötigt der Vorgang trotzdem. Deshalb können die Acryl-Kunstwerke nicht direkt mitgenommen werden. Kein Problem! Um den Bildern den finalen Schliff zu geben und diese vor äußeren Einflüssen wie Licht oder Feuchtigkeit zu schützen, wird nach dem Trocknen sowieso erst noch Klarlack aufgesprüht.

„Bravo, bravo!“, lobt Anke Althaus-Aderhold nach zweieinhalb kreativen Stunden ihre „Lehrlinge“, denen das Acrylgießen sehr viel Spaß gemacht hat und die sich in Kürze bestimmt Gedanken machen, wo sie ihre selbstgefertigten Unikate aufhängen.

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