Versorgungslücke

Zahnärztin aus Erndtebrück sucht erfolglos Unterstützung

Eva-Kathrin Linde ist niedergelassene Zahnärztin in Erndtebrück. Seit langem sucht sie erfolglos nach Unterstützung für ihre Praxis

Foto: Marcel Krombusch

Eva-Kathrin Linde ist niedergelassene Zahnärztin in Erndtebrück. Seit langem sucht sie erfolglos nach Unterstützung für ihre Praxis Foto: Marcel Krombusch

Erndtebrück.   Zahnärzte im Altkreis Wittgenstein: Eva-Kathrin Linde hat ihre Praxis in Erndtebrück und spürt täglich die Folgen der schlechten Abdeckung.

Die 158 aktuell besetzten Zahnarztstellen im Kreis Siegen-Wittgenstein decken gerade 75 Prozent der Versorgung. Die Unterschiede sind groß, Gemeinden wie Erndtebrück mit einem guten Versorgungsgrad von 88 Prozent liegen dicht an dicht mit Orten wie Bad Berleburg, die nur 48 Prozent aufweisen – einen der schlechtesten Werte im gesamten Kreis.

Auswirkungen auf den Alltag

Soviel zu den Zahlen. Aber welche Auswirkungen hat das auf den Alltag eines Zahnarztes in der Region?

Beispiel Erndtebrück: Drei Praxen gibt es in der Gemeinde, eine davon gehört Eva-Kathrin Linde. Gemeinsam mit ihrem Vater hat sie seit 2002 viele hundert Patienten aus dem gesamten Altkreis Wittgenstein betreut. Bis ihr Vater aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr als Zahnarzt arbeiten konnte. Inzwischen nimmt Eva-Kathrin Linde keine neuen Patienten mehr in ihrer Praxis auf, versorgt nur noch bereits bekannte Personen. Es herrscht Aufnahmestopp.

Suche nach Unterstützung

„Ich suche längst nach Unterstützung – bisher ohne Erfolg.“, ärgert sich die Mutter von zwei kleinen Söhnen. Ihr würde eine zusätzliche Zahnärztin helfen, die selbst Kinder hat und zwei Tage die Woche arbeiten könnte. „Ich mag meinen Beruf sehr gerne und will ja nicht aufhören. Aber es wäre schön, wenn sich die Arbeit etwas entspannt.“

Rund fünfzig Patienten pro Tag sind bei Eva-Kathrin Linde keine Seltenheit, meist arbeitet die selbstständige Zahnärztin bis in den Feierabend hinein. Grund hierfür ist nicht nur die teils lange Verweildauer von Patienten, etwa für eine Wurzelbehandlung mit rund zwei Stunden. Für Linde hat auch das persönliche Gespräch einen hohen Wert. „Die Patienten müssen leider meinst lange auf einen Termin warten. Dann haben sie aber das Recht, nicht bloß abgefertigt zu werden.“ Viel Zeit nimmt zudem die Bürokratie in Anspruch: Rechnungen schreiben, Bestellungen aufgeben, Steuern machen. Dazu kommen vier Wochen Notdienst im Jahr, sprich: 28 Tage, 24 Stunden erreichbar. Alles gebündelt eine erhebliche Belastung – auch für das Privatleben.

Folgen für Familie

„Wenn ich die Post für die Praxis mache, bleibt der Garten liegen“, erzählt Linde von der Schwierigkeit, Beruf und Privates unter einen Hut zu bringen. Zugute kommt ihr die Nähe zum Wohnhaus, von der Praxis aus kann sie auf das Trampolin im heimischen Garten blicken. Trotz Stress kommen für die Mutter ihre Kinder an erster Stelle. Bei der Einschulung ihrer Söhne etwa blieb die Praxis zu.

Die Einschnitte für das Familienleben schrecken Bewerberinnen nicht ab: Rund 80 Prozent der Absolventen in Zahnmedizin sind weiblich. Aber die wollen sich nach dem Studium nicht sofort niederlassen, sondern zunächst in Anstellung oder in Gemeinschaftspraxen arbeiten.

Auch Eva-Kathrin Linde kann gut verstehen, dass junge Kolleginnen den Weg in die Selbstständigkeit scheuen – besonders jene mit Kinderwunsch. „Wenn die Mitarbeiterin am Empfang schwanger wird, darf sie vom ersten Tag an das Behandlungszimmer nicht mehr betreten – bei der Zahnärztin ist das anders.“ Diese müsse bis zuletzt weiterarbeiten.

Wenig Lichtblicke

Für die Zukunft sieht sie wenig Lichtblicke für die zahnärztliche Versorgung in der Region, auch aufgrund des Alters der Kollegen. Viele gingen in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand – und ihre Patienten müssten von den verbleibenden Praxen aufgefangen werden. Eine Patent-Lösung für mehr Nachwuchs wisse auch sie nicht, sieht aber Potenzial in gebürtigen Wittgensteinern, die nach dem Studium zurückkehren könnten.

Auch deshalb sucht die Zahnärztin aus Erndtebrück derzeit an der Universität Marburg nach geeigneten Bewerberinnen oder auch Bewerbern.

„Es muss einfach passen“, legt Linde auch Wert auf die richtige Atmosphäre in ihrem Praxis-Team. So sind regelmäßige gemeinsame Aktionen mit den insgesamt sieben Mitarbeiterinnen vom Empfang selbstverständlich. „Wir haben eine Wanderung geplant, bei dem Wetter aktuell werden wir aber wohl direkt zum Einkehren in einer Gaststätte übergehen“, verrät die Zahnärztin und lacht.

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